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Warum die Taube „Taube“ heißt 13. Teil

Marino und seine Mutter waren nunmehr wieder am Hof und der Tag der Hochzeit rückte immer näher. Franziska war bei der Anprobe ihres Hochzeitskleides und war so stolz, denn sie trug ein kostbares Kleid. Sie fühlte sich so frei und leicht wie ein Vogel. Es war, als stünde ihr die Welt offen, ebenso als hätte sie das Tor ihres goldenen Käfigs geöffnet und würde ansetzen zu einem endlosen Flug hinaus in die Weite des Himmels. Da dachte sie an ihre Vögel in den Käfigen in ihrem Turmzimmer und sie beschloss, sie am Tag der Hochzeit aus ihrer Gefangenschaft zu entlassen. Sie war jetzt frei und dasselbe Gefühl wollte sie an alle Kameraden ihrer damaligen Gefangenschaft weitergeben. Nach der Anprobe lief sie zu Marino, um ihn von ihrer Idee zu erzählen. Er war begeistert und versprach, sich auch von seinen treuen Freunden zu trennen, die all diese wunderbaren Dinge möglich gemacht hatten. Das war der beiden Beweis der Dankbarkeit gegenüber diesen wunderbaren Tieren, die so vieles für sie getan hatten.

Am Morgen des Hochzeitstages war Franziska zuerst bei ihren Vögeln, sie wollte ihr Versprechen einlösen. Die Vorfreude auf den bevorstehenden Tag machte ihr den Abschied auch ein wenig leichter. Sie öffnete zuerst alle Fenster und dann vorsichtig die Türchen der kostbaren Käfige. Die Vögel waren unruhig und wussten nicht sofort, was das Öffnen der Käfige für sie zu bedeuten hatte. Nach einer Weile hüpften zuerst die neugierigen Spatzen zum geöffneten Tor, sie spreizten die Flügel, schlugen sie ein paar Mal und begannen zu fliegen, sie kreisten durch das Zimmer und flogen in Richtung Fenster. Die anderen Vögel taten es ihnen gleich und plötzlich war das Zimmer voll flatternder Vögel. Zuerst flog die kleinen Meisen, die zierliche Nachtigall und die behäbigen Raben. Alles flog durcheinander, bis schließlich die Käfige leer waren. Die beiden Vögel von Marino blieben jedoch in ihren Käfigen. Franziska stand am Fenster und winkte, bis die Vögel nur noch Punkte am Horizont und schließlich gar nicht mehr zu sehen waren.


Warum die Taube „Taube“ heißt
Herausgeber: Österreichischer Gehörlosenbund (ÖGLB), 1100 Wien
www.oeglb.at
Text: Norbert Pauser
Illustrationen: Mag.a Persida Popovitsch-Hon
Grafik: Christoph Letmaier
Druck: Manz Crossmedia GmbH & Co KG, Wien
ISBN 3-200-00375-8

Foto/Video Credits: Persida Popovitsch-Hon / Gebärdenwelt.tv
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