Sendung ohne Barrieren Nummer 64

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Titel: „Mittendrin sein können ….“
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Personen: 5

Harald Schwed
Eben, einmal im Monat mit den Leuten treffen, a bissl quatschen, über die Dinge, die uns interessieren, auch was nicht Motorräder betrifft… Weltgeschehen und so weiter, ja.

Mag. Andrej Rubarth

Beim Projekt „Mittendrin sein können“ übersiedeln Menschen mit Behinderungen aus einem großen Wohnhaus mitten in die Stadt. Dieses Wohnhaus ist im 13. Bezirk, aber es ist weit weg von dem, wo sich das Leben abspielt, der Gesellschaft wie man so schön sagt. Projekt Mittendrin sein können heisst: dieses alte Haus wird nicht mehr erneuert und die Menschen suchen sich einen neuen Lebensraum, wo sie sich entfalten können, wo sie ihre Wohnungen beziehen, wo sie mitten unter anderen (Menschen) leben.

Mag. Andrej Rubarth

Das Ziel ist, dass die Menschen, die da ausziehen, wie der Harald Schwed zum Beispiel, ihre eigene Richtung im Leben bestimmen, dass sie dadurch, dass sie mitten unter anderen Menschen leben, die Gelegenheit haben, sich neu zu orientieren und wir (BALANCE) wollen unterstützen, dass sie in Beziehung treten können zu anderen, dass sie interessante Dinge in ihr Leben holen, dass einfach noch mal, wie soll man sagen… das Leben noch mal einen Schub kriegt.

Heide Maria Braun

Der Herr Schwed war früher begeisterter Biker, das habe ich in verschiedenen Unterhaltungen erfahren, der Herr Schwed hat sogar beruflich mit Motorrädern zu tun gehabt, er hat an der Entwicklung von Motorrädern bzw. Motorradmotoren mitgearbeitet und auch im Umbau von Beiwagenmaschinen von speziellen russischen Beiwagenmaschinen. Er ist dann unverschuldet zu einem Unfall gekommen und ist dadurch in seine momentane Lebenssituation geraten. Das hat mich besonders berührt, da mir bewusst ist und ich selbst gern Motorrad fahre, dass niemand von uns vor einem Schicksal wie diesem gefeit ist.

Heide Maria Braun

Bei verschiedenen Unterhaltungen mit dem Herrn Schwed hat sich herauskristallisiert, dass das Thema Motorrad und Biker noch immer ein sehr zentrales und wichtiges in seinem Leben ist und er aber durch seine Lebenssituation aber nicht die Möglichkeit hat wieder in die Biker-Szene einzutreten. Es hat den Eindruck gemacht, dass er nicht die Kraft hat oder sich nicht zutraut wieder in diese Kreise zurückzukehren und so habe ich mich mit ihm abgesprochen und habe ihm vorgeschlagen, doch was zu organisieren, Aktivitäten zu organisieren, die sich rund ums Thema Motorrad drehen und ihn auch dabei zu begleiten.

Harald Schwed

Ich habe mit 17 Jahren den Motorradführerschein gemacht, damals noch den Kleinmotorradführerschein, der dann mit 18 Jahren umgeschrieben wurde zu einem normalen A (Führerschein).

Harald Schwed
Und einige meiner Freunde sind auch Motorrad gefahren, wir sind oft zusammen ausgefahren.

„Blues Peppi“ aka Josef Leitgeb
Es wurde an mich herangetreten, dass es da eine Person gibt, die in den Bikerkreisen schon ein bisschen involviert war und aufgrund seiner Behinderung nicht mehr das so leben kann. So dann haben wir gesagt, o.k. vielleicht wäre es eine Möglichkeit, dass man ihn wieder ins Boot holt, dass man ihn zu unseren Stammtischen einlädt und schauen wir einmal wie es ihm gefällt. Dann hat es gleich darauf geheißen, dass eigentlich taugt ihm das voll und er lebt wieder auf. Er war immer mürrisch zu seinen Pflegern und so… und das hat sich irgendwie alles ein bisserl gelegt.

„Blues Peppi“ aka Josef Leitgeb
Wir haben ihn dann zu einem Ehrenmitglied gemacht, haben ihm auch eine „Kutte“ (Jeans- oder Lederweste mit Biker-Logo) verpasst und seitdem gehört er einfach zu uns dazu. Fotos von der Kutttenüberreichung einblenden

„Cat“
Naja, der Harald war da und für uns ist es eigentlich so, egal was, egal wer, ja, wenn er Interesse hat daran, dann ist jeder herzlich willkommen. Egal in welcher Form auch immer.

Harald Schwed
An sich, dass er, nach meiner Meinung zu mindestens, gern in die Natur rausfahrt, sich da ein bisserl erholen kann und sagen wir das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe.

„Cat“
Harald macht zum Biker, dass er sich ganz einfach dazu setzt, mitredet, Respekt den anderen gegenüber zeigt und genauso kriegt er den auch zurück. Und wenn er Hilfe braucht… Genauso kann es auch umgekehrt sein, wenn wir von ihm Hilfe brauchen, klingt jetzt komisch, ist aber so.

„Cat“
Mittendrin sein ist einfach dabei sein, das heisst, wenn ich jetzt ein Problem habe, weil ich irgendeinen Bekannten habe, der von heut auf morgen heruntergefallen ist und jetzt im Rollwagerl sitzt, dann habe ich in Harald eine Ansprechperson, dann sag ich, hearst Harald was kann ich tun, wie kann ich tun, was kann ich machen, also es beruht immer auf Gegenseitigkeit.

Heide Braun
Mittendrin sein können, heisst für mich da sein können, da wo ich möchte und so wie ich bin.

Harald Schwed
Ja natürlich, ich komme jetzt wieder öfter mit Leuten zusammen, mit denen ich über Motorräder oder was Motorräder betrifft, sprechen kann. Weil ich bin Motorradmechaniker!
(ERSR)
Foto: zitronenwasser.com
Video: Gebärdenwelt