Herzlich willkommen zum sechsten Tag unserer Aktionswoche 2026! Heute sprechen wir über Kunst und Kultur.
*Alternativlink zum Video: YouTube
Kunst, Geschichten, Theater, Film und Gebärdensprachpoesie zeigen, wer wir sind. Sie machen unsere Sprache sichtbar, verbinden Menschen und geben Gemeinschaften die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, Perspektiven und Geschichten selbst auszudrücken. Kultur ist so viel mehr als Unterhaltung. Kultur schafft Identität, Erinnerung, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Sichtbarkeit. Für gehörlose Menschen bedeutet kulturelle Teilhabe daher nicht nur, Zugang zu kulturellen Angeboten zu erhalten. Es bedeutet auch, die eigene Sprache und Kultur selbstbestimmt einzubringen, eigene Werke zu schaffen und als aktiver Teil der Kulturlandschaft anerkannt zu werden.
Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Österreich dazu, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen. Dazu gehört der Zugang zu Theater, Film, Museen, Konzerten, Festivals und anderen kulturellen Veranstaltungen – und zwar in einer Form, die tatsächlich barrierefrei und gleichberechtigt zugänglich ist. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert? Gebärdensprachpoesie, Theater, Film, bildende Kunst und andere Ausdrucksformen zeigen die Vielfalt unserer Sprache und unserer Perspektiven. Immer mehr Menschen erkennen, dass Gebärdensprache nicht nur Kommunikation ist, sondern auch Kunst, Kultur und kreativer Ausdruck. Die Kultur der Gehörlosengemeinschaft wird sichtbarer. Das ist ein wichtiger Fortschritt.
Aber echte Teilhabe bedeutet mehr als einzelne Angebote mit Dolmetschung. Noch immer werden gehörlose Menschen in kulturellen Projekten häufig nicht von Anfang an mitgedacht. Barrierefreiheit wird oft erst nachträglich ergänzt, anstatt gemeinsam mit gehörlosen Menschen geplant, gestaltet und umgesetzt zu werden. Dabei entstehen die besten Lösungen dort, wo gehörlose Menschen selbst beteiligt sind und Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Der ÖGLB setzt sich deshalb dafür ein, dass gehörlose Menschen nicht nur Publikum kultureller Angebote sind, sondern Kultur aktiv mitgestalten.
Dazu gehört, dass gehörlose Künstler:innen, Darsteller:innen, Deaf Performer:innen, taube Dolmetscher:innen, Kulturvermittler:innen und gehörlose Fachpersonen von Beginn an in kulturelle Projekte einbezogen werden. Denn echte Repräsentation
entsteht nicht dadurch, dass über eine Gemeinschaft gesprochen wird – sondern dadurch, dass diese Gemeinschaft selbst sichtbar wird, ihre eigenen Geschichten erzählt und aktiv mitgestaltet. Auch kulturelle Einrichtungen brauchen Unterstützung und Beratung, wenn sie barrierefreie und gebärdensprachige Angebote entwickeln. Diese Expertise muss unter maßgeblicher Beteiligung gehörloser Fachpersonen erfolgen, die Sprache und Kultur aus eigener Erfahrung kennen.
Ein wichtiger Bereich sind Museen und Ausstellungen. Führungen sollten dort nicht nur von einer Lautsprache in ÖGS übertragen werden, sondern ein eigenständiges kulturelles Erlebnis in Gebärdensprache ermöglichen. Deshalb braucht es qualifizierte gehörlose Native Signers und Kulturvermittler:innen, die Inhalte direkt in ÖGS vermitteln und damit einen unmittelbaren Zugang zu Wissen, Geschichte und Kultur schaffen. Dadurch können auch neue berufliche Möglichkeiten entstehen, wenn gehörlose Menschen stärker in Kulturarbeit, Museumsarbeit, Kunstproduktion und Kulturvermittlung eingebunden werden.
Bei Musik, Film und digitalen Kulturangeboten gilt dasselbe Prinzip: Barrierefreiheit darf nicht erst am Ende eines Projekts bedacht werden. Sie muss von Beginn an Teil der Planung, Finanzierung und Umsetzung sein. Nur so entstehen Angebote, die nicht ausschließlich für ein hörendes Publikum konzipiert sind, sondern allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang ermöglichen. Unsere Vision ist eine Kulturlandschaft, in der gehörlose Menschen selbstverständlich vorkommen – als Künstler:innen, Darsteller:innen, Vermittler:innen, Fachpersonen, Entscheidungsträger:innen und als Publikum. Gebärdensprache und Gehörlosenkultur müssen als eigenständiger und wertvoller Teil der österreichischen Kulturlandschaft anerkannt, gefördert und sichtbar gemacht werden.
Denn kulturelle Teilhabe bedeutet nicht nur, dabei sein zu dürfen. Sie bedeutet, die eigene Geschichte erzählen, die eigene Sprache leben und die Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können. Bleibt dran: Im Laufe des Tages veröffentlichen wir noch ein Video mit unserer Community-Frage und einer Gewinnmöglichkeit. Mitmachen lohnt sich – denn eure Erfahrungen und Perspektiven sind ein wichtiger Teil dieser Aktionswoche.
