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Interview mit Thomas Geißler beim 2. Bildungskongress in Wien

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Keine Inklusion ohne Deaf Studies
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Was wären Deaf Studies ohne Inklusion?

Thema meines Vortrages war: Keine Inklusion ohne Deaf Studies - diesen Titel sehe ich als Provokation, deshalb habe ich ihn gewählt. Grund dafür ist, dass es viel Diskussion über den Inklusionsprozess und deren Gestaltung gibt. Es werden ExpertInnen benötigt, von denen Informationen eingeholt werden können. Aus diesem Grunde wurde Deaf Studies an der Uni Hamburg gegründet, wo ExpertInnen alle benötigten Informationen bzw. ihr Wissen weiter geben und geforscht wird. Wenn es die Deaf Studies nicht gäbe, wüsste niemand wo die benötigten Informationen und Forschungsergebnisse dieser, eingeholt werden können, was bedeutet, dass automatisch der Inklusionsprozess schief laufen würde.

Fragen, wie z.B.
- was bedeutet Gleichberechtigung?
- Was brauchen gehörlose Menschen?
- Untersuchungen und Forschungen warum viele gehörlose Menschen in der Vergangenheit unterdrückt bzw. diskriminiert wurden?
sind mithilfe der Deaf Studies bearbeitet und geklärt worden und können jetzt umgesetzt werden.
Ich denke, dass es in dieser Form wirklich wichtig ist, um Denkanstöße zu geben.
Vor allem in Österreich sollen an Universitäten Deaf Studies, als Teil der Kultur, aufgebaut werden, was bis dato noch zu wenig gemacht wurde und meiner Meinung nach in der Inklusion gefährliche Auswirkungen mit sich ziehen kann.

Was ist für dich das Wichtigste?

Für mich ist wichtig, dass hat auch die Forschung ergeben, dass gehörlose Menschen ein Inklusionsverständnis entwickeln. Es ist nicht oft 100 prozentig klar, welche Bedürfnisse gehörlose Menschen tatsächlich haben. Ein Beispiel ist im Fernsehen- und Medienbereich, wo wir immer für eine 100prozentige Unteritelungsquote diskutiert haben. Aber unserer Kultur und unserem Traditionsempfinden entsprechend, sind Untertitel nicht das Richtige, sondern Gebärdensprachfilme. Damit meine ich nicht nur Filme in Gebärdensprache sondern Filme die von gehörlosen Menschen produziert werden, also von gehörlosen Kameramännern/-frauen, die eine ganz andere visuelle Wahrnehmung und Filmtechnik haben, als hörende Kameramänner/-frauen, gemacht werden.
Ein solches Angebot ist Gleichberechtigung und Inklusion.

Und hier sollte neu überlegt werden, dass nicht nur die Forderung auf Untertitelung sondern die Forderung auf Gebärdensprachfilme/-videos ausgesprochen wird.

Besonders im Nachrichtenbereich hat es Gebärdenwelt geschafft, alle Informationen barrierefrei in Gebärdensprache, in meiner/unserer Sprache, zu senden. Untertitel sind nur eine halbe Sache.
(cg)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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