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Interview mit Barbara Gerstbach, Präsidentin ÖGSDV

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Interview mit Barbara Gerstbach, Präsidentin ÖGSDV
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Heute noch vor dem Kongress, haben Helene Jarmer vom Gehörlosenbundbund und ich, Barbara Gerstbach vom Dolmetschverband eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben um in Zukunft besser zusammen zu arbeiten, uns auszutauschen und uns gegenseitig zu unterstützen. Das und der Kongress machen den heutigen Tag zu etwas besonderem für mich. In den letzten Jahren ist es immer wieder zu Missverständnissen gekommen und nicht alles glatt gelaufen. Für gehörlose Organisationen und gehörlose Personen war nicht immer klar was die Aufgabe von DolmetscherInnen ist, es wurde ihnen Machtmissbrauch oder Diskriminierung nachgesagt. Da ist im Laufe der Zeit schon einiges passiert. Deshalb ist unser Ziel jetzt zwei gleichberechtigte Parteien zu schaffen die sich austauschen und das macht es zu einem schönen Tag.

Wir vom Dolmetschverband und der Gehörlosenbund haben jetzt eine Vereinbarung und unser Ziel ist es uns auszutauschen und die jeweiligen Erfahrungen des anderen miteinzubeziehen, damit klar ist wer welche Aufgabe hat und sich die Situation für gehörlose Personen verbessert.

Wir haben uns heute einen Termin ausgemacht, damit sich der Vorstand des Gehörlosenbundes und der Vorstand des Dolmetschverbands treffen können und auch in Zukunft wird es regelmäßige Treffen für den Austausch, der sehr wichtig ist, geben. Auch vor den Terminen werden Unterlagen ausgetauscht und dazwischen kann es einen Austausch über die Arbeitsabläufe geben, trotzdem bleibt es bei den persönlichen Treffen die sehr wichtig sind. Einen Termin haben wir uns ja schon ausgemacht und ich hoffe es wird noch viele weitere Termine geben.

Zurzeit sind beim Österreichischen-Gebärdensprach-Dolmetschverband ca. 90 Personen Mitglieder. Es gibt jährlich zweimal Prüfungen, ein Prüfungstermin im Frühjahr und einer im Herbst, somit werden es immer mehr Mitglieder. Wir haben ein klares Ziel vor Augen, da 90 Personen einfach zu wenig sind, kämpfen wird weiter, damit es mehr werden. Außerdem haben die Gehörlosen laut UN-Konvention das Recht ihre DolmetscherInnen frei zu wählen. Im Zusammenhang damit, ist es auch wichtig die Aus- und Weiterbildung mehr zu fördern um erstens mehr DolmetscherInnen zu bekommen und zweitens muss parallel dazu die Qualität gesteigert werden.

Ich kann nicht sagen wie viele das Ziel sind. Wenn ich mir andere Länder in Europa im Vergleich ansehe und ein Land hat zum Beispiel 400, ist es selber trotzdem der Meinung das ist nicht viel. Ich kann nicht sagen ob 400 für Österreich genug wären. Ich glaube wichtig ist es sich die Situation der gehörlosen Personen anzusehen und wenn der Bedarf gegeben ist, weiter für mehr DolmetscherInnen zu kämpfen. Aber ich kann das nicht entscheiden, wie viele es noch braucht, obliegt den gehörlosen Menschen.

Der Österreichische Dolmetschverband und EFSLI haben gemeinsam eine Workshop angeboten zum Thema gehörlose DolmetscherInnen, um sich auszutauschen und etwas aufzubauen für die Zukunft. Die eine Möglichkeit wäre von einer Gebärdensprache ausgehend zu übersetzen, oder gehörlose DolmetscherInnen übersetzen Texte, da gibt es in Österreich einiges. Was bis jetzt fehlt ist eine Basis, eine fundierte Ausbildung in Österreich, deshalb ist unser Ziel gemeinsam etwas zu machen, wie eben dieser Workshop. Momentan gibt es auch gehörlose DolmetscherInnen die in Deutschland die Ausbildung machen und nächste Jahr Ihren Abschluss machen werden. Deswegen diskutieren wir schon und möchten natürlich, dass sie bei uns Mitglied werden. Es soll also in zukunft hörende und gehörlose Mitglieder im Dolmetschverband geben. Ich freue mich schon sehr auf den Austausch mit den gehörlosen KollegInnen, das wird sicher sehr spannend werden.

Mein größter Wunsch ist das hörende wie gehörlose Personen und DolmetscherInnen sich gut verstehen und es keine Probleme geben wird. Ich wünsche mir ein gleichberechtigtes Dasein und es wäre schön wenn es klappt auch weiterhin unsere Ziele zu erreichen.
(daniele)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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