Skip to content

„Grenzen entdecken und darüber hinwegkommen“: Paraschwimmer Andreas Onea

Von Weltrekord bis zur Moderationsbühne: Paraschwimmer Andreas Onea hat mit 33 Jahren bereits viele Ziele erreicht. Wir haben ihn außerhalb des Schwimmbeckens als Moderator zum Interview getroffen. 

 

*Alternativlink zum Video: YouTube

 

Transkript:

[GW.tv]: Andreas Onea, wahrscheinlich der bekannteste Para-Sportler in Österreich, mit 2008 schon den ersten Weltrekord gebrochen. Warum Schwimmen?

[Andreas Onea]: Es war 2008 der erste Weltrekord und auch der letzte. Aber Schwimmen, weil es mir einfach die Möglichkeiten gegeben hat, dass ich meine eigenen Grenzen entdecke, aber auch lerne, wie ich über diese Grenzen hinweg kommen kann. Dass ich einfach viel mehr kann, als ich mir oftmals vielleicht selbst zutraue oder als mir Menschen zutrauen. Und ganz konkret bin ich zum Schwimmen gekommen in der Therapie, weil man einfach beim Schwimmen als Mensch mit einer körperlichen Behinderung lernt, seinen Körper zu stabilisieren, seine Muskeln zu nutzen. Und wie gesagt, auch ein bisschen nicht ganz so faul zu sein, wenn man jetzt ganz viele Ausreden hat, warum vieles nicht mehr geht.

[GW.tv]: Gibt es andere Sportarten, die Sie vielleicht auch hobbymäßig betreiben?

[Onea]: Ich habe lange Fußball gespielt, aber die Verletzungsgefahr ist zu groß. Und natürlich ist Schwimmen nicht nur schwimmen, sondern wir machen Krafttraining, wir machen Ausdauertraining an Land. Also man kombiniert viele Elemente von vielen verschiedenen Sportarten, um so fit wie möglich ins Wasser zu gehen.

[GW.tv]: Sie waren quasi von Anfang an im Behindertensport aktiv. Welche Fortschritte und Entwicklungen hat es in der Zwischenzeit gegeben?

[Onea]:Ich hatte meinen Unfall 1998, da war ich sechs Jahre alt, habe danach mit dem Schwimmen begonnen. Behindertensport war nicht existent, nicht präsent. Mittlerweile gibt es Berichterstattung. Mittlerweile gibt es Sponsoren. Mittlerweilegibt es das Berufsbild Behindertensportler und Behindertensportlerin. Ich darf als Heeressportler von meinem Sport leben. Das wäre vor vielen Jahren nicht möglich gewesen. Es hat sich was getan. Es gibt noch viel Luft nach oben und das Ziel muss sein absolute Gleichstellung mit unseren nicht paralympischen Kolleginnen und Kollegen.

[GW.tv]: Was wären so Maßnahmen, die dazwischen fehlen?

[Onea]: Wenn man sich Förderungen ausdenkt und Strukturen neu aufstellt, dass man den Behindertensport sofort inklusiv mitdenkt, dass man die Vereine und die Verbände zu noch mehr Zusammenarbeit bewegt, dass man keinen Unterschied mehr macht, dass wir die Infrastruktur und die Zugänge zu den Sportstätten endlich barrierefrei hinbekommen, damit einfach keine Barrieren existieren und jeder Mensch jede Sportart ausüben kann, wenn er es möchte.

[GW.tv]: Sie sind nicht nur Sportler mit Behinderung, sondern auch Moderator mit Behinderung und tragen damit ein bisschen bei, dass Behindertenpersonen auch in den Medien vertreten sind. Welche von diesen Rollen finden Sie als wichtiger?

[Onea]: Ich glaube, beide Rollen sind für mich persönlich sehr wichtig. Ich habe viel mitnehmen können und wenn ich mit beiden Rollen etwas zurückgeben kann und nicht nur zurückgeben kann, sondern auch etwas bewirken kann in die Gesellschaft, dann gibt mir das wahnsinnig viel Kraft, dass ich weiterhin beim Training schnell im Kreis schwimme und bei jeder Moderation mir gut überlege, dass ich keinen Blödsinn sage, um einfach zu zeigen: Hey, Behinderung ist egal. Es geht um den Menschen, es geht um die Fähigkeiten. Es geht um den Wunsch, etwas beizutragen und um das Talent. Und das kann ich mit dem Sport, das kann ich über mein Mundwerk, das rennt ohne stehen zu bleiben. Am Ende des Tages möchten wir einfach zeigen: “Hey, wir können auch.” Und man muss uns die Möglichkeit geben als Mensch mit Behinderung.

Foto/Video Credits: Gebärdenwelt.tv
Beitrag teilen

Accessibility Toolbar