Sendung ohne Barrieren. Nr. 55 Frauen mit Behinderungen

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Empowerment
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Dr.in Mag.a Gabriele Sprengseis, MSc.:
(Österreichischer Behindertenrat, Geschäftsführerin)

Herzlich Willkommen im Österreichischen Behindertenrat.
Wir sprechen heute zum Thema „Frauen und Behinderung“.
Mein Name ist Gabriele Sprengseis und ich bin seit über einem Jahr Geschäftsführerin im Österreichischen Behindertenrat. Wir haben 80 Mitglieder und ich bin natürlich auf sehr vielen Veranstaltungen. Da ist mir aufgefallen, in dem Jahr sehr massiv muss ich sagen, dass es zwar sehr viele Frauen mit Behinderungen gibt, aber dann am Podium und bei Vorträgen etc. da sind sie eher ein bisschen rar gesät. Wir haben das schon intern diskutiert und kurzer Hand jetzt ein Kompetenzteam für Frauen mit Behinderungen gegründet.

Mag.a Victoria Doppler:
(Ability Managerin bei Caritas)

Mein Name ist Victoria Doppler. Ich bin seit bisschen über zwei Jahre Ability Managerin in der Caritas. Ich bin selbst eine dieser Frauen mit Behinderungen. Sehen tut es bei mir nicht, was mir einmal mehr und einmal weniger zum Vorteil gereicht.

Mag.a Marinela Vecerik:
(Zeitlupe, Projektleiterin)

Ich heiße Marinela Vecerik und ich bin Leiterin und Beraterin bei Zeitlupe. Zeitlupe ist die erste und einzige eigentlich, bis jetzt, Peer-Beratungsstelle. Peer-Beratungsstelle von Frauen mit Behinderungen für Frauen mit Behinderungen.

Dr.in Mag.a Gabriele Sprengseis, MSc.:
(Österreichischer Behindertenrat, Geschäftsführerin)

Wir sind jetzt drei Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen. Bei mir sieht man das auch nicht. Also die verdeckt Behinderten sind ja auch eine relativ große Gruppe. Was habt ihr hier für Erfahrungen? Woran kann das liegen, dass sich Frauen mit Behinderungen wenig bis gar nicht in der Öffentlichkeit wirklich zeigen? Neben dem, dass sich Frauen, sozusagen tendenziell weniger zeigen und Frauen mit Behinderungen, mein Eindruck ist das schon, noch einmal weniger nach vorne trauen.
Mag.a Victoria Doppler:
(Ability Managerin bei Caritas)

Ich glaube, wir haben gerade riesen Schritte in der Frauensichtbarkeit, insgesamt. Da läuft jetzt gerade
Angefangen mit der Metoo-kampagne, die zum Schluss ein bisschen ausgeartet ist in sehr viel, auch ins Lächerliche zum Teil gerückt wurde. Ich finde, die Caritas hat das sehr gut aufgegriffen mit „Wir Tun“. Das war die Kampagne für „von Armut und Obdachlosigkeit betroffener Frauen“ was nämlich auch einmal eine Gruppe an Frauen, die bisher kaum beachtet waren. Wir haben auch gute Erklärungsmuster, warum es auch so sein könnte. Ich glaube, das trifft auf viele Frauen mit Behinderungen auch zu. Das Frauen viel, viel länger brauchen, bis sie sich erstens einmal aus missbräuchlichen Beziehungen vielleicht lösen können. Und dann aber psychisch zum Teil schon so instabil sind und sich auch keine Hilfe holen wollen, weil sie sich furchtbar dafür genieren. Also, das ist immer so ein… Wie du gerade gesagt hast; Wir sind jetzt da drei Frauen, mit verschiedenen Formen von Behinderungen, uns fällt es nicht schwer uns hinzustellen und das Auszusprechen. Wir sind zum Teil stolz darauf, zum Teil auch nicht, zum Teil haben wir einfach gelernt damit umzugehen. Das fehlt vielen Frauen, glaube ich.

Dr.in Mag.a Gabriele Sprengseis, MSc.:
(Österreichischer Behindertenrat, Geschäftsführerin)

Gibt es da etwas, was ihr speziell macht, um die Frauen zu stärken?

Mag.a Marinela Vecerik:
(Zeitlupe, Projektleiterin)

Das ist einer unserer oder mehrere, aber ein Hauptansatz eigentlich, was uns angeht, das Empowermant. Das versuchen wir tagtäglich, in jedem Prozess und Beratung in Beziehung mit jeder Frau egal, um welches Thema oder um welches Problem oder um welches Anliegen sie zu uns kommt. Letztendlich geht es immer darum, dass man die Frau stärkt oder verstärkt oder sie ermutigt letztendlich irgendetwas zu wagen irgendetwas Neues oder Anderes, um eine Veränderung zu erzielen und es ist tatsächlich, das ich glaube, das ist auch einer der Gründe, wo viele Frauen eher schüchtern oder zurückgezogen sind, weil einfach das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein als Frau mit Behinderungen meistens einfach nicht da ist oder weniger da ist.

Dr.in Mag.a Gabriele Sprengseis, MSc.:
(Österreichischer Behindertenrat, Geschäftsführerin)

Was würdet ihr euch wünschen zum Thema Frauen mit Behinderungen?

Mag.a Victoria Doppler:
(Ability Managerin bei Caritas)

Es ist ganz schwierig. Mehr Frauen in der Öffentlichkeit. Das ist sicher ein guter Anfang. Was ich mir wünschen würde, ist, dass die, die es schaffen, so wie eben wir. Wir sind gute Sprachrohre. Wir können eine Meinung gut vertreten und einen Standpunkt gut vertreten. Ich glaube, dass wir da ganz verstärkt noch nach Außen gehen müssen, um anderen Frauen auch zu zeigen, dass es geht.

Dr.in Mag.a Gabriele Sprengseis, MSc.:
(Österreichischer Behindertenrat, Geschäftsführerin)

Das ist ja schon eine wunderbare Werbung sozusagen für unser Kompetenzteam „Frauen mit Behinderungen“. Es dürfen natürlich auch Männer kommen. Wir sind da völlig offen. Im September wird es die nächste Runde geben. Wer sich dafür interessiert, bitte einfach an den Österreichischen Behindertenrat Kennwort „Frauen mit Behinderungen“ schreiben.
Herzlichen Dank

Mag.a Marinela Vecerik:
(Zeitlupe, Projektleiterin)

Gerne, ich danke auch, für die Einladung
Dr.in Mag.a Gabriele Sprengseis, MSc.:
(Österreichischer Behindertenrat, Geschäftsführerin)

Ich denke, bis zum September, da werden wir uns wieder sehen.

Mag.a Victoria Doppler:
(Ability Managerin bei Caritas)
Danke, dass wir kommen durften
(ERSR)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt