„Öffentlicher Raum – barrierefrei für alle?!“

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Sendung ohne Barrieren Nr. 66
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Moderation: Emil Benesch
Interview: Maria Grunder & Wolfgang Kremser


Emil Benesch:
Ich bin der Emil Benesch vom Österreichischen Behindertenrat. Wir sitzen da jetzt vor dem Wiener Rathaus und haben gerade einen Walkshop hinter uns. Begonnen haben wir in der Mariahilfer Straße, waren dann in der Herrengasse und zuletzt bei einer Haltestelle der Wiener Linien vor dem Burgtheater.
Wir waren eben in der Mariahilfer Straße unterwegs. Das ist eine Einkaufsstraße, wo die allermeisten Geschäfte schon barrierefrei zu betreten sind. Aber es gibt immer noch einzelne Geschäfte, wo man mit Stufen empfangen wird.

Maria Grunder:
Genau, da sind die Geschäftstreibenden gefordert, möglichst ein hohes Niveau an Barrierefreiheit anzubieten. Denn sie dürfen Menschen mit Behinderungen, Ihre Kunden und Kundinnen nicht diskriminieren.

Emil Benesch:
Wir haben unseren heutigen Walkshop im Rahmen des Forums Öffentlicher Raum durchgeführt, weil wir gesehen haben, es gibt da und dort Luft nach oben. Es gibt Möglichkeiten der Verbesserungen, über die Jahre haben sich vielleicht Fehler eingeschlichen. Wir wollten sozusagen mit dieser Organisation dieses Walkshops einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten und verschiedene Personen, ExpertInnen und VertreterInnen der Wiener Magistratsabteilungen zusammenbringen, um einen Austausch zu ermöglichen.

Maria Grunder:
Die Bezirksvorstehung im 8. Bezirk, in der Josefstadt ist an mich herangetreten, dass sie das Ziel hat mehr Geschäftslokale in dieser Einkaufsstraße barrierefrei, sprich stufenfrei in diesem Fall, zugänglich zu machen und da werden jetzt die Geschäftsleute aufgerufen, dass sie sich melden, um sich beraten zu lassen, was sie denn selbst tun können, damit die Kundinnen und Kunden gut in das Geschäftslokal reinkommen und dann dort keine Barrieren vorfinden.
Emil Benesch:
Wir waren auch zuerst in der Herrengasse und du hast gesagt: „Es ist da für blinde Menschen schwer sich zu orientieren.“ Was meinst du damit?


Wolfgang Kremser:
Die Herrengasse ist dort Altbestand in Wien, wo teilweise alte Palais und Häuser sind und die Hausmauern oftmals in der Struktur nach vorne und hinten springen. Dann gibt es dort Warenausräumungen. Es waren jetzt auch teilweise Schanigärten dort, Pflanztröge aufgestellt und verschiedene andere Dinge, die hinderlich sind in der Fortbewegung. Auch waren Fahrräder an den Hausmauern abgestellt. Die Hausmauer erlaubt in dieser Form, wie sie sich da zeigt in der Herrengasse keine ideale Fortbewegungsmöglichkeit und andere gibt es nicht. Der sehende Mensch erkennt an der Farbgestaltung von den verschiedenen Bereichen, geht er im Gehbereich oder geht er auf der Fahrbahn. Das ist für blinde Menschen nicht erkennbar.

Emil Benesch:
Im Grunde reicht es nicht, dass das taktile Leitsystem freigehalten wird, sondern du brauchst ja auch links und rechts ein bissl Platz.
Wieviel Platz braucht du denn?

Wolfgang Kremser:
Sinnvollerweise wäre, wenn man jetzt die Breite des taktilen Leitsystems von 40 cm annimmt. Im Mindestfall links und rechts dazu 40 cm, besser wären 50 cm.

Emil Benesch:
Was sind denn deiner Meinung nach die größten Barrieren, die noch bestehen.

Wolfgang Kremser:
Die größten Barrieren sind meiner Meinung nach oftmals die Barrieren in den Köpfen verschiedener Menschen, die die Problematik so nicht verstehen bezüglich Barrierefreiheit und Nutzungssicherheit. Da müsste noch einiges unternommen werden und vor allem wäre es ganz wichtig, dass man bevor irgendwelche Projekte begonnen werden mit den entsprechenden Vertretern der Behindertenorganisationen Kontakt aufnimmt und bevor etwas geplant wird schon mit der Abklärung beginnt.

Emil Benesch:
Also wir sind sehr froh wie der heutige Walkshop im Rahmen des Forums Öffentlicher Raum verlaufen ist. Wir haben gesehen, das Interesse war sehr groß. Wir sind gut in Gespräche gekommen und wir sind auch den VertreterInnen der Stadt Wien und der Wiener Linien dankbar, dass sie da dabei waren.

Namens des Österreichischen Behindertenrates möchte ich gerne anbieten unsere Arbeitsgruppe für inklusive Planungsprozesse. Wo blinde Personen, Personen mit Sehbehinderungen, gehörlose Personen, die NutzerInnen von Rollstühlen mit dabei sind, aber auch kleinwüchsige Personen. Mit dieser Arbeitsgruppe können wir viele Aspekte abdecken und durch die frühe Involvierung der Arbeitsgruppe, durch eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe können bestmögliche Lösungen erarbeitet werden und dann kann Wien auch noch einmal ein gutes Stück barrierefreier werden, als es heute ist.

Was meinst du Wolfgang?

Wolfgang Kremser:
Dieser Weg wäre im Sinne einer modernen, barrierefreien und nutzungssicheren Stadt. Diesen Weg sollen wir auf jeden Fall anstreben.
(ERSR)
Foto: Okto TV
Video: Gebärdenwelt