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Interview mit US-Delegierten Donalda Ammons

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18 WINTER DEAFLYMPICS 2015
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Worüber ich mich am meisten freue ist, dass Russland, also Khanty-Mansiysk, es so kurzfristig geschafft hat, die Winter Deaflympics zu übernehmen. In nur einem Jahr! Vielen Dank an Russland.

Bisher kannte ich Khanty-Mansiysk nicht und es ist sehr weit weg, darum dachte ich warum dort. Aber dort gibt es die besten Bedingungen für Wintersportarten wie Skifahren, Langlauf, Eishockey oder Curling. Die Qualität ist einfach top.

Khanty-Mansiysk und Magnitogorsk sind im Sport wirklich ausgezeichnet und das Management ist einfach exzellent. Allerdings gab es Reibungen und Schwierigkeiten bei der Kommunikation. Die Erwartungen waren unterschiedlich und das liegt wahrscheinlich an der russischen Kultur. In der russischen Kultur wird zwar sehr gerne kommuniziert, aber das Tempo ist ein anderes. Im Westen hingegen ist alles sehr schnelllebig und hektisch und eine Antwort wird schnell erwartet. Die Russen haben erklärt, es dauert bis Informationen einlangen und weitergeleitet werden. Das hat natürlich alle nervös gemacht, denn die Informationen sind erst in letzter Minute eingetroffen. Das liegt wohl an der unterschiedlichen Kultur.

Ein weiterer Grund war, dass die Kommunikation mit den zuständigen hörenden Personen nicht reibungsfrei funktioniert hat. Diese Personen sind wirklich sehr gut in ihrem Bereich und kommen gut voran, aber die gehörlosen Personen sind nicht mitgekommen und die Kommunikation fand über ihre Köpfe hinweg statt. Es war nicht möglich eine Kommunikation zwischen den Hörenden und den Gehörlosen zustande zu bringen. Es gab zu wenige DolmetscherInnen und der größte Teil von Ihnen beherrschte nur russisch in Gebärden- und Lautsprache. Englisch oder International Sign konnte fast niemand, das war das Problem. Aber wir können uns nicht beklagen, denn wir hatten nur ein Jahr Zeit für die Organisation. Für das nächste Jahr bin ich verantwortlich dafür, eine bessere Situation zu schaffen.

Seit ich 2009 bei der ICSD ausgetreten bin, war ich zu Hause und hatte sechs Jahre nichts mehr mit dem ICSD zu tun. Als Dr.Valery dann Präsident geworden ist, habe ich ihm gratuliert und er hat sich sehr darüber gefreut. Er hat mich dann gefragt ob ich ihm helfen kann und mein Wissen über den ICSD weitergeben kann, denn er hatte kaum Informationen. Ich war damit einverstanden ihn zu unterstützen und habe ihm ab 2013 alle Informationen die er braucht gegeben. Dr.Valery wusste noch nicht wie es mit den Sommer und Winter Deaflympics weitergehen wird, ob sie 2019, 2021, 2023 und 2025 stattfinden werden oder nicht! Das hat ihm große Sorgen bereitet und darum bat er mich für ihn zu arbeiten und den Personalbereich zu übernehmen. So kann ich mit den jeweiligen Ländern sprechen und herausfinden wer Interesse hat, die Deaflympics auszurichten. Die Länder die Interesse haben, kann ich dann mit Informationen versorgen und unterstützen. Das ist nun seit kurzem mein Bereich, zu dem ich berufen wurde.

2009 als ich ausgetreten bin, hatte das ICSD noch eine halbe Million Dollar zur Verfügung. Es war wenig, aber es ging stetig bergauf und die Situation war stabil. Später ist dann eine Person vom ICSD gestorben und hat sein Geld gespendet, so waren es dann $800.000. Ich freute mich über diese tollen Ressourcen. Dann zwischen 2009 und 2010 habe ich von Gerüchten erfahren, dass das Geld immer weniger wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht anwesend. 2011 wollte ich zum ICSD-Kongress kommen, aber ich wurde nicht zugelassen. Auch 2013 durfte ich wieder nicht dabei sein. Ich habe also nichts über die finanzielle Situation erfahren, bis Dr.Valery, der höchsten Respekt vor mir hat, mich als zweite Delegierte eingeladen hat. Ich wurde dringend gebeten hinzugehen und etwas zu unternehmen. Dr. Valery war damit einverstanden, dass ich am Kongress teilnehme. Dort wurde dann das Finanzielle besprochen und ich war fassungslos und schockiert, denn die Gerüchte waren wahr, sie waren bereits in den roten Zahlen (Minus). Ich hatte davor hart gearbeitet und es wurde stetig, wenn auch langsam, immer mehr Geld. Es war so enttäuschend für mich, ich musste weinen.

