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ÖGLB fordert Anerkennung gehörloser Menschen als sprachliche und kulturelle Minderheit

Pressemitteilung zum Internationaler Tag der Gebärdensprachen: 

 

*Alternativlink zum Video: YouTube

 

Forderung auf Perspektivenwechsel:

Österreichischer Gehörlosenbund fordert Anerkennung gehörloser Menschen als sprachliche und kulturelle Minderheit  Behindertenrechte und Minderheitenrechte ergänzen einander – ein notwendiger Perspektivenwechsel soll die sprachlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Rechte gehörloser Menschen stärken.  Anlässlich des Internationalen Tages der Gebärdensprachen am 23.September fordert der Österreichische Gehörlosenbund (ÖGLB) einen grundlegenden Perspektivenwechsel: Mehr als 21 Jahre nach der Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) in der österreichischen Bundesverfassung ist es Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Gehörlose Menschen dürfen nicht ausschließlich aus der Perspektive von Behinderung betrachtet werden, sondern müssen zugleich als Angehörige einer sprachlichen und kulturellen Minderheit anerkannt werden.

„Die Österreichische Gebärdensprache ist nicht nur ein Instrument zur Herstellung von Barrierefreiheit. Sie ist unsere Sprache, Ausdruck unserer Identität und wesentlicher Teil unserer Kultur.“, so ÖGLB-Präsidentin Helene Jarmer.  „Die Anerkennung als sprachliche und kulturelle Minderheit ersetzt die Behindertenrechte nicht – sie ergänzt und stärkt sie. Genau dieser Perspektivenwechsel ist jetzt notwendig“, ergänzt Jarmer.  Mit dieser Position schließt sich der ÖGLB der aktuellen Forderung der Europäischen Union der Gehörlosen (EUD) an. Das neue EUD-Positionspapier beschreibt gehörlose Menschen zugleich als Menschen mit Behinderungen und als Angehörige einer sprachlichen und kulturellen Minderheit. Dieses als „Deaf Duality“ bezeichnete Verständnis macht deutlich, dass beide Perspektiven gleichberechtigt nebeneinanderstehen und einander ergänzen.

Gehörlosen-Community als Sprach- und Kulturminderheit:

Die Anerkennung gehörloser Menschen als sprachliche und kulturelle Minderheit soll bestehende Behindertenrechte keinesfalls ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Dadurch sollen insbesondere das Recht auf Gebärdensprache, der Schutz der sprachlichen und kulturellen Identität sowie der gleichberechtigte Zugang zu Bildung, Information und gesellschaftlicher Teilhabe gestärkt werden.

„Barrierefreiheit wird noch viel zu oft als Zusatzleistung betrachtet. Dabei ist sie die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihre Rechte überhaupt wahrnehmen können. Barrierefreiheit ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Budgets darf die Umsetzung von Sprachenrechten nicht zur Verhandlungsmasse werden. Menschenrechte stehen nicht unter Budgetvorbehalt“, betont Helene Jarmer.

Anerkennung ÖGS reicht nicht:

Die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache im Jahr 2005 war ein historischer Meilenstein. Die verfassungsrechtliche Anerkennung muss jedoch endlich mit konkreten und verbindlichen Maßnahmen in allen Lebensbereichen verbunden werden: in Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeitswelt, Justiz, Kultur, Medien und öffentlicher Verwaltung.  Noch immer hängt der Zugang zu Informationen, Bildung, medizinischer Versorgung oder behördlichen Leistungen vielfach davon ab, ob Gebärdensprachdolmetschung verfügbar und finanziert wird. Sprachenrechte dürfen jedoch nicht vom Einzelfall, vom Wohnort oder von der finanziellen Situation unserer Zielgruppe abhängen.

Aktionswoche 2026 auf Gebärdenwelt.tv:

Sprache ist mehr als Kommunikation – sie ist Identität, Kultur und eine wesentliche Grundlage für Selbstbestimmung, gesellschaftliche Zugehörigkeit und gleichberechtigte Teilhabe. Der Internationale Tag der Gebärdensprachen ist für den ÖGLB Anlass, diese Forderungen im Rahmen der Aktionswoche 2026 unter dem Motto  „ÖGS. Unsere Sprache. Unsere Rechte. Von der Anerkennung zur Umsetzung.“ aufzugreifen.

An sieben Thementagen stehen die Umsetzung der Sprachenrechte und die gleichberechtigte Teilhabe gehörloser Menschen in den zentralen Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeit, Kunst und Kultur sowie Politik im Mittelpunkt.

Der ÖGLB appelliert an Politik, Verwaltung und Gesellschaft, die Österreichische Gebärdensprache als eigenständige Sprache und als unverzichtbarer Bestandteil der Identität und Kultur gehörloser Menschen anzuerkennen. Dazu braucht es nicht nur symbolische Anerkennung, sondern verbindliche gesetzliche Regelungen, ausreichende finanzielle Mittel, qualifizierte Fachkräfte und einen flächendeckenden Zugang zu ÖGS in allen Lebensbereichen. Behindertenrechte und Sprachenrechte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie müssen gemeinsam gedacht und umgesetzt werden. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht tatsächliche Gleichstellung, Selbstbestimmung und umfassende gesellschaftliche Teilhabe gehörloser Menschen.

Foto/Video Credits: ÖGLB / Gebärdenwelt.tv
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