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Botschaften aus der Gebärdenwelt – Anna erzählt…

Hallo, meine Name ist Anna Toth.

Ich bin schwerhörig und trage Hörgeräte auf beiden Ohren, aber die Gebärdensprache ist meine Sprache. Bei der Integration in die hörende Welt klappt die Kommunikation nur sehr selten, meistens klappt es nicht. Den hörenden Menschen fehlt die Geduld und sie sind zu faul, um deutlich zu sprechen. Da versteht man nichts. Ich habe vier Klassen Hauptschule absolviert und gehe jetzt in Wien in ein Gymnasium, und zwar in die HTL Ungargasse. Es läuft bis jetzt super. Das Hauptproblem ist das Dolmetschen. Normalweise sollen Dolmetscher*innen sieben Stunden pro Woche anwesend sein. Letzte Woche waren keine Dolmetscher*innen da. Das Problem ist, dass ich jede Woche 36 Stunden in der Schule bin, aber die Dolmetscher*innen nur 7 Stunden da sind. Die Professor*innen sprechen und erklären Inhalte in Lautsprache. Sie zeigen mir zwar ein paar Dinge oder schreiben Stichworte auf, aber die meisten Informationen werden in Lautsprache vermittelt und ich kriege nichts mit. Ich habe oft keine Ahnung was gesagt wird, obwohl die Informationen wichtig für mich wären. Ich beobachte oft, dass alle schreiben oder Antworten geben, weiß aber nicht worum es geht. Wenn ich eine Frage habe, kann ich auch nicht immer darum bitten, dass die Antwort wiederholt wird. Da würde ich mich schämen, wenn dann alle auf mich schauen und sich ihre Gedanken machen.

Ich brauche Dolmetscher*innen in den wichtigen Fächern. Mit Dolmetscher*innen muss alles auch nur einmal gesagt werden, und ich kann es verstehen. Dann weiß ich was meine Aufgabe ist, was ich machen muss, und bin einfach sicher. Es ist mir wichtig gute Notizen zu haben, dann ist es auch leichter bei Schularbeiten und Tests gute Noten zu schreiben. Eine Bekannte hat sich sehr bemüht und für mich gedolmetscht, aber das war nicht so einfach. Die Direktorin dieser Schule hat die Bildungsdirektion gebeten – weil eine gehörlose Person an der Schule ist – die Finanzierung für mehr Dolmetschstunden zu übernehmen. Die Bildungsdirektion hat darum gebeten noch abzuwarten, weil alles erst organisiert werden muss. Das war schon vor einem Jahr, so lange weiß man dort schon Bescheid. Seither warten wir, haben aber leider noch keine Antwort bekommen. So ist meine jetzige Situation.

Ich wünsche mir, dass Dolmetscher*innen mehr Stunden in der Schule sind und ich brauche mehr barrierefreie Kommunikation. Hier gibt es nicht viele gehörlosen Schüler*innen, die meisten sind hörend. Wie soll ich da kommunizieren? Das ist schwierig… Wenn eine Frage gestellt wird, kann ich sie nicht beantworten, weil ich mir unsicher bin. Ich glaube zwar, dass ich die Frage richtig beantworten kann, aber ich bin unsicher und weiß nicht, ob ich aufzeigen soll und ob ich eine gute Antwort gebe oder nicht.

Vielen Dank fürs Zuschauen! Ich hoffe, dass das Problem gelöst wird!

Foto/Video Credits: OEGLB / Gebärdenwelt.Tv
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