Pressekonferenz: "Gegen Unsichtbarkeit von Frauen mit Behinderung"

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Der ÖBR stellt eine Expertinnenliste vor
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Guten Tag! Ich freue mich sehr, dass wir hier eine interessante Podiumsrunde mit starken Persönlichkeiten vertreten haben. Das Thema der heutigen Konferenz lautet "Gegen Unsichtbarkeit von Frauen mit Behinderung". Wir möchten durch unsere Arbeit die Sichtbarkeit von Frauen mit Behinderung erhöhen. Deshalb haben wir auch einige Expertinnen hier, die Ihnen vorgestellt werden. Es gibt eine Liste mit insgesamt 30 Frauen mit Behinderung, die Interessantes über ihre Geschichte und aus ihrem Leben berichten und ihre Erfahrungen aufzeigen. Kommen wir nun zu Frau Dr. Sprengseis.

Dr. Sprengseis: Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen dazu zu bewegen, für ihre Rechte zu kämpfen. In diesem Zusammenhang wurde letztes Jahr vom Kompetenzzentrum ein Team von Frauen mit Behinderungen gegründet, um diese Personengruppe sichtbar zu machen. Um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen wurde eine Expertinnen-Liste erarbeitet, die noch durch weitere Expertinnen ergänzt werden kann. Aktuell stehen 31 Frauen auf dieser Liste. Unser Ziel ist es, weitere Namen zu dieser Liste hinzuzufügen, um sie erweitern zu können.

(...) Weltweit gesehen liegt der Prozentsatz bei etwa 20%. Die vom Institut für Forschung durchgeführte Studie aus dem Jahr 2015, der Mikrozensus, zeigt Folgendes: Von allen Menschen, die eine Behinderung haben, weisen etwa 30% eine Behinderung auf, die nicht sichtbar ist.
Es gibt Personen, die seit Geburt behindert sind. Jedoch ist die Zahl an Personen, die erst später im Laufe ihres Lebens eine Behinderung bekommen haben, höher und liegt bei etwa 88%.

Frauen mit Behinderung haben das Recht voll in die Gesellschaft integriert zu sein. Aber in Wirklichkeit ist es leider nicht so. Das ist nicht der einzige Punkt in dem Frauen mit Behinderung diskriminiert werden, da gibt es viele Bereiche. Wir, die Gesellschaft, muss das Ziel haben das zu ändern.

Frau Steger aus dem Monitoring Ausschuss: Bevor die Fragen starten möchte ich gerne sagen, dass es keine eindeutigen Daten über Menschen mit Behinderung gibt. Dass es keine Frauen oder Mädchen mit Behinderung gibt ist unmöglich. Es gibt nur keine gesammelten Daten. Frauen und Mädchen mit Behinderung sind auch wichtig in der Gesellschaft und sie haben zu 100% das Recht integriert zu sein. Deshalb ist es wichtig diese Daten zu sammeln.

Frau Naronnig: Ich bin in der Organisation „Zeitlupe“ als Projektleiterin im Bereich Peer-Beratung tätig. Dabei geht es auch darum Frauen mit Behinderung zu fördern. Für Frauen, die es schwer haben zu lernen, ist es auch schwierig mit uns in Kontakt zu treten. Sie brauchen dann eine Person, die sie unterstützt und gemeinsam mit ihnen zu uns kommt. Das gilt auch für andere Organisationen wie zum Beispiel einen Fahrtendienst, da gibt es doch einige Barrieren.

Frau Puskaric Jasna: Ich bin Chefin der Assistenz-Organisation WAG. Wichtig ist, egal was jemand sich wünscht oder braucht, wo wir mitgehen sollen oder wo er unsere Begleitung braucht, wir passen uns an. Es ist nicht so, dass wir in ihr Leben eingreifen und es bestimmen wollen. Sondern wir bemühen uns, Frauen zu fördern, in ihrer Arbeit Karriere zu machen, oder Mütter zu fördern oder Frauen in ihren Tätigkeiten zu unterstützen. Wir unterstützen und fördern in verschiedensten Bereichen und bei unterschiedlichsten Behinderungen. Es gibt so viele unterschiedliche soziale Rollen, die wir übernommen haben.
Es ist traurig, dass diese Pressekonferenz nötig ist, aber die Expertenliste muss länger werden!

Frau Julia Moser: Ich arbeite bei myAbility. Ich finde es extrem wichtig, dass diese Expertenliste erweitert wird.
Als ich aufgewachsen bin, hatte ich keine Ahnung, dass es andere behinderte Menschen gibt. Ich konnte mir das nicht vorstellen und habe gedacht, ich bin die einzige Person auf der Welt mit einer Behinderung. Das war mein Gefühl früher.
Das zweite was mir aufgefallen ist, ich habe darüber schon gesprochen, ist die Isolation. Es gibt keine Möglichkeiten oder Angebote etwas zu unternehmen. In Österreich gibt es 650.000 Frauen mit Behinderung, das ist eine große Gruppe. Aber trotzdem gibt es nichts für sie. Zum Beispiel gibt es keine gute Bildung für sie. Auch die Möglichkeit Chefin einer Firma zu werden gibt es nicht. Außerdem ist es oft nicht möglich finanziell für die Familie zu sorgen. Voll in der Gesellschaft oder in der Wirtschaft integriert zu sein ist auch nicht möglich. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich heute bei dieser Pressekonferenz dabei sein darf, und dass diese Dinge so offen angesprochen werden.

Frau Koch: Die Gesellschaft muss sehen, dass es Frauen mit Behinderung gibt. Sie sind da, sie sind schlau, sie haben verschiedene Möglichkeiten. Man muss ihnen nur eine Chance geben ihre Möglichkeiten zu zeigen! Wenn wir weiter in diese Richtung arbeiten, können wir vielleicht in Zukunft mehr Frauen stärken, so dass diese Liste länger wird. Auch wichtig ist, dass wir diesen Frauen Mut geben zu zeigen, was sie können.
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt