Paddy Ladd ist eine der bedeutendsten Figuren der globalen Gehörlosenkultur. Sein Konzept „Deafhood“ – also Taubsein – besagt, dass gehörlose Menschen zu einer globalen kulturellen Minderheit gehören. Der Salzburger Gehörlosenverband hat ihn zu seinem Jubiläumsfest eingeladen. Im Interview mit uns erzählt der englische Wissenschaftler, wie er dieses Konzept entwickelt hat, was sich seither weltweit getan hat, wie die Community sich weiterentwickeln kann.
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Transkript:
[Beide]: Hallo!
[GW.tv]: Möchtest du dich kurz vorstellen?
[Paddy Ladd]: Mein Name ist P-A-D-D-Y L-A-D-D. Gebärdet wird das so: Paddy Laddy [Gebärdenname]. Ich bin heute hier, um über das Thema Deafhood (D-E-A-F-H-O-O-D) zu erzählen.
[GW.tv]: Der Begriff Deafhood bedeutet Taub sein. Wann entstand die Idee, dich in deinem Buch mit dem Thema Deafhood auseinanderzusetzen?
[Ladd]: Das ist eine gute Frage. Ursprünglich forschte ich zum Thema Gehörlosenkultur. Beim Konzept Gehörlosenkultur geht es aber vermehrt um negative Aspekte, wie z.B. Unterdrückung. Gehörlosenkultur stellt sich da als etwas Schwindendes dar, das gerettet werden muss. Deafhood ist hierfür einfach das passendere Konzept.
[GW.tv]: Warum hast du dich genau mit diesem Thema befasst?
[Ladd]: Deafhood meinst du?
[GW.tv]: Ja, warum ist Deafhood so ein wichtiger Begriff?
[Ladd]: Gehörlose Menschen wurden viele Jahre lang immer wieder diskriminiert. Im Jahr 1980 ging es dann bergauf und es hat sich zum Positiven gewendet. Durch oralistische Diskriminierung ging es aber immer wieder bergab. Gehörlosenschulen und -vereine wurden geschlossen. Die Gehörlosenkultur und -community muss gefördert und empowert werden.
[GW.tv]: Wenn du deine Forschung ansiehst: Welche Unterschiede gibt es zwischen damals und jetzt?
[Ladd]: Es gibt tausende Unterschiede.
[GW.tv]: Kannst du uns ein Beispiel nennen?
[Ladd]: Ein Beispiel: Früher war die Gehörlosen-Community mit ihren Vereinen und Schulen sehr stark. Also vor dem Oralismus wurden gehörlose Kinder gebärdensprachlich unterrichtet. Das änderte sich mit dem Oralismus. Gebärdensprache wurde mehr oder weniger abgeschafft. Das hatte zur Folge, dass das Bildungsniveau von gehörlosen Menschen immer niedriger wurde. Es ging dann wieder bergauf, bis dann wieder alle Bemühungen zunichte gemacht wurden. Die Kinder sollten in hörende Klassen integriert werden, was sehr viel Überforderung zur Folge hatte. Das war ein sehr großes Auf und Ab.
[GW.tv]: Wahnsinn, da hat sich viel verändert. Welches Gefühl hast du für die Zukunft?
[Ladd]: Es gibt zwei Wege und ich hoffe, dass sich diese beiden Wege kreuzen werden. Die beiden Wege kommen an einem Punkt zusammen. Von dort kann es in zwei unterschiedliche Richtungen gehen. Eine Richtung bedeutet, dass die Gehörlosen-Community immer kleiner wird und irgendwann ganz verschwindet. Die andere Richtung bedeutet, dass gehörlose Menschen aktiv werden, von Hörenden unterstützt werden und sich empowern.
[GW.tv]: Sehr interessant. Welche Botschaft möchtest du der Gehörlosen-Community mit auf den Weg geben? Was ist wichtig für die Community?
[Ladd]: Was wichtig ist?
[GW.tv]: Wie wichtig ist Deafhood für die Gehörlosen-Community? Was möchtest du der Community da mitgeben?
[Ladd]: Es ist wichtig, dass ihr für die Gebärdensprache kämpft. Und auch das Engagement für die Gehörlosen-Kultur. Wenn die einzelnen Gebärdensprachen anerkannt werden, dann ist das auch für die Gebärdensprachkultur, die Geschichte und die Kunst ein Aufschwung. Bitte ruht euch nicht auf Sozialgeldern aus und lasst nicht einfach die Zeit verstreichen! Daher meine Bitte: Macht bei Demos mit!
Egal, ob es kleine oder große Beiträge sind. Unterstützt gehörlose Menschen und die Community! Das kann bei einer Demo oder woanders sein – wichtig ist, sich einzubringen.
[GW.tv]: Toll! Vielen Dank! Das war eine wichtige Botschaft. Danke!
[Ladd]: Sehr gerne!
[GW.tv]: Vielen Dank!
[Ladd]: Schönen Abend!
