Sendung ohne Barrieren Nr. 61 Persönlicher Assistenz am Arbeitsplatz

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Für jemanden mit Pflegegeldstufe ab 3
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Michaela Mallinger:

Arbeiten wie jeder andere auch. Dafür brauchen Menschen mit Behinderungen oft Unterstützung bei ganz alltäglichen Dingen, wie beim WC-Besuch oder beim Öffnen von Türen. Persönliche Assistentinnen und Assistenten können dabei unterstützen. Jasna Puskaric ist geschäftsführende Vorständin der WAG – Assistenzgenossenschaft. Wir haben sie besucht.

Jasna Puskaric:
Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz bedeutet für mich, dass ich überhaupt arbeiten gehen kann. Ein ganz normaler Arbeitstag mit Persönlicher Assistenz schaut bei mir so aus, dass meine Assistentin mich von zu Hause in die Arbeit begleitet. Sie lenkt mein Auto, hilft mir beim Ein- und Aussteigen. Am Arbeitsplatz zieht sie mir die Jacke aus, dreht den Computer auf, kopiert Dinge für mich oder scannt sie ein, in der Mittagspause schneidet sie mein Essen, unterstützt mich beim Toilettgang und wenn ich Außentermine habe begleitet sie mich auch.
Persönliche Assistenz habe ich kennengelernt durch einen Zufall. Ich war bei einem Vortrag über Integrativen Journalismus und dort hat die damalige Geschäftsführerin der WAG – Assistenzgenossenschaft das Modell der Persönlichen Assistenz vorgestellt und ich war von Anfang an total begeistert.

Michaela Mallinger:
Ein ganz normaler Arbeitsalltag mit Besprechungen, Arbeit am Computer, Pausen und viel Stress. Die Persönlichen Assistentinnen unterstützt bei allen Tätigkeiten, die Jasna Puskaric wegen ihrer Behinderung nicht selbst erledigen kann. Die inhaltliche Arbeit macht sie ausschließlich allein.

Jasna Puskaric:
Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz können derzeit Menschen mit Behinderungen in Anspruch nehmen, die Pflegegeldstufe drei oder mehr haben. Also körperbehinderte Menschen und sinnesbehinderte Menschen. Das ist leider auch ein Kritikpunkt: Menschen mit Pflegegeldstufe eins oder zwei würden genauso Assistenz benötigen. Dieser medizinische Ansatz ist hier eben leider noch vorhanden.
Die WAG – Assistenzgenossenschaft berät Menschen mit Behinderungen bei der Antragstellung, unterstützt sie in der Organisation der Persönlichen Assistenz, wir suchen entsprechende Persönliche Assistent_innen und begleiten im Alltag mit Assistenz.
Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz finanziert das Sozialministeriumservice. Menschen mit Behinderungen oder deren Arbeitgeber müssen hier aber keinen Kostenzuschuss leisten. Ich brauche in der Früh Assistenz um aufstehen zu können, damit ich überhaupt in die Arbeit komme. Diese Assistenz muss österreichweit genauso einheitlich geregelt werden, wie es derzeit die Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz schon ist.

Michaela Mallinger:
Persönliche Assistenz ist ein Menschenrecht. Die WAG – Assistenzgenossenschaft setzt sich dafür ein, dass Persönliche Assistenz bundesweit einheitlich, einkommensunabhängig und bedarfsgerecht finanziert wird, damit mehr Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen können.
(ERSR)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt