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ITdGS Tag 7: Gebärdensprachrechte Flüchtlinge: Jonas Akanno

Ankommen in einer fremden Welt

Ich bin hörend geboren. Als ich drei Jahre alt war wurde ich krank. Ich war im Spital und bin zwei Wochen nicht aufgewacht. Nachdem ein Arzt mich untersucht hat habe ich Medikamente bekommen und bin etwas später aufgewacht. Dann habe ich nichts mehr gehört und konnte auch nicht sprechen – und so bin ich gehörlos geworden. Meine Eltern haben nach Hilfen gesucht, damit ich gebärden oder sprechen lernen könnte, haben aber nichts gefunden. Dann haben sie eine Schule für gehörlose Kinder gefunden.

Dort habe ich gelernt mit den Händen zu kommunizieren und habe die Schule abgeschlossen. Danach bin ich nur auf Barrieren gestoßen. In Afrika gibt es keinerlei Hilfe oder Unterstützung, keine Möglichkeit für eine Lehre oder etwas dergleichen. Auch im täglichen Leben ist man dort ohne Unterstützung. Ich bin dann mit hörenden Personen zusammen nach Europa gekommen und habe um Asyl angesucht. Hier habe ich versucht mit hörenden und gehörlosen Personen zu kommunizieren, es gab aber erhebliche Sprachbarrieren. Ich bin überall auf Barrieren gestoßen und brauchte viel Geduld. In Afrika wird ASL gesprochen, das ist ganz anders als ÖGS. Und dann habe ich einen ÖGS-Kurs besucht. Jetzt kann ich mich gut mit anderen gehörlosen Personen Unterhalten. Aber das Gefühl hörender Personen mit Musik … Ich habe gesehen wie hörende Personen rappen und habe gedacht, wie kann ich das als Gehörloser machen? Ich kann das auch! Ich kann nicht reden aber die Musik hören – ich meine ich fühle den Beat. Also bin ich dort hin gegangen und habe mich angestrengt und habe gerappt.

Am Anfang „Deaf, Deaf ich liebe euch. I love you, i love you, deaf, deaf ich liebe euch, i love you“. Und alle haben geschaut! Dann habe ich mich geändert, wurde kreativ und habe allen gezeigt, ein Gehörloser kann das! Und ich wurde im Sport besser, beim Tanzen, in der Poesie, beim Schauspielen und in vielen weiteren Punkten. Jetzt geht’s mir besser und ich weiß ich habe Kraft zum Arbeiten, jeden Tag in der Früh, ganz normal. Am Anfang war meine Musik anders … das hat sich entwickelt. Dann habe ich einen Auftrag bekommen für einen Auftritt auf der Stage und da waren die Zuschauer die gesagt haben, „Wow das ist cool!“ Dazu gab es Einblendungen die ich kopiert habe. Ich bin dort gestanden und habe gerappt und alle haben gesehen, dass ich das kann. Die Zuschauer waren alle weiß, und ich der einzige Schwarze. Das war total egal, es war eine Verbundenheit zu spüren. Alle gehörlosen Personen lieben das und haben Interesse an mir – wie ich tanze, an meiner Poesie, wie ich rappe, wie ich die Musik annehme … Ich kann nicht hören, aber ich spüre den Beat im ganzen Körper und im Herz und danach rappe ich und danach bewege ich mich. (cp)

Foto/Video Credits: Gebärdenwelt
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