Seit seiner ersten Paralympics-Teilnahme prägt Nico Langmann den Behindertensport in Österreich. Wenn er nicht auf dem Tennisplatz steht, setzt er sich für Förderung und Bewusstseinsbildung ein – unter anderem als Botschafter für Rollstuhltennis bei den Erste Bank Open. Im Interview erzählt er von seinem Werdegang und davon, wie seine Foundation Kinder mit Behinderungen unterstützt.
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[GW.tv]: Herr Langmann, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Fangen wir an! Warum Tennis? Warum ist es Ihre größte Leidenschaft geworden?
[Nico Langmann]: Also mein älterer Bruder hat immer Tennis gespielt. Und ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo Behindertensport jetzt nicht immer im Fernsehen oder in den Zeitungen zu sehen war. Das heißt, ich wusste eigentlich nicht, dass es Rollstuhltennis gibt. Ich wollte einfach mit meinem älteren Bruder spielen, hatte darin Riesenspaß und habe mich dann in die Sportart verliebt.
[GW.tv]: Viele wissen vielleicht nicht, was die Unterschiede zwischen Tennis und Para-Tennis sind. Was ist da an dem Regelwerk anders, an der Ausstattung? Was ist da unterschiedlich?
[Langmann]: Also der Unterschied zwischen Rollstuhltennis und Nicht-Rollstuhltennis ist schnell erklärt. Und zwar ist es so, dass man beim Rollstuhltennis den Ball zweimal aufkommen lassen darf. Das war’s!
[GW.tv]: Sonst alles gleich?
[Langmann]: Genau.
[GW.tv]: Gibt es besondere Regeln für den Rollstuhl?
[Langmann]: Das Feld ist gleich, das Netz ist gleich hoch und man bewegt sich mit seinem Sportrollstuhl herum.
[GW.tv]: Was waren für Sie als werdender Sportler die größten Barrieren? Sowohl als Sportler als auch beim Sponsoring.
[Langmann]: Also ich glaube, dass im Behindertensport vor allem der Einstieg die größte Barriere ist. Weil man, vor allem wenn man im Rollstuhl sitzt, für fast jede Sportart einen Sportrollstuhl braucht. Der kostet viel Geld, wird von niemandem übernommen und das ist eine große Hürde, überhaupt erst zu beginnen. Und wenn man dann mit dem Sport beginnt, ist man halt trotzdem als Behindertensportler:in nicht im Rampenlicht. Das heißt, Finanzierung, Sponsoring und all diese Sachen sind um einiges schwieriger. Aber es ist mittlerweile eben möglicher, auch weil Infrastruktur gegeben wird. Man ist Teil des Bundesheeres, zum Beispiel kann man als Heeressportler:in aufgenommen werden. Also es tut sich was. Aber wir kämpfen dafür, dass sich noch mehr tut.
[GW.tv]: Sie sind schon länger aktiv, 2016 war der erste Auftritt bei den Paralympics. Was hat sich in dieser Zeit getan? Hat es Verbesserungen gegeben?
[Langmann]: Ich finde, es gab eigentlich viele Verbesserungen, was die Reichweite und die Wahrnehmung betrifft. Es ist mittlerweile so, dass bei Sportevents Inklusion und Parasport ein Teil davon sein sollten. Und die Leute begreifen das mittlerweile auch. Das ist zum Beispiel bei den Erste Bank Open so. Seit letztem Jahr spielen auch Rollstuhltennisspieler zur gleichen Zeit auf der gleichen Anlage. Das passiert. Also es passiert viel, aber wir kämpfen auch hart dafür.
[GW.tv]: In Österreich sind die Erste Bank Open das größte Tennisturnier. Und Sie haben sich dafür eingesetzt, dass es auch eine Rollstuhltennis-Bühne gibt. Können Sie uns etwas davon erzählen?
[Langmann]: Ja, ich meine, ich darf bei den Erste Bank Open als Spieler dabei sein und als mehr oder weniger Repräsentant der Inklusionssparte dort und des Rollstuhltennisturniers. Und das ist sehr cool, dass das Turnier Innovation immer pusht. Für sie war es, glaube ich, der nächste logische Schritt, auch Rollstuhltennis einzubauen. Weil es in Österreich ein unerforschtes Gebiet ist. Wir machen das zum ersten Mal und dann gleich auf der größten Bühne dort. Das war, glaube ich, ein gewisses Risiko, das eingegangen wurde und sich voll ausgezahlt hat. Es gab Matches, bei denen zu wenig Sitzplätze vorhanden waren, weil zu viele Leute zuschauen wollten. Also das ist, glaube ich, ein großes Zeichen dafür, dass es funktioniert und auch gekommen ist, um zu bleiben.
[GW.tv]: In Ihrer Rede vorher haben Sie erzählt, dass inklusive Skills im Endeffekt auch bezahlt werden sollten oder dass man eine Vergütung dafür bekommt und nicht nur als kostenlose Beraterin oder kostenloser Berater fungieren soll. Wie stehen Sie dazu?
[Langmann]: Ja, natürlich bin ich einerseits immer jemand, der zum Beispiel bei einem Turnier sagt: Megacool, dass es passiert. Da will ich alles dafür tun, da will ich alles dafür einsetzen. Aber gleichzeitig bin ich eben die Person, die die Expertise hat, wie Rollstuhltennis funktionieren muss. Und diese Expertise ist eine wertvolle Expertise. Genau deswegen soll ihr auch ein Wert gegeben werden. Also in Zukunft würde ich mir wünschen, dass beratende Menschen im Bereich Inklusion dafür auch bezahlt werden.
[GW.tv]: Zu Ihrer letzten Tätigkeit: Sie haben auch Ihre eigene Foundation gegründet. Können Sie uns etwas davon erzählen?
[Langmann]: Ja, die Nico Langmann Foundation gibt es genau aus dem Grund, weil ich finde, dass der Einstieg für Menschen mit Behinderung in den Sport einfach zu schwierig ist. Weil die Sportgeräte, die man oft braucht, als Mensch mit Behinderung so viel Geld kosten. Sei es Radfahren, Basketball spielen oder Tennis spielen. Man braucht immer einen extra angepassten Sportrollstuhl oder ein angepasstes Sportgerät. Das ist einfach enorm teuer. Und da hilft einem niemand. Das hält viele Familien auch davon ab, dass Kinder mit Behinderung Sport treiben. Und deswegen gibt es die Nico Langmann Foundation, weil wir diese Sportgeräte kaufen. Wir stellen sie dann gratis zur Verfügung.
