ÖGLB und EUD Pressekonferenz: "Gemeinsam Barrieren abbauen! Der EU-Ratsvorsitz als Chance."

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Gemeinsam mit der EUD möchte der ÖGLB ein Bewusstsein für Verbesserungen schaffen
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Helene Jarmer: „Der ÖGLB und die EUD veranstalten gemeinsam diese Pressekonferenz zum Thema Gemeinsam Barrieren überwinden.“

Markku Jokinen: „Ich bin der Präsident der EUD, der European Union of the Deaf.“

Helene Jarmer: „In Europa leben ungefähr 80 Millionen behinderte Menschen. Davon sind laut Statistiken etwa 750.000 Menschen gehörlos. In Österreich leben ca. 10.000 gehörlose Menschen.
In Österreich gibt es vier Spitäler, die eine Gehörlosenambulanz mit einem speziellen Service für gehörlose PatientInnen anbieten: in Salzburg, in Linz – das ist die größte Gehörlosenambulanz, in Wien und in Graz. Es gibt nur diese vier Standorte. In Tirol und in St. Pölten wird auch für eine Gehörlosenambulanz gekämpft und die anderen Landeshauptstädte wollen auch eine Gehörlosenambulanz, wo Ärzte, Krankenschwestern und TherapeutInnen die Gebärdensprache können oder ein Dolmetscher/eine Dolmetscherin bereitgestellt wird.
Aber wenn ich als Gehörlose einen Unfall habe, bringt mich die Rettung in irgendein Spital und dann gibt es große Kommunikationsprobleme. Da wird nichts gedolmetscht.
Wir brauchen in Wien auch eine Gebärdensprach-DolmetscherInnen-Ausbildung. Derzeit gibt es noch keine.
Das Problem liegt an der Einstellung. Wenn es selbstverständlich ist, dass alle willkommen sind und mitreden können, dann wäre das Leben für alle einfacher. Was denkst du darüber, Markku?“

Markku Jokinen: „Ich bin der gleichen Meinung.“

Helene Jarmer: „Wenn wir gehörlose Menschen in eine Notsituation geraten und z.B. bei einem medizinischen Notfall telefonisch Hilfe holen wollen, stoßen wir immer auf Barrieren. Diesbezüglich ist die Situation in Österreich sehr schlimm. In den Ländern in Europa gibt es verschiedene Systeme, bei manchen läuft es gut, bei manchen weniger gut, aber in Österreich ist die Situation wirklich schlimm. In Deutschland gibt es schon ein 24-Stunden-Telefonservice, in Österreich noch nicht. Das ist aber lebensnotwendig. Diese Grundlage gibt es in Österreich noch nicht.“

Markku Jokinen: „Die Richtlinien zur Barrierfreiheit regeln den Zugang zu Computer, zu Telekommunikation, zum Fernsehen sowie auch den Zugang zu Rettungsdiensten und Transport etc.“

Helene Jarmer: „Der Zugang ist für uns ein Menschenrecht. Das bedeutet, dass wir erwarten dürfen, dass wir das Recht auf barrierefreie Kommunikation haben. Muss ich beispielsweise bei der Polizei einen Dolmetscher/eine Dolmetscherin organisieren? Eigentlich nicht. In Österreich läuft das jedoch so, dass sich gehörlose Personen das selbst organieren müssen, obwohl es nicht ihre Verantwortung sein sollte. Die Polizei sollte sich selbst darum kümmern oder Gebärdensprache können. Das sollte in ihrer Verantwortung liegen. Auch in Spitälern sollte die Kommunikation barrierefrei möglich sein, statt mit dem Arzt schriftlich kommunizieren zu müssen.“
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt