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3. Tag: 3 Bronze für Österreich!

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Überglücklicher Jürgen Berchtold nach spannendem Finale!
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Georg:
Ich gratuliere dir als Bronze-Medaillengewinner bei Wrestling "Greco-Roman".
Wie Du weißt, dass wir über das Interview gegen Bulgarien gebärdet haben, und dass er dich geschlagen hat. Anschließend hast Du an dich geglaubt und gehofft, irgendwie noch ein Spiel gewinnen zu können. Erzähl mir, wie alles geschehen ist.

Jürgen Berchtold (Bronze-Gewinner Wrestling "Greco-Roman"):
Vielen Dank, erstens haben die Bulgaren danach gegen die Mongolei gekämpft und ich war mir nicht sicher, ob es sich ausgehen wird und er hat knapp gewonnen. Da dachte ich mich schon ans AUS. Vorhin hat er beim Kampf in der Schulterregelung einen Fehler gemacht und es konnte sein aus gewesen sein. Da wäre ich bereits ausgeschieden. Man hat aber gesehen, dass es ein packender Kampf war und der Bulgare hat inzwischen versucht, die Kampfpunkte aufzuholen.

Je mehr er tat, machte sich alles wett. Somit konnte ich Luft holen und war erleichtert, dass ich noch eine Chance hatte. Gegen den Mongolesen habe ich im 3/5 Finale antreten müssen. Mein Trainer hat mir mit ein paar Überlegungen die Videoanalyse, samt Technik vom Bulgaren gegen die Mongolei gezeigt. Da hat er mich darauf aufmerksam gemacht, auf was ich besonders achten müsste. Ich merkte mir alles. Während dem Spiel im 3/5 Finale war ich ruhig und nicht nervös.

Ich hatte eine gute mentale Einstellung und ging dann über die Bühne. In der ersten Runde konnte ich mit feinem Technikkampf gute 4 Punkte einfahren. Anschließend gab es eine Pause von 30 Sekunden und der Trainer teilte mir in Ruhe mit, dass ich mich nicht Sorgen brauche.

In der zweiten Runde ist alles anders gekommen, wobei ich selbst stark atmen musste, auch die Konzentration und mein Ich hat irgendwie nicht gepasst. Das weiß ich selber auch nicht warum. In der dritten letzten Runde war die Spannung groß.

Georg:
In der zweite Runde haben sie auch eine Pause gehabt und was hat der Trainer getan?

Jürgen:
Ja, mein Trainer war aufgebraust und aufgeregt. Er hat mich nach hinten geschubst, um aufzuwachen. Da war ich mir im Klaren, in welcher Situation ich bin. Da habe ich etwas wiedergutmachen müssen. Danach hat der Mongolese noch weiter 2 Punkten geholt. Da dachte ich mir, das ich wohl aufgebe denn bald war die Zeit ja um. Plötzlich ist er beim Kampf auf den Boden gerutscht.

Ich nütze die Gelegenheit und dachte mir, dass ich die gleiche Technik wie in der ersten Runde anwenden muss und ihn mit Armen, sowie einer Drehung packen muss. Da habe ich 2 Punkte einfangen können. Beim Glockenschlag hat er sich auf den Boden knien müssen und ich wiederholte die gleiche Taktik, um weitere Punkten aufzuholen. Die bleibenden 10 Sekunden stand es 5:2 für mich und der Trainer winkte zu mir, dass ich während 10 Sekunden fest wegen der Gegenangriff aufpassen muss. Ich wehrte mich so lange, bis die Zeit um war und gewann dann die Medaille. Das war einfach für mich unglaublich.

Georg:
Es freut mich und wie lautet der Punktestand gesamt?

Jürgen:
1. Runde: 4:0
2. Runde: 0:6
3. Runde: 5:2


Georg:
Also, es war 9:8 für dich und das ist ein sehr knappes Ergebnis. Das muss ein schönes Gefühl sein und was hast du dir gedacht als die Fahne "Österreicht" hochgezogen wurde?

Jürgen:
Da habe ich einen kurzen Rückblick zu meiner Vergangenheit gehabt, als kleiner Junge habe ich mit dem Wrestling angefangen und entwickelte mich nach Jahren mit Wettkämpfe gegen Hörende weiter. Lang waren die Hörenden die Besseren und ich habe einfach bis dahin, bis hierher gearbeitet und erobertee nun die Olympische Bronze-Medaille. Dadurch bin ich jetzt ehrlich erleichtert!
Das ist super!

Georg:
du wolltest dann gleich zum Hotel und wie war der Ablauf bis dahin? Haben alle österreichischen Fans dir zugejubelt?

Jürgen:
Ja, freilich! Vorhin wollte ich schon mit Eile zum Hotel und da hat Marlene mich aufgehalten, dass ich mich bis dahin gedulden müsste. Das ich jetzt keine Bedenken haben muss und sie eine Überraschung für mich ausgedacht hat.

Zum Hotel fuhr ich zuerst mit dem Bus zum Transfer-Center und aus knappen Zeitgründen sind wir dann mit dem Taxi weitergefahren. Während der Ankunft schaute ich durchs Taxifenster, ob mir was passieren wird. Als wir angekommen sind und alle schon warteten, wer wohl als erster aussteigen würde. Mein Trainer stieg als erster und dann stieg ich aus. Der Brunnbauer hat mich mit Jubel samt Sekt vollgeschüttet. Mit voller Freude haben mich alle gelobt und das war schön. Die Freude war groß!


Georg:
Der Jürgen hat nach einer Durststrecke von 24 Jahren für ÖGSV die ersten Deaflympics-Medaille geholt. Alle haben sich mit dir sehr gefreut, Gratuliere!
© ÖGSV
Foto: ÖGSV
(Georg)
Foto: ÖGSV
Video: Gebärdenwelt

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