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Interview mit Ege Karar

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Informations- und Lernportal für Gehörlose
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Hallo! Der Name Vibelle steht mit hübscher bunten Darstellung auf dem Plakat. Was bedeutet Vibelle? Wofür ist das Wort? Könnten Sie mir das kurz erklären?
Vibelle, eigentlich abgekürzt, theamtisiert das deutsche Wort Libelle: das ist ein Insekt mit langen Flügeln, das übers Wasser fliegt. "L" wird weggelassen und "V" dafür zugefügt. "V" bedeutet visuelle Information bezüglich Bildung und Beruf im Internet.


Wie kam es mit euch die Idee dazu, sodass dieses Programm entstanden ist? Wie wurde es entwickelt?
Dieser Projekt, die Idee, Warum? Damals gab es mehrere Projekte nacheinander über 15 Jahre. Als letztes wurde dieses Projekt entwickelt. Es hatte den Zweck, Mathematik und Deutsch zu lernen. Man klickt, um hin zugelangen, zu studieren. Ein Lehrer für Gehörlose kann nicht gebärden, und ihre Eltern können auch nicht gebärden. Ich möchte aber unterrichtet werden und Aufklärung bekommen und lernen. Aber es kam zu einem Breakdown von Kommunikation!

z.B. bei Mathematik: Bruchzahlen, Prozent... ich konnte nicht verstehen, und brauchte Hilfe. Wie? Da kann ich im Internet selbst etwas per Videoblog in Gebärdensprache erlernen. Im Videoblog gebärdet ein Moderator, der selbst gehörlos ist, parallel Texte. Diese Texte sind der Standard für Gehörlose und entsprechend der Gehörlosenkultur geschrieben. Die Grundausstattung ist Visual, Bilder, Filme, Animation, was alles hauptsächlich visuell ist. Das orientiert sich an Gehörlosen, um das erfolgreiche Lernen zu forcieren. Das kann Gehörlosen das Erlernen enorm erleichtern.

Hörende Studenten lesen aus einem Buch ein schwer geschriebenen Text, was für Gehörlosen erschreckend ist. Denn Gehörlose verstehen nicht ganz, was darin steht. Sie müssen ihren eigenen Standard definieren. Das funktionierte bei Gehörlosen nicht, weil sie mit viel Mühe versuchen, den Inhalt des Wahrgenommenen zu verstehen. Es gab zu viel Reibung. Das zeigte, dass es offenbar nicht funktionierte. Aus diesem Grund mussten wir eine Änderung machen und veränderten das Projekt. Wir Gehörlose entwickelten das neue Konzept selbst, was uns gehört, wie uns auch unsere Gehörlosenkultur gehört! Das stellt sich als besser heraus, so dass Gehörlosen mit Leichtigkeit lernen können. Seitdem lief es weiter so.

Als dies Projekt bei der Entwicklung abgeschlossen war, dachten wir uns noch was aus, was Gehörlose etwas bringen konnte. Was in Texten schon existent war, sollte auch für den Berufsbereich der Gehörlosen etwas bringen. Das wäre sehr wichtig! In diesem Bereich gab es noch keine Projekte! Deswegen entwickelten wir dafür ein neues Projekt. Aus diesem Grund kamen wir zur Idee, Vibelle anzubieten!


Was für ein Ziel des Projektes ist zu erwarten? Für welche Zielgruppe oder für alle?
Das Ziel des Projektes Vibelle ist, dass Gehörlosen zur Selbständigkeit verholfen wird, dass sie etwas wie Information selbst suchen. Wir wollen nicht, dass Gehörlosen zum Nachfragen, zur Hilfe und Beratung herumlaufen. Nein! Wir selbst können im Internet Information bekommen. Wünscht man sich, seine eigene Meinung einzutragen, entsteht ein Angebot, damit sich Gehörlose austauschen können. Mehrere Netzwerke sind im Pool verbunden. Hat ein Gehörloser eine selbständige Stelle, kann er ein Angeboten für Gehörlose bieten, die einen Job suchen: er kann sie bei sich anstellen. Er gibt mir das bekannt, bevor ich damit online gehe. So können Gehörlose entspannt und kontrolliert einen Job finden.