Aus meiner Perspektive konnte ich berichten was vorher passiert war, denn ich war langjährige Mitarbeiterin beim ICSD. Ich hatte 14 Jahre lang meine Erfahrungen beim ICSD gesammelt und wurde dann Präsidentin und konnte mein Wissen ausbauen. Seit ich dann ausgetreten bin, gab es einen neuen Präsidenten, der selbst keine Erfahrung hatte. Er hatte nie beim ICSD gearbeitet, nicht einmal. Ich denke aus diesem Grund ist es schief gelaufen. Einige neue ICSD MitarbeiterInnen aus aller Welt sind dazu gekommen und das war die Ursache dafür, dass es nicht gut gelaufen ist. Normalerweise trägt eine Person die Verantwortung, in der deutschen Sprache sagt man dazu Geschäftsführer. Zu meiner Zeit gab es vier Geschäftsführer und das Geld für eine Stelle wurde auf vier Personen aufgeteilt. Jetzt aber, behielt er das Geld ganz für sich und die vier Personen wurden normal bezahlt. Deshalb war das Geld so schnell weg. Er hätte mit dem Geld wirtschaftlich und ökonomisch umgehen sollen, tat es aber nicht. Er hat das Geld einfach ausgegeben und gedacht, es würde schnell wieder neues Geld herein kommen. Leider war es nicht so.

Bei mir und vorher auch schon, war es üblich, dass alle MitarbeiterInnen des ICSD einen jährlichen konventionellen Vertrag über die finanzielle Verantwortung unterschreiben mussten. Jedes Jahr mussten die Vorstände (Board) alles gründlich durchchecken und wenn sie alles im Vertrag verstanden haben, wurde er unterschrieben. So war der Ablauf normalerweise, aber nachdem ich ging wusste leider niemand davon. Beim Kongress wusste das Board dann nicht was los ist und worum es genau ging. Das war das Problem.

Der jetzige Präsident Dr.Valery, war vorher auch noch nie beim ICSD Mitarbeiter, aber er machte es schlau und fragte bei allen Personen nach wie die Arbeit früher lief. Er fragte auch mich und suchte nach Verbindungen um die Arbeit besser zu verstehen. Davor war Craig A. Crowley, der ganz anders arbeitete. Er hatte eigene Vorstellungen und arbeitete selbständig. Ja genau kann ich es nicht sagen, es war schon Geld verloren.

Was ich noch erzählen kann ist, dass es die Sommer und Winter Deaflympics gibt und der Ablauf ist seit damals ungefähr der gleiche. Schon seit 15 - 20 Jahren und meistens war es sehr anstrengend überhaupt Länder zu finden, die die Deaflympics ausrichten wollen. Damals fragte ich einige Länder ob sie Interesse hätten, aber die meisten waren nicht bereit dazu und wollten nichts damit zu tun haben. Niemand wollte sich damit beschäftigen!

Die Deaflympics 2007, mussten bereits 2001 ratifiziert werden, also beim Kongress, aber es passierte nichts. Bei mir war es so, dass ich immer schon viel früher mit der Organisation begann. Also ab 1999, habe ich jedes Land gefragt ob sie die Deaflympics übernehmen könnten. Dafür musste ich auf der ganzen Welt herumfliegen, aber die Suche blieb erfolglos. Es klappte einfach nichts, aber im Gesetz stand es muss bereits sechs Jahre vorher anerkannt werden. Als das Jahr 2007 immer näher kam, wussten wir immer noch nicht wo die Deaflympics stattfinden sollten, es war noch keine Entscheidung getroffen. So musste ich dem Kongress mitteilen, dass die Deaflympics 2007 abgesagt werden müssen. Die Aufregung damals war groß. Ich war ja schon fassungslos, aber das Problem war, das niemand dafür kandidierte. Auf internationaler Ebene, waren die Sportverbände nicht bereit die Verantwortung zu übernehmen. Deshalb bin ich jetzt beim ICSD involviert um die jeweiligen Länder bestmöglich zu unterstützen und zu beraten und ihnen die Angst und Unsicherheit zu nehmen. Ich erkläre ihnen dann wie es möglich ist die Deaflympics zu organisieren und sie sind oft erstaunt wie einfach es ist. Meist haben sie es sich komplizierter vorgestellt. Das war der eine Grund und jetzt der zweite Grund: Die Sommer Deaflympics sind mit insgesamt 20 Sportarten sehr groß und dadurch wird die Kooperation zwischen Städten, oder Regionen notwendig. Übernimmt nur ein Sportverband die Organisation, wäre es unmöglich. So wird es möglich gemacht und kann gelingen.

Ich habe mich durchgesetzt und konnte vieles erreichen. Ich habe viele Personen kontaktiert, nicht nur gehörlose sondern auch hörende Personen, wie zum Beispiel den Bürgermeister und andere zuständige Personen. Ich habe ihnen die Sommer und Winter Deaflympics erklärt und sie nahmen es zur Kenntnis. Ich war bereits in München, Italien und sogar Japan und vielen anderen Ländern um Gespräche zu führen. Es ist notwenig viel zu reisen und Versammlungen abzuhalten. Die Sommerdeaflypmics sind die größte Herausforderung, weil es eine sehr große Veranstaltung ist. Es kostet auch sehr viel, im Durchschnitt 15 Millionen Dollar. Die Winter Deaflympics kosten im Schnitt nur zwei bis drei Millionen Dollar, minimum eineinhalb Millionen Dollar. Für eine bessere Qualität sind aber bis zu 3 Millionen Dollar notwendig.

ZU Österreich möchte ich sagen, ich hoffe Österreich übernimmt in Zukunft einmal die Winter Deaflympics. 1949 haben die Deaflympics bereits in Österreich stattgefunden, seither aber nicht mehr. Ich habe schon öfter mit Österreich darüber geredet, aber sie haben jedesmal abgelehnt. Mittelerweile scheinen sie bereit zu sein, aber es ist noch offen. Ich drücke die Daumen.

Dankeschön
(a.g)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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