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Tag der Muttersprachen - Reportage

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GEBÄRDENWELT BESUCHT DEN VEREIN VÖGS
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Paulina Sarbinowska, VÖGS-Vorstandsmitglied:

"Anlässlich des Tages der Muttersprachen hat der VÖGS ein sehr wichtiges Anliegen. Die Österreichische Gebärdensprache wurde bereits 2005 als offizielle Sprache in der Bundesverfassung anerkannt. Weitere Gesetze fehlen aber. Für die Zukunft wünscht sich der VÖGS deshalb die Einführung von Änderungen im Schulrecht, sodass Kinder Unterricht in Gebärdensprache bekommen können. Wir verfolgen das Ziel, dass auch in diesem Bereich Toleranz gefördert wird, sodass in Zukunft mehr Gehörlose studieren werden und gleichberechtigt sind."


Paulina Sarbinowska: "Hallo! Mein Name ist Paulina. Ich bin schon seit zwei Jahren aktives Vorstandsmitglied des VÖGS. Der VÖGS ist ein Verein für gehörlose Studierende, der schon 13 Jahre aktiv ist. Der VÖGS richtet sich hauptsächlich an gehörlose und schwerhörige Studierende, doch auch hörende Studierende mit Gebärdensprachkompetenz können Mitglieder werden. Die Vereinssprache ist die Österreichische Gebärdensprache. Bis dato zählt der VÖGS ungefähr 20 bis 30 Mitglieder.

Unsere Aufgaben bestehen in der regelmäßigen Organisation von Treffen, welche während des Semesters immer ein Mal pro Monat stattfinden. Dabei tauschen sich Studierende zu bestimmten Themen aus. Das letzte Mal wurde beispielsweise der aktuelle Stand in Bezug auf taube GebärdensprachdolmetscherInnen behandelt. Der VÖGS lud Vortragende ein, die unter anderem darauf eingingen, ob und wie diese an der Universität eingesetzt werden können. Das wäre ein Beispiel für die Treffen, die ein Mal monatlich vom VÖGS organisiert werden. Auch dort läuft alles in Gebärdensprache ab.
Ein weiteres sehr wichtiges Ziel des VÖGS ist die Barrierefreiheit an Universitäten und Fachhochschulen. Ist für gehörlose Studierende Barrierefreiheit sichergestellt? Dafür setzt sich der VÖGS aktiv ein. Darum gibt es heute das Projekt GESTU - Gehörlos Erfolgreich Studieren, wo GebärdensprachdolmetscherInnen, TutorInnen oder Mitschreibhilfen organisiert werden. GESTU dient gehörlosen und schwerhörigen Studierenden als Servicestelle. Dafür hat der VÖGS lange gekämpft. Bis 2003 gab es so etwas überhaupt nicht, die Studierenden mussten sich neben ihrem Studium alles selbst organisieren und erkämpfen. Das war sehr mühsam. So kam zwei Studierenden die Idee, einen Verein für Gehörlose ins Leben zu rufen. Als VÖGS wurde dieser 2003 gegründet und besteht bis heute.

Der VÖGS zählt Studierende unterschiedlichster Studienrichtungen zu seinen Mitgliedern. Besonders stark vertreten ist jedoch der soziale Bereich, auch Sprachwissenschaften, Psychologie oder technische Studienrichtungen stoßen auf Interesse. Somit haben wir eine bunte Palette an Fachrichtungen, die im Verein vertreten sind.

Der Vorstand des VÖGS besteht aktuell aus fünf Personen, die alle gehörlos und gebärdensprachkompetent sind. Die Österreichische Gebärdensprache ist uns ein wichtiges Anliegen, da sie die Muttersprache Gehörloser ist. Deshalb wollen wir diese als Vereinssprache verwenden. Unser Ziel ist es, an der Uni Wien und an anderen Universitäten mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Österreichische Gebärdensprache eine in der Verfassung anerkannte und in der UN-Konvention festgehaltene Sprache ist. Gehörlose haben ein Recht auf Gebärdensprache! In diesem Zusammenhang spielt Bildung eine große Rolle. Auch dafür setzen wir uns ein.

