Schach verbindet Menschen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder individuellen Fähigkeiten. Beim 4. Inklusions-Schachopen 2026 in Wien traten blinde, sehbehinderte, gehörlose und hörende Schachbegeisterte gemeinsam gegeneinander an.
Veranstaltet wurde das Turnier vom Österreichischen Blindenschachbund gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, Niederösterreich, Burgenland (BSV WNB) und der Wiener Schachrunde. Das Turnier zeigt, dass Schach Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenbringt. Wir haben mit Organisator und Teilnehmer über das besondere Turnier und ihre Begeisterung für Schach gesprochen.
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GW.tv: Wo sind wir und was machen die Leute hier?
Josef Maisser (Blinden und Sehbehindertenverband Wien, Niederösterreich und Burgenland): Wir haben heute unser viertes Inklusionsschach Open. Seit vier Jahren veranstalten wir dieses Turnier jedes Jahr. Wir sind hier im Österreichischen Blindenverband, Landesgruppe Wien, Niederösterreich und Burgenland. Das ist unsere Organisation der blinden und sehbehinderten Menschen. Wir freuen uns sehr, dass sich schon wieder so viele angemeldet haben. Nach Angaben der Turnierleitung gibt es rund 56 Anmeldungen. Ich hoffe, dass heute auch alle kommen.
GW.tv: Was für ein Ziel wird mit diesem Schach-Open verfolgt?
Josef Maisser : Das Ziel des Schach-Open ist Inklusion. Jeder schachinteressierte Mensch, der die Grundregeln kennt und mitschreiben kann, darf teilnehmen. Auch gehörlose Menschen können mit einer Assistenz mitspielen. Die Assistenz führt dann den Zug des Gegners auf dem Brett aus. Wie man hier sieht, gibt es für Sehende ein normales Schachbrett. Ich selbst habe ein haptisches Blindenschachbrett. Ich muss den gegnerischen Zug auf meinem Brett nachspielen. Wenn ich zum Beispiel mit Weiß e4 ziehe und mein Gegner mit Schwarz c5 antwortet, muss ich diesen Zug auf meinem Brett nachstellen. Umgekehrt muss mein Gegner meine Züge auf seinem Brett ausführen, weil ich die Felder auf seinem Brett nicht ertasten kann.
GW.tv: Welche Personen dürfen hier teilnehmen?
Josef Maisser : Mitmachen darf jeder, der Freude am Schach hat. Wir veranstalten das Turnier meistens in der ersten Ferienwoche. Heuer findet es vom 6. bis 12. Juli statt. Teilnehmen kann jede Person, die sich für Schach interessiert und die Grundregeln bereits beherrscht. Man sollte kein kompletter Anfänger sein, sondern zumindest selbstständig eine Partie beginnen können.
GW.tv: Warum magst du Schach?
Interviewpartner 1: Ich spiele gerne Schach, weil es mein Gehirn fordert. Unter Stress funktioniere ich besonders gut. Vor allem Blitzschach mit kurzer Bedenkzeit macht mir Spaß, weil dabei leichter Fehler passieren. Dadurch entstehen spannende Partien und starke Emotionen – entweder, weil ich einen Fehler mache oder weil mein Gegner einen Fehler macht.
Interviewpartner 2: Für mich ist Schach eine Art Meditation. Ich brauche kein Yoga oder andere Entspannungsmethoden. Wenn ich ein paar Stunden spiele, bin ich völlig auf das Spiel konzentriert und vergesse alle Probleme und Verpflichtungen. Das ist für mich die beste Beschäftigung für meine Seele.
Interviewpartner 3: Ich spiele gerne Schach, weil es mir Spaß macht und ich in dieser Zeit nichts Besseres zu tun habe. Ich finde Schach sehr interessant. Ich spiele nur als Hobby und bin kein Profi. Während einer Partie kann ich mich für mehrere Stunden vom Alltag lösen. Eine Partie dauert bei uns bis zu vier Stunden. Diese Zeit nutze ich, um nicht ständig an Alltagsprobleme oder andere Dinge denken zu müssen.
GW.tv: Was ist das Ziel bei diesem Turnier?
Interviewpartner 1: Ich möchte bei den sieben Partien mindestens vier Punkte erreichen. Mein Kampfgeist sagt zwar immer sieben von sieben, aber wenn es nicht klappt, ist das auch in Ordnung. Dann wird es beim nächsten Mal besser.
Interviewpartner 2: Mein Spielniveau ist nicht besonders hoch und ich kenne meine Stärken und Schwächen. Mir macht es aber Spaß, solche Veranstaltungen zu organisieren und daran teilzunehmen. Außerdem möchte ich meine Schachfreunde und auch andere Menschen motivieren, mitzumachen.
