Sendung ohne Barrieren Nr. 67

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Fahrtentraining
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Interview: 3 Personen
Lenka Kvietkova, Reinhard Proschek, Alexandra Schlesinger

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Lenka Kvietkova

Das Anliegen von Jugend am Werk ist es, dass wir unsere Menschen zu einem selbstständigen Leben führen. Dass wir sie begleiten. Davon ist ein Angebot das Fahrtentraining. Das heißt, dass die Menschen trainieren, von zu Hause in die Arbeit alleine zu fahren und von der Arbeit wieder nach Hause zurück. Das ist das erste Anliegen. Und das zweite war: Wir sind eine Organisation, die Menschen mit Behinderung begleitet und wir möchten auch mehr Menschen mit Behinderung angestellt haben. Und da ist die Idee entstanden, dass wir vermehrt das Fahrtentraining als Angebot anbieten.
Für unsere Kunden und Kundinnen und dass wir Menschen mit Behinderung für diese Aufgabe einstellen.

Der Fonds Soziales Wien unterstützt das Projekt, denn das Projekt gehört eigentlich zu unserem Mobilitätskonzept. Dass unsere Kundinnen nicht nur mit dem Fahrtendienst befördert werden und der Fonds Soziales Wien begrüßt es, dass die Kundinnen selbstständig fahren. Vor allem ist es nicht nur wirtschaftlich nachhaltig, sondern auch umweltfreundlich. Unser Projekt ist eindeutig umweltfreundlich.


Reinhard Proschek

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre ich sehr gerne.

Weil mein Vater war bei den Wiener Linien und der hat mir das von klein auf mitgegeben, dass ich mich so gut auskenne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Und weil ich gerne im Sozialbereich arbeiten wollte und gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre, trifft alles auf einen Nenner und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Wir haben ein Erstgespräch im Büro von der Lenka, dann muss die Alexandra die ganzen Bücher zusammenstellen für die Klienten. Mit dem Weg, der Wegerklärung und mit den Fahrplänen. Das macht die Alexandra. Meine Aufgabe ist es, genau so wie auch bei der Alexandra, dass ich auf das Display am Bus schaue, in welche Richtung er fährt und wie viele Stationen es noch sind. Und dass ich die Leute überzeuge, dass sie drücken sollen beim Bus.


Lenka Kvietkova

Die Fahrtentrainerinnen haben entweder einen Vormittagsdienst oder einen Nachmittagsdienst. Das heißt sie wechseln sich in einem Radldienst ab. Derjenige, der Vormittag Dienst hat, der beginnt bei dem ersten Kunden oder der Kundin um halb acht. Und er bringt die Kundin oder den Kunden einfach in die Werkstätte. Meistens haben sie zwei Kunden am Tag und am Vormittag begleiten sie die Menschen von zu Hause in die Arbeit. Und am Nachmittag kommt die zweite Fahrtentrainerin und sie trainiert mit den Menschen mit Behinderung von der Arbeit nach Hause.


Reinhard Proschek

Am meisten macht mir Spaß wenn ich mit den Klienten in die Arbeit fahre und sie hinbringe und dann zurückbringe zu den Eltern. Die Alexandra ist eine sehr nette Kollegin und ich bin stolz, dass ich sie habe.


Alexandra Schlesinger

Die wichtigste Aufgabe als Fahrtentrainer ist es, den Klienten beizubringen selbstständig zu fahren. Also das ist so das Ziel. um die Selbstständigkeit der Kundinnen auch zu fördern. Nach einem Erstgespräch wird von mir ein Fahrtenbuch erstellt.

Wir haben das richtige Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln trainiert. Von Festhalten bis Drücken, Hinsetzen und auf was man alles achten muss. Dass der Klient immer vor uns einsteigt und wir immer schauen, dass der Klient auch bei uns ist. Dann die richtige Verwendung der Notfallschalter. und die Verwendung der Apps, also Google Maps und Qando. Und sonst auch Empathie, Vertrauen, was man macht, wenn der Kunde krank wird oder Kopfschmerzen bekommt. Auf was man da alles achten muss. Das sind wir alles durchgegangen.

Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Wir sind ein sehr gutes Team. Ich mache das meiste Organisatorische. Und von den Fahrten und den Fotos teilen wir uns sehr gut auf. Also wir sind ein super Team. Hätte nicht besser werden können.


Lenka Kvietkova

Das Projekt hat eine schöne Dimension bekommen und zwar wir werden im Oktober 2019 noch zwei neue Fahrtentrainerinnen anstellen, weil wir viele Kundinnen und Kunden haben, die sich für das Fahrtentraining interessieren. Seit dem 1. März 2019 haben wir schon 8 erfolgreiche Fahrtentrainings gemacht, das heißt acht Personen, acht Menschen mit Behinderung von den Werkstätten und Tagesstrukturen von Jugend am Werk, sind nicht mehr auf den Fahrtendienst angewiesen und fahren selbstständig von zu Hause in die Arbeit und umgekehrt.


Alexandra Schlesinger

Am meisten Spaß macht mir zu sehen, wie sich die Kunden darüber freuen, wenn sie dann selbstständig sein können. Das zeigt wirklich, dass sie das selber wollen und dass man ihnen das dann zutraut. Dass ihre Eltern und ihre Betreuer dann sagen "Du kannst das!" Und dann sehen sie, dass sie das auch wirklich können. Das ist das Schönste, was es zu sehen gibt.
(ERSR)
Foto: Okto TV
Video: Gebärdenwelt