Der VÖGS stellt eine bundesweite Interessensvertretung gehörloser Studierender dar. Sitz des Vereines ist Wien, aber auch in anderen Bundesländern werden Studierende unterstützt. Während sich GESTU als Servicestelle auf die Betreuung Studierender in Wien beschränkt, versucht der VÖGS auch österreichweit Gehörlose zu unterstützen und ihnen Möglichkeiten und Chancen zu geben.

Studierende haben die Möglichkeit, über die Website www.voegs.at, facebook, twitter oder über die im Internet ersichtliche E-Mail-Adresse mit uns in Kontakt zu treten. Der VÖGS unterstützt auch gerne Studierende, die Beratung suchen oder mehr zum Thema Bildung wissen möchten. Der VÖGS arbeitet mit der Bildungsberatung für gehörlose und schwerhörige Personen mit dem Namen polycollege zusammen, an die sich Studierende, aber auch SchülerInnen, die in Zukunft studieren möchten, wenden können. Bei dieser Beratungsstelle werden Interessierte spezifisch beraten."

Lisa Zörweg, Studentin an der Uni Wien:

"Ich bin Lisa. Ich studiere mittlerweile schon seit drei Jahren Sportwissenschaften und Sportlehramt."

Studieren noch andere gehörlose StudienkollegInnen dieses Fach?
"In den ersten beiden Studienjahren gab es eine weitere gehörlose Person, die mit mir studierte."

Woher kanntest du den VÖGS?
"Durch das Projekt GESTU bin ich automatisch auch beim VÖGS mit dabei."

Was sind deine Erfahrungen im Studienalltag?
"Mit meinem Studienalltag an der Uni bin ich allgemein zufrieden. Am Anfang musste ich suchen, bis ich GESTU gefunden habe. Jetzt habe ich Schriftdolmetscher und es gefällt mir immer besser."

Wo möchtest du in Zukunft arbeiten?
"In Zukunft möchte ich im Bereich des Gesundheitssports arbeiten und als Sportlehrerin gehörlose Kinder unterrichten."

Melina Velissaris, Studentin an der FH Campus Wien:

"Ich bin Melina. Ich studiere jetzt schon im dritten Jahr Soziale Arbeit an der Fachhochschule.

Woher ich den VÖGS kenne? Durch die Gehörlosengemeinschaft. Freunde haben mir davon erzählt und auch durch GESTU habe ich davon erfahren. Das ist einfach so gekommen, ich musste nicht extra im Internet danach suchen.

In meinem Alltag an der an der FH läuft - dank GESTU - alles gut, ich bin zufrieden. DolmetscherInnen und TutorInnen unterstützen mich. Die Zusammenarbeit mit GESTU ist sehr einfach: Ich schicke meinen Stundenplan und wir gleichen Dolmetschtermine ab. Wenn ich dann an die FH komme, sind die DolmetscherInnen schon da. Das klappt wunderbar! Ich bin schon zufrieden, aber trotzdem würde ich mir wünschen, dass Lehrende und Mitstudierende gebärden könnten. Dann könnten wir direkt miteinander kommunizieren und nicht über Umwege. Das ist ein bisschen schade. Ich würde mir wünschen, frei gebärden zu können."

Studieren noch andere gehörlose StudienkollegInnen dieses Fach?
"Derzeit bin ich die einzige gehörlose Studentin. Früher hat es aber schon einige gehörlose Studierende an der FH gegeben, die ihr Studium mittlerweile abgeschlossen haben."

Warum hast du dieses Fach gewählt?
"Bevor ich soziale Arbeit zu studieren begonnen habe, habe ich viel mit Technik, Computern und Druckern gemacht. Da war sehr viel Technik dabei, das hat nicht so zu mir gepasst. Ich wollte etwas in einem anderen Bereich machen, etwas mit Menschen. Da bin ich auf soziale Arbeit gestoßen und habe mir gedacht, dass das vielleicht für mich passen könnte. Und so hat sich das dann weiterentwickelt."

Was wünscht du dir für die Zukunft?
"Für die Zukunft kann ich noch nichts Genaues sagen. Da habe ich noch ein bisschen Zeit. Aber ganz sicher möchte ich mit Menschen arbeiten. Wie das genau aussehen wird? Dafür gibt es noch keinen Plan."
(kk)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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