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Warum die Taube „Taube“ heißt 12. Teil

Und wieder begann man mit der Suche nach der weisen Frau und ihrem Sohn Marino, der nun König werden sollte. Franziska schickte die Vögel mit der wunderbaren Botschaft und hoffte, dass diese bald ankommen würden. In der Zwischenzeit wurde überall im Land per Erlass des Königs und der Königin dazu aufgerufen, dass alle Gebärdensprache lernen müssten.  Die wenigen wirklich guten Lehrer hatten alle Hände voll zu tun, um dem Volk gebärden beizubringen, aber da der König bisher gut zu den Untertanen gewesen war, bemühten sie sich außerordentlich.

Schließlich liebten sie ihren König und die schöne Franziska, und wenn Franziska und Marino erst die Regierung übernehmen würden, so müsste sie ihre neue Königin auch verstehen können. Also waren alle einverstanden.  Der Minister wurde zur Strafe für die Bedrohung des Königs und seine Gewalttätigkeit angesichts seiner Absetzung als Königsnachfolger des Landes verwiesen. Per Ultimatum musste er den Hof verlassen. Er hatte auch gar keine Lust mehr zu bleiben, denn er hasste die Gebärdensprache und er hatte auch schon einen Plan gefasst.

Als Rache für die in seinen Augen ungerechte Behandlung schwor er, alles ihm Mögliche zu tun, um die Verbreitung dieser Sprache in anderen Ländern zu verhindern. Er würde, so beschloss er, von Land zu Land ziehen und allen Menschen berichten, dass jede und jeder, die oder der die Gebärdensprache benützte, in Wirklichkeit stumm sei, denn man könnte diese Sprache nicht hören und alle tauben Menschen, die gebärdeten, würden somit niemals in der Lage sein, laut sprechen zu lernen. Diese Sprache würde das nämlich verhindern. Ihm war klar, dass niemand einem verbannten Minister glauben würde, und so würde er eben als Hals-, Nasen- und Ohrenarzt auftreten, dann würde er wohl genügend überzeugend wirken. Schon damals glaubten viele Leute den Ärzten, obwohl letztlich doch kein Mensch allwissend ist. Noch am nächsten Tag brach er auf, um seine neuen Boshaftigkeiten unter den Menschen zu verbreiten. Seine geschickten Redekünste nahm er mit.


Warum die Taube „Taube“ heißt
Herausgeber: Österreichischer Gehörlosenbund (ÖGLB), 1100 Wien
www.oeglb.at
Text: Norbert Pauser
Illustrationen: Mag.a Persida Popovitsch-Hon
Grafik: Christoph Letmaier
Druck: Manz Crossmedia GmbH & Co KG, Wien
ISBN 3-200-00375-8

Foto/Video Credits: Persida Popovitsch-Hon / Gebärdenwelt.tv
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