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Interview mit Alexander Romatsov

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PRÄSIDENT DES RUSSISCHEN GEHÖRLOSEN-SPORTVERBANDES
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Alexander Romatsov, Präsident des Russischen Gehörlosen-Sportverbandes:
Ich arbeite als Präsident und leite das Organisationskomitee im Bereich für gehörlose Angelegenheiten. Es gibt auch einen hörenden Leiter des Organisationskomitees in Khanty-Mansiysk und des weiteren auch einen hörenden Leiter in Magnitogorsk. Ich bin mittendrin und steuere alles zwischen den beiden Orten. Weiters gibt es auch ein Organisationskomitee der Regierung.

Mir geht es nicht gut dabei, dass die Deaflympics in der Slowakei abgesagt wurden. Die nächsten Deaflympics wurden für Kanada geplant, aber es war mit sehr viele Fragezeichen verbunden. Ich war verunsichert. Dann wurde in Bulgarien einen Kongress durchgeführt, wo auch ein neuer Präsident gewählt wurde. Es ist überraschend, dass ein Russe die Präsidentschaftswahl gewann. Jedoch bleibt das Problem, wo die nächsten Winter-Deaflympics stattfinden werden. Da sind viele verzweifelt, und Russland bietet an, die Winter-Deaflympics zu übernehmen. Wir haben mit der Regierung gesprochen und ich wünsche, dass die Olympiastadt Sotschi der Austragungsort sein würde. Laut der dortigen Regierung sei es unmöglich, so kurzfristig bis zum Jahr 2015 zu organisieren, denn es müsste private Investoren geben. Deshalb war ich gezwungen in anderen Regionen zu suchen und ich habe ein Ort gefunden, und die Stadt Khanty-Mansiysk war bereit die Deaflympics zu organisieren. Diese Stadt ist bekannt für ihren Öl-Reichtum. Die Region ist bereit mit 70 Prozent der Gesamtkosten die Spiele zu finanzieren. Da war ich sehr erstaunt und nahm trotzdem weiter Kontakt mit anderen Regionen auf. Diese könnten die Spiele schon organisieren, aber es fehlten die finanziellen Mittel. Nun hatte ich Khanty-Mansiysk ausgesucht und die Verträge wurden unterschrieben, da die Bedingungen für die Durchführung der Deaflympics laut ICSD-Reglement erfüllt wurden. Dann haben wir, Regierung, Region und wir gemeinsam einen Antrag an den ICSD gestellt. Der ICSD hat den Vertrag geprüft und dann beim ersten Antrag-Stellen beim ICSD am 14. Jänner 2014 wurde der Antrag eingereicht und es gab noch Diskussionen. Im Februar wurde dann der Antrag genehmigt. Dann begann unsere Arbeit und wir hatten nur ein Jahr vor uns. Ich weiß, dass die Deaflympics keine leichte Aufgabe sind. Jedoch hatte Khanty-Mansiysk schon Erfahrung mit Wintersport, denn dort wurden Biathlon-Weltcups durchgeführt. Es gab sehr viele Gespräche, und wir haben die Leute aufgeklärt und nun finden innerhalb kurzer Zeit in dieser Stadt endlich die Deaflympics statt. Es tut mir leid, dass die Leute dort so schnell die Bestimmungen vom ICSD akzeptieren mussten und nun bin ich glücklich darüber, hier sein zu dürfen.

Ich freue mich, dass die olympischen Programme, die Sportarten, und auch die teilnehmenden Ländern gegenüber den letzten Deaflympics 2007 in Salt Lake City aufgestockt wurden. In Salt Lake City nahmen 21 Länder teil, nun sind hier Sportler aus 27 Nationen anwesend. Und es sind auch mehr Sportler hier und zwar etwa 450 Sportler. Man sieht auch in der Tabelle, dass es hier mehr Personen sind. Es sind viele neue Sportler aus Japan und China dabei.

Jetzt nach unserer Berechnung steigen die Kosten für die Deaflympics. Vor dem Beginn der Deaflympics wollte sich die Stadt Khanty-Mansiysk an den Kosten mit 70 Prozent beteiligen, weiters trägt das russische Sportministerium mit 25 Prozent bei, und 5 Prozent wird der Russische Gehörlosen-Sportverband beitragen. Jetzt steigen die Kosten schon enorm. Ich kann nicht sagen, um wie viel es erhöht sein wird, jedoch hat Khanty-Mansiysk ein großes Herz und auch die Stadt Magnitogorsk hilft mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung. Beim ersten Gespräch mit der Stadt Magnitogorsk geht es eher um eine bescheidene Summe, aber nach und nach erkannte die Stadt schon den Wert der Deaflympics und sie möchten alles gut organisieren, daher scheuten sie den Aufwand nicht, um das Bestmögliche für die gehörlosen Sportler zu machen. Die Kosten wurden höher und auch dort in der Stadt Magnitogorsk wurde eineaufwendige Eröffnungsfeier wie in Khanty-Mansiysk durchgeführt. In Magnitogorsk wurden Fallschirme und auch Flugzeuge für die Eröffnungsfeier eingesetzt. Dort wurde ein Volksfest mit verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten aus der Region durchgeführt und es war gut besucht, mit täglich 4000 bis 6000 Besuchern.

