Herzlich willkommen zum dritten Tag unserer Aktionswoche 2026! Heute feiern wir den Internationalen Tag der Gebärdensprachen. Dieser Tag ist für uns ein besonderer Anlass, selbstbewusst und sichtbar zu zeigen, was Gebärdensprache für uns bedeutet.
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Gebärdensprachen sind vollständige, natürliche Sprachen mit eigener Grammatik, eigener Geschichte vielfältigen kulturellen Ausdrucksformen. Sie sind nicht einfach eine Form der Unterstützung oder eine reine Übersetzung gesprochener Sprachen. Sie sind eigenständige Sprachen, die über Generationen weitergegeben wurden und die Identität von Menschen prägen. Die Österreichische Gebärdensprache ist Teil einer großen weltweiten Gebärdensprach- und Gehörlosengemeinschaft. Wir sind Teil einer internationalen Gebärdensprachgemeinschaft, die durch Sprache, Kultur und gemeinsame Werte verbunden ist!
Wenn wir heute über Gebärdensprachen sprechen, sprechen wir daher nicht nur über Barrierefreiheit oder Zugang. Wir sprechen über Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und über das Recht einer Gemeinschaft, ihre eigene Sprache zu leben. In den letzten Jahrzehnten wurde vieles erreicht. Weltweit haben gehörlose Menschen und ihre Selbstvertretungsorganisationen für ihre Rechte gekämpft und wichtige Anerkennungen erreicht. Organisationen wie der ÖGLB, die Europäische Union der Gehörlosen – EUD – und die Weltföderation der Gehörlosen – WFD – haben entscheidend dazu beigetragen, dass Gebärdensprachen und die Rechte gehörloser Menschen sichtbarer und politisch stärker verankert wurden.
Anlässlich des heutigen Tages möchten wir auf einen wichtigen Perspektivenwechsel aufmerksam machen: Gehörlose Menschen sollen nicht ausschließlich als Menschen mit Behinderungen betrachtet werden. Sie sind zugleich Angehörige einer sprachlichen und kulturellen Minderheit. Diese beiden Perspektiven widersprechen einander nicht. Behindertenrechte, Sprachenrechte und Minderheitenrechte ergänzen und stärken einander. Diese Sichtweise ist entscheidend, denn Minderheitenrechte schützen das Recht, die eigene Sprache und Kultur zu erhalten, weiterzugeben und sichtbar zu leben. Deshalb muss Gebärdensprache bei politischen Entscheidungen konsequent mitgedacht werden – nicht nur als Frage der Barrierefreiheit, sondern als eigenständiges Sprach- und Menschenrecht.
Genau hier bestehen weiterhin große Herausforderungen. Gebärdensprachen sind auf vielen Ebenen noch nicht gleichgestellt. Sie werden nicht überall ausreichend gefördert und sind in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch nicht selbstverständlich präsent. Besonders wichtig ist auch, die politische und gesellschaftliche Beteiligung gehörloser Menschen zu stärken und ihre Expertise von Beginn an einzubeziehen. Denn eine Sprache lebt nicht allein durch ihre Anerkennung auf dem Papier.
Eine Sprache lebt dadurch,
- dass Kinder mit ihr aufwachsen können,
- dass Menschen in ihrer Sprache lernen, arbeiten und kommunizieren können,
- dass sie in ihrer Sprache Kunst und Kultur schaffen,
- und dass sie politische und gesellschaftliche Entscheidungen gleichberechtigt mitgestalten können.
Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Gebärdensprache als selbstverständlicher und wertvoller Teil der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Österreichs anerkannt wird. Heute feiern wir daher nicht nur eine Sprache. Wir feiern unsere Geschichte, unsere Identität, unsere Kultur und unsere Gemeinschaft. Gleichzeitig erinnern wir daran, dass aus rechtlicher Anerkennung konkrete Rechte und tatsächliche Gleichstellung im Alltag werden müssen. Bleibt dran: Im Laufe des Tages veröffentlichen wir noch ein Video mit unserer Community-Frage und einer Gewinnmöglichkeit. Mitmachen lohnt sich – denn eure Erfahrungen und Perspektiven sind ein wichtiger Teil dieser Aktionswoche.
