Interview mit dem Team von FullAccess Teil 2/2

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Die Barrieren in den Köpfen sollen weniger werden
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Amanda:
Wie viele Male haben Sie das Donauinsel-Fest bereits betreut?


Christina Riedler:
Beim Donauinselfest sind wir heuer das zweite Mal gewesen. Letztes Jahr, 2017, war es noch ein Pilotprojekt und heuer haben wir die Festivalbetreuung dort zum ersten Mal richtig gemacht. Alles fängt schon vor der Veranstaltung an, mit den Anfragen. Bei uns geht es sehr um Kommunikation, das ist ein sehr wichtiger Aspekt in unserer Arbeit. Wir glauben auch total daran, dass Kommunikation der Schlüssel ist für die Zugänglichkeit und die Verbesserung der Zugänglichkeit. Deswegen ist das mit den Anfragen im Vorfeld auch ein großer Punkt, der super angenommen wird, eigentlich von beiden Seiten: von Menschen mit Behinderungen genauso wie vom Veranstalter, weil der sich um diesen Punkt dann nicht mehr kümmern muss und weiß, dass das in guten Händen ist.
Dann haben wir die Festivalbetreuung vor Ort. Da haben wir einen Infostand und wir betreuen eben auch noch die Plattform. Im Grunde sind wir da wirklich die Mittelsfrauen zwischen Veranstalter und Menschen mit Behinderungen.

Amanda:
Anfragen welcher Art werden an Sie gestellt?


Christina Riedler:
Letztes Jahr war es noch eher betreffend Behindertenparkplätze, wo die sind und heuer hat man schon gemerkt es geht viel mehr auf. Es kommen ganz andere Anfragen von Leuten mit unterschiedlichsten Arten von Behinderungen. Zum Beispiel hatten wir eine Anfrage von jemandem der sich gerade in einer Chemotherapie befindet. Und da war die Frage: Darf ich auf die Plattform? Gibt es so etwas und darf ich da auch drauf? Ich brauche zwar keinen Rollstuhl, aber mir ist es zu viel in der Menschenmenge zu stehen. Solche Anfragen bekommen wir jetzt auch und das ist sehr schön, weil es ein bisschen weggeht von nur Rollstuhl sondern auch andere Arten von Behinderungen inkludiert. Und das ist auch sehr schön. Dann kommen Anfragen wie: Was darf ich aufs Gelände und die Plattform mittnehmen? Gibt es dort Bestuhlung oder muss ich mir meinen eigenen Sessel mitnehmen? Bis hin zu lustigen Dingen wie: Ich würde gerne ein Autogramm haben von dem und der. Also auch solche lustige Sachen kommen rein. Aber auch Sachen wie: Ist ein Taststock am Gelände erlaubt? Und das beantworten wir dann.

Amanda:
Was macht die Barrierefreiheit einer Veranstaltung aus?


Martina Gollner:
Wir glauben, dass die Barrierefreiheit von einem Event schon beim Buchen der Tickets startet. Aus dem Grund haben wir auch eine zweite Webseite, einen Ticketshop veröffentlicht. Der heißt eon-Tickets und auf dem möchten wir gerne ein, wir nennen es "Barrierefreies Ticket Kontingent", anbieten, bei dem man die Möglichkeithat eine Eintrittskarte für seine Begleitperson kostenlos oder preisreduziert zu buchen. Das heißt zum ersten Mal soll es unkompliziert online funktionieren eine Eintrittskarte, sei es als Rollstuhlfahrer oder Rollstuhlfahrerin und die entsprechenden Plätze, oder eben eine Begleitperson, für die Personen die darauf angewiesen sind, zu buchen.
Als zweites möchten wir auf dieser Plattform schon einmal Informationen über die Veranstaltungsorte geben und über die Gegebenheiten am Veranstaltungsort.
Zum Beispiel: Gibt es in der Stadthalle eine Induktionsanlage und wenn ja in welcher Halle. Und an wen kann ich mich wenden? Also im Endeffekt dann an uns.

Amanda:
Wie kann man ein Event für gehörlose Personen barrierefrei gestalten?


Martina Gollner:
Für Indoor-Veranstaltungsorte wäre eine Induktionsanlage sicher eine sehr schöne Lösung. Das was wir im letzten Jahr am Donauinselfest und in der Arena getestet haben, ist eine Streaming-Lösung. So dass ein guter Ton auf das eigene Handy übertragen wird und mit der eigenen Hörhilfe wahrgenommen werden kann. Das ist auch etwas das wir gerne weiter verfolgen möchten. Was wir uns auch vorstellen können und verfolgen möchten ist das Thema Untertitel. Da wäre auch live-Untertitelung interessant, damit nicht nur Texte von Liedern wiedergegeben werden können, sondern auch das was inzwischen gesprochen wird auf der Bühne. Das größte aber natürlich auch kostenintensivste wäre natürlich ein Dolmetschen in ÖGS.

Amanda:
Möchten Sie unseren Zusehern abschließend noch etwas sagen?


Martina Gollner:
Die Einladung, die wir aussprechen möchten, gilt allen BesucherInnen mit Behinderungen, mit allen Arten von Behinderungen. Das ist auch etwas, das wir dem Personal auf den Events gerne weitervermitteln möchten, damit wirklich ein kompetenter, offener, freundlicher Umgang möglich wird und die Barrieren in den Köpfen einfach weniger werden.
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt