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"Erst wenn sie mich geschlagen haben, ist es aus"

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Terence Parkin, ein gerhörloser Ausnahmesportler, erzählt über Training, Erfolge und Zukunft
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Weißt du, wer zurzeit in der Community im Sportbereich zu den bekanntesten "Deaflympioniken" [=Deaflympics-TeilnehmerIn] zählt?

Es gibt nur einen, über den man sich sehr wundern kann; der in Simbabwe bei Bulawayo als Wunderkind am 12. April 1980 das Licht der Welt erblickte und heißt "Terence Parkin".

Der in Südafrika lebende Schwimmstar galt schon früh in seinem Leben als Wasserratte und erobert bereits im Alter von 20 Jahren Aufsehen. Er trat als erster Gehörloser Schwimmer bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney an und holte erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele als Gehörloser im 200-Brust Silber vorm zweifachen Olympiasieger Domenico Fioravanti aus Italien.

Bei weiteren Erfolgen holte er sich bei diversen Schwimmsportevents für Profis z.B. World Championships, FINA, etc. eine Menge Medaillen ab.

Auch an den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen nahm er teil und holte jedoch keine Medaille, dafür vertrat er die Community, indem er den Betroffenen zeigte, dass auch alle anderen von der Community so etwas erreichen können.

Bei einem Interview bei seinen ersten Olympischen Spielen im Jahr 2000 hat er sich über Taubheit geäußert.

"Bei den Olympischen Spielen 2000 vertrete ich mein Land "Südafrika", aber für mich ist es ungeheuer wichtig, dorthin gekommen zu sein. Sonst wäre es so, dass die Gehörlosen nichts tun können. Das geschieht ja im Gegenteil: sie hören zwar nicht, aber sie können alles sehr gut sehen. Ich möchte der Welt zeigen, dass es Möglichkeiten für Gehörlosen gibt."

Ansonsten erzählen noch andere lange Geschichten viel interessantes, über die wir mit seinen Erfolgen und humaner Arbeit im Schwimmbereich berichten wollen.

Terence Parkin hat wenige Tage vor Beginn der olympischen Spiele in Athen die Eröffnung einer Schwimm-Akademie für gehörlose und schwerhörige Kinder bekanntgegeben, wo er die Leitung führt. Auch die Voraussetzungen dafür sind bestens, denn er hat selbst den Weg zu großen sportlichen Erfolgen geschafft und sein Motto lautet: "Deaf can do it". [=Gehörlose können es schaffen]. Er betrachtet die Tatsache, dass er gehörlos ist, nicht als Behinderung. Die Gehörlosigkeit bedeutet für ihn, sich lediglich anderer Sinne und Mittel der Kommunikation zu bedienen.



Interviewfragen in Taipei bei der Pressekonferenz:

Bei einer Pressekonferenz standen eine Menge Presseleute herum, um Terence Parkin über seine erfolgreichen Deaflympics 2009 in Taipei zu interviewen. An seinem Platz lagen 8 Medaillen, davon 7 Goldene und 1 Bronze.

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Bei der ersten Befragungen gab es für ihn Gratulationen und prompt war die Frage da, was den Unterschied zwischen Olympia und Deaflympics ausmacht, da er bei Olympia 2000 in Sydney dabei war? Wo sind die Differenzen zu sehen?

Parkin: Der Unterschied ist, dass ich nicht unter Hörenden sein konnte, denn ich bin ja selbst gehörlos. Dadurch ergiben sich bei den Hörenden mit der Kommunikation Hindernisse. Somit konzentrierte ich mich einfach aufs Schwimmen, denn die anderen gaben sich um mich kaum Mühe, miteinander zu kommunizieren. Sie konnten sich miteinander vergnügen, Spaß haben und vieles mehr. Was mich bei den Deaflympics weiterbringt ist der Unterschied zu den Hörenden: Dort fühle ich mit allem eins, kann mich mit Freunden unterhalten und wirke glücklicher. Was anders daran ist: bei den Deaflympic einerseits habe ich große Reize und Motivation, dort treffe und unterhalte ich mich mit Freunden aus aller Welt und bei Olympia, mit Hörenden, will ich andererseits den World Champion erreichen. Das ist der Unterschied.

Jetzt will ich über Taiwan sagen, dass ich alles - wie gesagt - "WOW" finde und diese Organisation habe ich in meinem Leben zuvor noch nie erlebt, was hier geschehen ist. Bei Eröffnungszeremonie war ich hellauf begeistert und die Qualität wurde im Vergleich mit Olympia gleichgestellt. Ich respektiere Taiwan, dass sie die Deaflympics-Qualität auf höchsten Stand gebracht haben.

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Wie wir erfahren haben, dass sie für diese Deaflympics-Spiele erst vor ein paar Monaten, sozusagen in kurzer Zeit, mit hartem Training begonnen und doch viele Medaillen für sich gehamstert haben, waren wir überrascht. Vorhin haben sie ja die Schwimmkarriere beendet und warum ist dies zustande gekommen? Können sie mir erzählen wie Sie zum Entschluss gekommen sind, mit einem Comeback in Taipei anzutreten und wie sie daran hingearbeitet haben?

