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Wiener BILI-Tagung 2017

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Video-Reportage aus dem Kardinal König Haus
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Am 6. Mai 2017 veranstaltete PLIG (Plattform Integration & Gebärdensprache) die "Wiener BILI-Tagung 2017".


Lydia Fenkart: "In der Praxis gibt es das bislang nicht. Wir haben überhaupt keine Erfahrung, wie man ÖGS in schriftlicher Form bei der Matura abwickeln könnte. Und dann haben wir halt angefangen, uns zu überlegen und ein Konzept zu entwickeln. Ich habe dann viel recherchiert dazu und habe ein Konzept entworfen und das abgegeben. Und die LSI (=Landesschulinspektion) hat gesagt, ja das passt. Also der Landesschulinspektor war einverstanden und wir konnten das wirklich schnell umsetzen und es wird heuer, also 2017, zum ersten Mal eine schriftliche Matura in ÖGS abgenommen. Ja, ein Novum, also übermorgen am 8. Mai ist es soweit. Ich bin auch schon nervös."

"Dann beschäftigen wir uns mit den aktuellen Dingen aus der Gehörlosen-Community. Es gibt Gehörlose, die dann eigentlich wenig mit der Community zu tun haben und sich eher in der hörenden Welt bewegen. Aber nur damit sie auch darüber Bescheid wissen, wird es allen SchülerInnen mitgeteilt. Dann geht es natürlich auch um die Gehörlosenidentität und die Gebärdensprache, die hier dazugehört. Das ist ein sehr großes, wesentliches Thema, da könnte man einen eigenen Tag darüber berichten. Die Frage "Wer bin ich?" - das ist oft noch unklar."



Lydia Fenkart: "So jetzt endlich eine gehörlose Person, die eine Frage stellt."

Paul Steixner: "Hallo, mein Name ist Paul Steixner. Ich komme aus Tirol. Ich habe Bildungswissenschaft studiert und vor einiger Zeit schon abgeschlossen. Also für mich sehr interessant ist das Thema Matura in ÖGS, aber ich denke auch, was sehr wichtig ist, Frau Radic hat es schon gesagt, dass der Lehrplan einfach von der Basis an gegeben sein sollte. Den gibt es einfach noch nicht österreichweit. Ich glaube, wir brauchen das bundesweit und vollständig für alle. Das heißt, Erziehungswissenschaften müssen hier einfach gemeinsam mit den Linguisten voranschreiten und hier ein Konzept machen, das einfach auch durch den gemeinsamen Austausch entsteht. Bis jetzt war es so, dass zwar ein Austausch stattfindet, aber Gehörlose nichts davon mitbekommen."



Helene Jarmer: "...das Ganze individuell gestaltet werden muss. Die Matura muss dementsprechend von nun an individuell gestaltet werden. Die Zentralmatura, die ist sehr frisch, wir brauchen auch Informationen von MaturantInnen, die jetzt die Zentralmatura haben: Passt alles, gibt es Schwierigkeiten, wie wird die Zentralmatura für euch umgestaltet, wie erlebt ihr die Zentralmatura? Wenn keine Meldungen kommen, kann ich auch nichts kritisieren."

"Wir vom Gehörlosenbund haben Positionspapiere, wo ganz klar drinnen steht - aktualisierte Daten und Fakten - was wir uns wünschen, welche Änderungen, welche Adaptionen wir uns wünschen. Hier sind die Punkte ganz klar von der Community gesammelt und vertreten. Beispielsweise das Recht auf die Sprache..."



Interviews

Frage: "Frau Mag.a Dr.in Silvia Kramreiter, was hat Sie dazu gebracht diese Tagung zu veranstalten?"

Kramreiter: "Das ist eine gute Frage. Ich war immer sehr oft eingeladen in Berlin an der Linguistentagung an der Humboldt Universität und ich habe mir gedacht, warum... - ich meine, wir haben zwar die Linguistentagung bei uns auch in Österreich - aber ich habe mir gedacht, wir bräuchten endlich auch einmal eine pädagogische Tagung. Und somit habe ich mir dann überlegt, wir probieren das einfach einmal. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Das habe ich gern scheinbar, weil das mache ich immer wieder. Und es ist gut gelungen."


Frage: "Herr Dr. Franz Dotter, mit welchem Anliegen kamen Sie zur diesjährigen BILI-Tagung?"

Dotter: "Ja ich bin eigentlich hergekommen, um etwas mehr Kritik zu üben, bin aber jetzt von der Ankündigung total überrascht worden, dass das Ministerium jetzt plötzlich einen Vertrag finanziert für die Entwicklung eines Lehrplans und bin auch wirklich sehr überrascht, dass die Ministerin jetzt ganz positiv klingt. Obwohl da noch vor ein paar Wochen keine Hoffnung war, aus meiner Sicht. Und zur Tagung selber: Ich freue mich einfach sehr darüber, dass so viele Personen, vor allem junge, da sind und das wir jetzt..., also die junge Generation der Gehörlosen einfach jetzt wirklich neue Wege beschreiten kann, denke ich."


Jarmer: "Frau Dipl.-Päd.in Sabine Zeller, die letzte Frage ist: Wenn Sie einen großen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?"

Zeller: "Mein Anliegen wäre, wenn ein gehörloses Kind zu mir kommt und ich sehe was sein Bedarf ist, dass ich dann daraufhin einfach seinem Bedarf entsprechend bestellen kann, ohne zu überlegen, wer das bezahlt und ohne zu überlegen, wer das machen kann. Das ist mein Wunsch, also sich nach den Bedürfnissen des Kindes zu orientieren und ihm das, was es braucht, zu geben."

Jarmer: "Das ist ein schöner Abschluss. Kindern sollen wie selbstverständlich die vielfältigen Angebote zur Verfügung gestellt werden, um die gewünschten Ziele optimal erreichen zu können. Vielen Dank für das Gespräch!"

Zeller: "Sehr gerne!"
(cg)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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