Psychische Gesundheit ist ein wichtiges Thema — umso mehr für gehörlose Menschen, die oft Diskriminierung und Kommunikationsbarrieren erleben. Um diese besonderen Herausforderungen zu analysieren und zu besprechen wurde die „European Society for the Mental Health of Deaf People“ gegründet.
Bei einer Konferenz in Wien haben Expert:innen aus diesem Bereich ihr Wissen geteilt. Es wurde auch einen neuen Vorstand gewählt. Wir haben mit der scheidenden Präsidentin, Stefania Fadda, gesprochen.
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GW.tv: Die European Society for Mental Health and Deaf People trifft sich in Wien. Wie beschreiben Sie die Rolle und Funktion der ESMHD?
Stefania Fadda: Ja, wir sind eine gemeinnützige Organisation. Unser Exekutivausschuss umfasst Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern. Unser Ziel ist es, psychische Gesundheitsdienste für gehörlose Menschen in ganz Europa und weltweit zugänglich zu machen.
GW.tv: Könnten Sie uns einige Beispiele von Initiativen nennen, die Sie durchgeführt haben?
Stefania Fadda: Oh ja. Eine der Hauptinitiativen sind die sogenannten SIG-Treffen zu Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und öffentlicher Gesundheit. Dies ist eine Gelegenheit für Fachkräfte weltweit, sich zu treffen und ähnliche Herausforderungen im Bereich psychische Gesundheit zu besprechen. Das ist sehr wichtig, denn manchmal fühlen wir uns in unserem Land isoliert. Aber wenn wir uns alle gemeinsam treffen können, sehen wir, dass es ähnliche Ansichten und Ziele für die Zukunft gibt.
GW.tv: Heute war Ihr letzter Tag als Vorstandsvorsitzende. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft jetzt?
Stefania Fadda: Ich bin noch nicht bereit zu realisieren, dass ich gehe. Aber wir haben eine sehr starke Gruppe und ich plane, die ESMHD weiter zu unterstützen. Ich habe das Glück, auch in der Expertengruppe der World Federation of the Deaf (WFD) zum Thema psychische Gesundheit mitzuwirken. Mein Plan ist also, Verbindungen und Brücken zwischen der ESMHD und anderen – sagen wir – Realitäten weltweit aufrechtzuerhalten.
GW.tv: Wenn Sie auf Ihre Zeit hier zurückblicken: Was waren die spannendsten und innovativsten Entwicklungen?
Stefania Fadda: Ich denke an viele, viele Momente. Aber es gab einen, der für uns hörende Menschen, die in und mit der Gehörlosengemeinschaft arbeiten, sehr inspirierend war. Das war der Kongress 2024 in den Niederlanden, bei dem die Mehrheit der Berufstätigen und Kolleg:innen selbst gehörlos war. Das zeigte uns wirklich, dass unsere Society, die anfangs auf hörenden Menschen basiert war, heute sehr bereit ist, von gehörlosen Menschen selbst geführt zu werden. Unsere neue Präsidentin, Lenka Novak, wird ein großartiges Vorbild für die Zukunft sein und ich bin sehr zufrieden, dass sie die ESMHD führen wird.