Parkin: Ach ja, ihr wollt von mir mehr davon erfahren, Ok. Nach dem Aufstieg an einer Teilnahme bei Olympia 2000 war es für mich davor eine harte Trainingszeit, die ich erlebt habe. Bis dahin habe ich bis zu einem Wettkampf in Japan 2006 an vielen Erfolgen teilgenommen und dann legte ich mein Schwimmkarriere auf die Seite. Denn für meine Familie habe ich einfach wenig Zeit gehabt und dies gebe ich wieder zurück und widme meine Aufgaben dem Schwimmcamp. Bis 2008 ist es fein gelaufen. Kurz vor den Deaflympics ist das Thema wieder hochgegangen und ich bezweifelte, ob ich diese Sachen wieder machen sollte. Meiner Überlegungen und Vorstellung nach, wollte ich einfach für die Schwimmakademie als Trainer alle Schwimmpersonen trainieren. Der Gehörlosensportverband hat mich mehrmals drum gebetet, dass ich mit einer Teilnahme antreten sollte. Sie haben sich mit voller Unterstützung bemüht und nicht aufgegeben, dass ich es unbedingt machen sollte. Nach einiger Zeit habe ich mein OK gegeben und ich bin vier Monaten vor der Deaflympics-Eröffnung angetreten. In der laufende Zeit/ Alltag gibt eine Rhythmus: beim Aufstehen am Morgen kümmere ich mich um meine beiden Töchter beim Anziehen und bei der Verpflegung. Anschließend bringe ich sie um acht Uhr zur Schule und komme dann wieder zurück nachhause. Ziehe mich dann für das Radtraining an und zische gegen 08.30 Uhr mit dem Sportfahrrad für insgesamt ungefähr vier Stunden weg. Bevor ich um 13.00 Uhr zurück bin, hole ich dann die beiden Töchtern von der Schule ab. Danach geht’s mit Fitnesstraining, wo ich eine halbe Stunde intensiv trainiere, weiter. Zweitens bin ich dann auch als Schwimmtrainer tätig und trainiere die Personen bis 16.30 Uhr. Sobald alle Arbeit fertig ist, springe ich selbst ins Schwimmbecken und im Wasser trainiere ich von 16.30 bis 19.00.
Nur am Freitag und Wochenende mache ich kein Training.

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Sie haben hier unglaubliche 7 Goldmedaillen geholt und was steckt in Ihrem Training? Wie ist das möglich?

Parkin: Ich trainiere ganz allein und auch keinen Trainer habe ich dabei, das bin ich selbst. Mit eigener Vorstellungskraft habe ich ein eigenes Programm aufgestellt, das für mich möglichst gut ist und ich wollte immer für mich das Beste machen.
Dadurch lerne ich mit Erfahrung mehr, wie ich in meiner Zukunft dieses Programm meiner Schützlinge trainieren kann, wobei ich selbst mit eigenen gestalteten Schwimmprogrammen die Erfahrung des Erfolges gemacht habe. Somit gebe ich den Schützlingen weiter, die dadurch beim Schwimmsport erfolgreich werden könnten. Ich bin hergekommen und da habe ich alle Medaillen geholt, dass ist der Beweis für mein eigenes, gestaltetes Trainingsprogramm. Somit kann ich jetzt mit diesem Programm was tun und sobald ich wieder in Südafrika bin, werde ich dies mit meinen Schützlingen trainieren.

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Nach der erfolgreichen Vorstellung im Schwimmsport sind Sie dann erstmals auch beim Radsport angetreten. Wie ist das möglich, dass Sie sich an beiden Seiten erfolgreich präsentieren können?

Parkin: Beim Radsport sehe ich eine andere Motivation. Die Reize beim Radfahren sind da, weil man auf einem festen Boden fährt und ebenfalls einen Widerstand wie im Wasser hat. Dadurch inspiriert mich dies und im Schwimmsport bin ich längst erfolgreich und über Siege und weitere Erfolge freue ich mich halt. Beim Radeln ist es etwas Neues und Anderes. Da geht die Freude und Emotionen bei einem Erfolg 5-mal weiter hinaus. Es ist schon ein anderes Gefühl. Ansonsten habe ich bei allen wichtigen Turnieren die Medaillen eingehamstert und das macht mich glücklich.

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Haben Sie sich vorm Radwettkampf Gedanken gemacht, dass Sie gegen die starken Radsportler eine Medaillenchance haben? Willst du bei nächsten Deaflympics weiterhin beim Radsport antreten?

Parkin: Erstens habe ich mir nicht mal Gedanken gemacht, dass ich eine hohe Medaillenchance habe und ich habe nur gehofft, dass es gut ausgehen wird. Mein Anliegen und Hoffnung war, dass ich beim Schwimmen alle Medaillen einhamstere und beim Radeln waren die Gedanken nicht so. Der Radsport ist für mich auch hart einzuschätzen und ich bin auch ein Neuling, besitze keine Erfahrung. Seit 2006 radle ich bis jetzt und vorhin habe ich eine Teilnahme nicht geplant. Doch ich war gut darin und mit einem dritten Platz bin ich richtig glücklich. Laut Tabellenzeitraster der Sportprogramme war es zu sehen, dass man am ersten bis dritten Tag an Schwimmwettbewerben antritt und der vierte Tag war frei. Da stand ein Radwettbewerb am Programm, anschließend stand der Schwimmwettbewerb am fünften bis siebten Tag wieder. So haben die Termine für mich bestens funktioniert. Dafür bin ich dankbar!

Ob ich bei den nächsten Deaflympics 2014 dabei sein werde? Ich sage JA. Ich will einfach die Kontrahenten anheizen, die ihre Ziele und Leistung selbst hochschrauben, ihre Motivation daran zu halten, um mich "biegen" zu können. Sobald sie mich geschlagen haben, trete ich dann zufrieden zurück. So kann ich mich gut fühlen. Falls sie mich weiterhin nicht schlagen können, in vier Jahren nochmal. Bis ich mich geschlagen gebe, dann ist es aus.



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Ein Text von Georg Marsh
© Gebärdenwelt
Foto: Gebärdenwelt
(flo)
Foto: Gebärdenwelt
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