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Warum die Taube „Taube“ heißt 9. Teil

Die Botschaften waren tatsächlich von Marino, der schrieb, dass er sie sehr vermisste und deshalb die beiden Vögel zu ihr geschickt hatte. Sie könnte ihm antworten, indem sie die Vögel fütterte, eine Nacht bei sich behielte und am nächsten Tag mit ihrer Botschaft am Hals die beiden wieder fliegen ließe. Sie würden den Weg finden, denn sie seien klug und wüssten, wo er sich aufhalte. Franziskas Herz raste und es war ihr, als müsste es vor Glück zerspringen. Er hatte sie nicht vergessen, er dachte an sie.

Sie läutete nach den Dienstboten und bestellte sich zu essen und zu trinken. Niemand konnte sich erklären, warum Franziskas Traurigkeit mit jedem Tag schwand, aber alle waren froh, denn sie glaubten, dass sie begann Marino zu vergessen. Der Alltag am Hofe setzte wieder ein, große und kleine Probleme mussten gelöst werden. Der Minister begann schon Pläne für seine Hochzeit zu schmieden und nach einer längeren Unterredung mit dem König wurde schließlich der Tag der Hochzeit bestimmt. Man beschloss Franziska noch nicht davon in Kenntnis zu setzen, denn sie war eben erst auf dem Weg der Besserung und man wollte sie keiner unnötigen Aufregung aussetzen.

Sie alle waren ahnungslos von den heimlichen Briefen, die Franziska in der Zwischenzeit bekam und verschickte. Sie würde sich hüten auch nur ein Sterbensgebärdchen davon zu erzählen, womöglich würde man ihr auch noch die geliebten Vögel wegnehmen und somit die Verbindung zu Marino endgültig auflösen. Sie beschloss, dass es das Beste wäre, einfach fortzulaufen, doch wohin sollte sie gehen? Die Vögel wussten zwar, wo Marino war, aber konnten sie zu ihm führen? Sie konnte unmöglich so schnell laufen. Außerdem würde man sie in kürzester Zeit wieder finden.

Nein sie müsste mit dem Vater sprechen und ihm die Wahrheit sagen.  Nachdem ihr der Himmel diese Vögel und damit die Botschaften Marinos geschickt hatte, war es ihre Pflicht, es zu versuchen. Weglaufen konnte sie immer noch, falls alle Versuche vergeblich sein sollten. Sie musste mit dem Vater sprechen, so schnell als möglich, am besten schon am nächsten Morgen. An diesem Abend war sie so aufgeregt, dass sie fast nicht schlafen konnte, aber ihr Entschluss stand fest.


Warum die Taube „Taube“ heißt
Herausgeber: Österreichischer Gehörlosenbund (ÖGLB), 1100 Wien
www.oeglb.at
Text: Norbert Pauser
Illustrationen: Mag.a Persida Popovitsch-Hon
Grafik: Christoph Letmaier
Druck: Manz Crossmedia GmbH & Co KG, Wien
ISBN 3-200-00375-8

Foto/Video Credits: Persida Popovitsch-Hon / Gebärdenwelt.tv
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