GesundheitLebensstilMenschenTippsMehr Leben

Interview mit Regisseur Dariusz Kowalski

Loading the player ...
"SEEING VOICES" KOMMT AM 21. APRIL IN DIE KINOS
+ - Textgröße ändern
Text drucken
Am 21. April 2017 kommt der Dokumentarfilm "Seeing Voices" in ausgewählte österreichische Kinos. Gebärdenwelt.tv hat den Regisseur Dariusz Kowalski vorab getroffen und ihm einige Fragen zu seiner Arbeit und Erlebnisse während den Dreharbeiten gestellt.


Wie bist du zum Beruf Filmemacher gekommen?

Kowalski: "Also ich habe Kunst studiert, weil das mein großer Wunsch war. Also ich wollte ursprünglich Sprachwissenschaft studieren, also Germanistik, weil mich Literatur interessiert hat - bin dann aber auf Umwegen zur Kunst gekommen und habe dann in Wien auf der Angewandten Kunst studiert. Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass mich eigentlich Film mehr interessiert und habe angefangen kurze Filme zu machen, experimentelle Filme zu machen und so hat sich das entwickelt, dass ich sozusagen immer längere Formate gemacht habe."

Wie bist du auf das Thema Gehörlosigkeit gekommen? Hast du Gebärdensprache gelernt?

Kowalski: "Nein gar nicht, also sozusagen ich habe ein anderes Projekt angefangen, indem ich Leuten von den Lippen hab lesen lassen wollen. Ich habe eine Frau engagiert und die hat damals gesagt, dass das Gehörlose am besten machen und so bin ich sozusagen auf dieses Thema gekommen, wo ich mir zum ersten Mal die Fragen gestellt habe: Wo sind die Gehörlosen in Wien? Wo leben sie? Wie schaut der Alltag aus? Da habe ich zum ersten Mal angefangen zu recherchieren, zu lesen und mich auf die Reise gemacht in die Gehörlosen-Community."

Hast du bei dem Projekt etwas Neues dazugelernt?

Kowalski: "[Ich habe probiert] sehr lange Einstellungen zu machen, um den Gebärdensprachraum zu beachten, dass man auch die Mimik mitbekommt, dass man die Hände nicht abschneidet, dass man das alles sehr gut wahrnehmen kann. Eine wichtige Erfahrung war dann später auch beim Schnitt, weil man gemerkt hat sozusagen, man muss alles zeigen. Also sobald eine gehörlose Person gebärdet, muss man das auch zeigen. Also man kann einfach nicht irgendwo abschneiden oder wegschneiden, wie man das in einem anderen Film machen würde, wenn man ein voice over hat oder einen Erzähler, der einfach erzählt. So haben wir einfach beschlossen, dass wir einfach lange Einstellungen verwenden und sozusagen der gebärdenden Person einfach die Stimme gibt."

Was hat dich bei den Dreharbeiten am meisten im Herzen berührt?

Kowalski: "Ja, das war definitiv die Geschichte vom kleinen Emil, den wir begleitet haben und von dem wir nicht gewusst haben, dass er gehörlos ist. Also sozusagen, das war eine große Überraschung, sozusagen da auch mit der Kamera dabei zu sein, weil wir vorher einen Fokus gehabt haben auf Barbara Hager und ihre Tochter Caroline, wo es darum ging, wie funktioniert die Kommunikation von einem CODA Kind mit seiner Mutter und dann hat sich in der ganzen Geschichte sozusagen herausgestellt, dass der kleine Emil gehörlos ist. Das war sehr berührend und dass wir da auch dabei waren mit der Kamera, das war für uns auch sehr emotional. Das war nicht geplant und für uns sehr, sehr emotional."


Was hast du aus dem Projekt für dich persönlich mitnehmen können?

Kowalski: "Für mich war es so, dass ich die Gehörlosen-Community sehr lebendig erlebt habe, wir habensehr viel gelacht, ich war auf sehr vielen Partys und habe auch nie das Gefühl gehabt, dass man sozusagen irgendwie ausgeschlossen ist. Man kommt sehr schnell miteinander ins Reden und ist auch sehr direkt. Das sind so die Sachen... und natürlich auch irrsinnig viel Wissen über die geschichtliche Entwicklung der Gebärdensprache und der Community. Das habe ich mir einerseits über die Literatur erarbeitet, aber ich muss schon sagen, dass im Zuge der Dreharbeiten mir sozusagen alltägliche Dinge dann erst bewusst geworden sind, dass viele Probleme immer noch da sind, dass man zum Beispiel in der Gehörlosenschule keine Gebärdensprache lernt. Das habe ich sozusagen durch den Film selber erfahren und das war auch schockierend für mich. Das sind die Dinge, die ich erlebt habe und mitgenommen habe und ich war sehr froh, den Film gemacht zu haben."
(cg)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

Bookmark:   Facebook  delicious  digg  technorati  yahoo  meneame  Twitter  MySpace  Google Bookmarks