Gehörlosen haben oft die immer gleiche monotone Arbeit, von der sie genug haben. Sie wünschen sich mehr Herausforderung oder Karrieresteigerung. Aber sie schaffen es nicht, aufzusteigen - wegen der Barrieren! Das sollte nicht so sein. Die Gehörlosen sollen das Angebot im Internet nützen. Wie? Gehörlose, die durch die Videokamera in Gebärdensprache aufklären, geben Information darüber, wie man es schaffen kann. Dann spüren andere Gehörlose, dass auch sie etwas schaffen können. Sie fühlen mit ihnen im Sinn der Identitätsbildung. Sie sind gute Vorbilder und regen zum Nachahmen an.

Unser Ziel ist es auch, bei der Kommunikation durch Gebärdensprache im Videoblog barrierefrei zu sein. Für alles sollten die Videoblogs da sein. Texte, Videoblog und Untertitel müssen gemeinsam online sein!


Worum geht es in den fünf Bereichen? Was für ein Inhalt hat jeder?
Das Inhalt von Vibelle ist der von 5 Bereichen: E-learning, wie ich euch über Projekt erklärt habe. Wir planen, in Zukunft Englisch und BWL im E-learning dazu zu zufügen.

Zweitens: Arbeitsmarkt... Worum es hier geht: Z.b. Bewerbung. Korrektur u Hilfe dabei. Termine erhalten u Antworten schreiben u retournieren.

Drittens: Arbeitsleben. Unterschiedliche Kulturen, daraus gerfolgende Missverständnisse, Schlichtung durch Aufklärung mit Information. Seitdem sich Hörende mit Gehörlosen besser auskennen, respektieren sie sie gegenseitig umso mehr.

Viertens: Arbeitsrecht. Es beinhaltet die Aufklärung über die Paragraphen im Gesetzbuch, Kündigung, Arbeitsassistenz, und so weiter. Man erfährt dort, wie man Anträge stellen sollte. Information in Gebärdensprache im Videoblog.

Fünftes: Weiterbildung. Man kommt dadurch weiter durch und kann sich im breiteren Arbeitsspektrum gut auskennen.

Das sind soweit fünf die Bereiche.

Und noch was dazu! Ein Diskussionforum ist auch da! Das ist zum Austauschen, Nachfragen, usw. Dort muss ich nicht dabei sein, um mich zu informieren. Denn das ist das integrative Kommunikationsforum. Das ist, was Vibelle ausmacht.


Kostet es etwas, wenn man sich dort einloggt?
Die Internetadresse: www.vibelle.de ist kostenfrei einzuloggen! Dort ist alles offen. Oder man meldet sich nicht an, und hat auch einen Zugang. Aber mit Anmeldung hat man mehr Zugänge zum Lernen. Das kostet nichts!


Noch eine letzte Frage: Können wir gehörlose Österreicher das auch benützen?
Für Österreich geeignet? Wir deutschen Gehörlosen können mit österreichischen Gehörlosen Information austauschen. Aber wenn es um Arbeitsrecht geht, bin ich mir nicht sicher, ob das in Ö auch gleich ist. Ich glaube, die Rechtssprechung ist unterschiedlich. Aber Informationen über das Arbeitsleben, E-learning, usw. wären auch gut für gehörlose Österreicher! Die deutsche Gebärdensprache ist etwas anders als die österreichische. Aber ich schätze, beide sind doch ähnlich! Ich kann mir vorstellen, sie können auch miteinander arbeiten.


Vielen herzlichen Dank für Ihr ausführlichen Interview, das uns reichlich informiert!
(ERSR)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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