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Interview mit Mark Wheatley am 2. Bildungskongress in Wien

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Mark Wheatley informiert über die EUD
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Mark Wheatley gebärdet in International Sign, übersetzt ins Deutsche

Gebärdenwelt (Interview führte Atilla Gümüssuyu): Welche Ergebnisse bzw. Ziele hat die EUD bis jetzt erreicht?
Mark Wheatley: Unterschiedliche Projekte der Länder in der EU erhalten Fördergelder. Projekte für gehörlose Menschen benötigen jedoch auch Gelder für die Finanzierung von GebärdensprachdolmetscherInnen. Dieses Problem haben Projekte für hörende Menschen, nicht.
Zum Beispiel erhalten Projekte für gehörlose Menschen bis jetzt, die gleichen Fördermittel, wie jene Projekte von hörenden Menschen. Für die Projekte für gehörlose Menschen wird aber ein Teil von der Summe der Fördergelder für Dolmetschkosten verwendet. Dadurch entsteht ein Verlust von ca. 30% der Fördergelder, d.h. es muss mit 70 Prozent der Fördergelder gearbeitet werden. Projekte für hörende Menschen haben jedoch die gesamten 100 Prozent der Fördermittel zur Verfügung und können dadurch reibungslos arbeiten. Das ist nicht fair.
Nach zähen Verhandlungen hat es nun aber die EUD erreicht, dass es ab 2014 eine Änderung geben wird: es wird ein extra Budget für Dolmetschkosten zur Verfügung gestellt werden, was wir von der EUD fair finden, um gerecht und finanziell unbelasteter arbeiten können. Das ist z.B. eines jener Ziele der EUD um ein gerechtes und faires Arbeiten zu ermöglichen.

Gebärdenwelt: Können sich gehörlose Menschen in der EU frei bewegen?
M.W.: In Brüssel wurde 2010 das Gesetz zur Freizügigkeit in Europa beschlossen. Für gehörlose Menschen bestehen jedoch weiterhin unüberwindbare Hürden bei der Kostenübernahme von Dolmetschkosten. Ein Beispiel: ein gehörloser Mensch aus Deutschland zieht nach Österreich. Neben der allgemeinen Hürden, wie Registrierung bei der Bundesbehörde, Mitgliedschaften, Meldeamt etc., ist es fast unmöglich für gehörlose Menschen, die innerhalb der EU ihren Wohnsitz wechseln, die nötigen finanziellen Förderungen für Dolmetschkosten zu erhalten.
EU-weit sieht es so aus, als ob alle Länder die gleichen Richtlinien hätten, jedoch ist es so, dass in den südlichen EU Ländern die GebärdensprachdolmetscherInnen aufgrund einer schlechteren Ausbildung weniger gut qualifiziert sind. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Gebärdensprache dort immer unterdrückt wurde. In den nördlichen Ländern der EU gibt es sehr gut ausgebildete DolmetscherInnen. Diese sind wiederum sehr teuer und wo die Regierungen nicht bereit sind, die hohen Kosten dafür zu übernehmen.
Die EUD fördert einerseits eine gute Ausbildung der DolmetscherInnen für jene Länder, die diese benötigen, andererseits kämpfen sie für eine größere Kostenübernahme der Regierungen in den nördlichen Ländern der EU.
Hier ist der schwierige Grat der EUD zu bewältigen, um eine Angleichung der gehörlosen Menschen an die hörenden Menschen zur freien Bewegung, also das Recht auf Freizügigkeit, innerhalb der EU zu ermöglichen.
(a.g)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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