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Tag 5: Arbeit und Beruf mit Helene Jarmer

Herzlich willkommen zum fünften Tag unserer Aktionswoche 2026!  Heute sprechen wir über Arbeit und Beruf. 

*Alternativlink zum Video: YouTube

 

Jeder Mensch sollte den Beruf wählen können, der zu den eigenen Fähigkeiten, Interessen und Qualifikationen passt – und nicht nur jenen Beruf, der trotz bestehender Barrieren gerade zugänglich ist.  Arbeit ist ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Teilhabe. Arbeit bedeutet nicht nur Einkommen, sondern auch Selbstständigkeit, Anerkennung, persönliche Entwicklung und die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten und Talente einzubringen.  Die UN-Behindertenrechtskonvention erkennt deshalb das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit an – auf einem offenen, inklusiven und zugänglichen Arbeitsmarkt.

Für gehörlose, schwerhörige und taubblinde Menschen besteht die zentrale Herausforderung häufig nicht in den eigenen Fähigkeiten, sondern in den Barrieren, die durch fehlende Zugänglichkeit, Vorurteile und unzureichende Unterstützungsstrukturen entstehen.  Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Das Bewusstsein wächst, dass gehörlose Menschen vielfältige Kompetenzen mitbringen und nicht aufgrund ihres Hörstatus oder bestehender Kommunikationsbarrieren beurteilt werden sollten.

Gleichzeitig zeigt die Realität, dass viele gehörlose Menschen weiterhin eingeschränkte Chancen am Arbeitsmarkt haben. Sie erreichen seltener höhere Bildungsabschlüsse, finden schwieriger Zugang zu qualifizierten Berufen und sind häufiger in Tätigkeitsbereichen beschäftigt, die nicht ihren Interessen, Fähigkeiten oder Qualifikationen entsprechen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt bereits im Bildungsweg. Wenn gehörlose Kinder und Jugendliche keinen gleichberechtigten Zugang zu ÖGS, zu hochwertiger Bildung und zu passenden Unterstützungsangeboten erhalten, wirkt sich das langfristig auf Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Möglichkeiten aus. Deshalb ist die Umsetzung von ÖGS als Unterrichts- und Bildungssprache eine entscheidende Grundlage für spätere berufliche Chancengleichheit.

Auch im Berufsleben selbst bestehen weiterhin große Barrieren. Fehlende Gebärdensprachdolmetschung, mangelnde barrierefreie Kommunikation und unzureichende Unterstützungsangebote erschweren den Zugang zu Ausbildung,  Bewerbungsgesprächen, Weiterbildung, Besprechungen und beruflicher Entwicklung. Der ÖGLB setzt sich deshalb dafür ein, dass Dolmetschleistungen und notwendige Unterstützungen verlässlich, ausreichend und unbürokratisch zur Verfügung stehen. Denn die Verfügbarkeit von Unterstützung darf niemals darüber entscheiden, ob jemand eine berufliche Chance erhält oder nutzen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die freie Berufswahl. Gehörlose Menschen sollen den Beruf wählen können, der ihren Interessen, Fähigkeiten und Qualifikationen entspricht. Noch immer bestehen in manchen Bereichen ungerechtfertigte Zugangsbeschränkungen, obwohl gerade gebärdensprachkompetente Fachkräfte etwa in Bildung, Beratung, Gesundheit, Verwaltung und Kultur dringend gebraucht werden.

Unsere Vision ist eine Arbeitswelt, in der gehörlose Menschen gleichberechtigt teilhaben und ihre beruflichen Ziele verwirklichen können. Eine Arbeitswelt, in der ÖGS selbstverständlich berücksichtigt wird, berufliche Entwicklung möglich ist und Menschen ausschließlich nach ihren Fähigkeiten und Qualifikationen beurteilt werden.

Denn echte Inklusion bedeutet nicht nur, Zugang zu irgendeiner Arbeit zu haben.  Sie bedeutet, den eigenen beruflichen Weg frei, gleichberechtigt und selbstbestimmt gestalten zu können.  Bleibt dran: Im Laufe des Tages veröffentlichen wir noch ein Video mit unserer Community-Frage und einer Gewinnmöglichkeit. Mitmachen lohnt sich – denn eure Erfahrungen und Perspektiven sind ein wichtiger Teil dieser Aktionswoche.

Foto/Video Credits: ÖGLB / Gebärdenwelt.tv
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