Insgesamt nahmen 45 verschieden Nationen an den Deaflypmics teil, in verschieden Sportarten wie Curling, Eishocky und Ski fahren. Es haben Dopingkontrollen stattgefunden. Hiefür wurden einzelnen Sportler getestet. Die Kontrollen sind bereits erfolgt, aber auf das Ergebnis der Dopingkontrollen muss ein bis zwei Monate gewartet werden.

Im Reglement des Deaflympics steht, dass während der Wettkämpfe keine technischen Hörhilfen getragen werden dürfen. Vor dem Wettkampf dürfen Hörgeräte getragen werden, kurz nach dem Wettkampf jedoch nicht. Auch wenn nur ein Spieler während des Spieles ein Hörgerät getragen hat, wird die ganze Mannschaft disqualifiziert. Der betroffene Spieler wird dann für die restliche Zeit der Deaflympics ausgeschlossen. Schließlich wurde dann beim Treffen des ICSD beschlossen, dass das Reglement geändert wird, wie etwa 3 : 0-Strafverifizierung für die gegnerische Mannschaft, statt dass der schuldtragende Spieler komplett aus dem ganzen Turnier ausgeschlossen wird.

Im ICSD-Reglement können nur offiziell anerkannte Schiedsrichter, die von nationalen Sportverbänden geprüft wurden, eingesetzt werden. Es muss ein geprüfter Schiedsrichter sein und es kann kein Schiedsrichter eingesetzt werden, der nicht geprüft ist. Es ist schon wünschenswert, dass mehr gehörlose Schiedsrichter eingesetzt werden, jedoch müssen sie geprüfte Schiedsrichter sein. Beim Curling und auch beim Langlauf gibt es gehörlose geprüfte Schiedsrichter.

Ich sagte, ich organisiere die Deaflympics, weil Russland über Erfahrungen durch die hörenden olympische Spiele verfügt, ebenso wie durch die Paralympics. Nun will ich dass die Deaflympics einen gleichen Stellenwert haben wie die Olympischen Spiele und Paralympics. Es muss gleichberechtigt sein und die Regierung weiß davon, dass wir die Gleichberechtigung anstreben und wir kämpfen weiter dafür. Und es sollte auch professionelle Berichterstattung wie Plakatierung und TV-Medienberichterstattung, etc. wie bei den Hörenden auch geben. Wir ziehen nach. Im russischen Gesetz steht, vom Parlament im Jahre 2008 beschlossen, dass alle drei Spiele (olympische Spiele, Paralympics und Deaflympics) gleichberechtigt sein müssen. Das heißt, alle bekommen verhältnismäßig den gleichen Geld-Fonds. Es gibt also keinen „Almosen-Preis“ für gehörlose Sportler, sondern wir haben es geschafft, eine Gleichberechtigung wie die Hörenden zu erlangen. Ich bin glücklich darüber, dass es so gelaufen ist. Wir können auch dem ICSD-Präsidenten Valery Rukhledev helfen, mit unserer gelungenen Gleichberechtigung, so dass dieser auch die Gleichberechtigung beim IOC beantragen kann. Dann hoffentlich wird der IOC einen Vertrag mit dem ICSD machen, damit es zu einer Gleichberechtigung kommen wird.

Es ist normal, dass es ein Verletzungsrisiko bei Sportlern gibt und wir haben auch eine gute medizinische Versorgung. Bei leichteren Verletzungen werden die Sportler gleich behandelt. Bei schwereren Verletzungen sind Hubschrauber zur Verfügung. Nun bei diesen Spielen hat sich eine italienische Snowboarderin beim Training verletzt, so dass sie ins Krankenhaus musste um eine entsprechende Behandlung zu erhalten. Beim Snowboard-Slopestyle ist das Level wie bei den Hörenden, so dass man mit einer erhöhten Verletzungsgefahr rechnen muss.

Nach der Eröffnungsfeier in Khanty-Mansiysk flog ich am nächsten Morgen nach Magnitogorsk und ich bin mit allen Skirennläufer gemeinsam in einem Flugzeug geflogen. Nach der Landung in Magnitogorsk wurden wir dort von einheimischen Leuten,mit frenetischem Jubel empfangen. Dort gab es ein Volksfest mit vielen kulinarischen Genüssen und dort waren etwa 5000 bis 8000 Leute zu sehen. Es war wunderbar und es hat dort auch eine Eröffnungsfeier gegeben. Man kann die Eröffnungsfeiern nicht miteinander vergleichen, denn in Khanty-Mansiysk wurde die Eröffnungsfeier in einer Halle durchgeführt, und in Magnitogorsk im Freien. Ich kann nicht sagen welche besser war. Ich kann nur sagen, dass die beiden Städte wirklich ein großes Herz für gehörlose Sportler haben.

Was ich zum Schluss sagen will ist, dass es mein großer Wunsch ist, dass sich der Gehörlosensport weiterentwickelt und das es nicht abwärts geht, sondern wirklich aufwärts geht und die gehörlosen Sportler bessere Resultate bringen. Und ich möchte allen Länder sagen, dass sie gehörlose Sportler fördern sollen und auch die Gehörlosenkultur weiter verbreiten sollen.
(ps)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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