SOB Nr. 54 - Berufsausbildung mit verlängerter Lehrzeit

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Lehrling Bekleidungsgestaltung, Julia Weigl
Lehrling KFZ, Michelle Schön
Berufsausbildungsassistentin Ulrike Reich

Michelle Schön

Mein Name ist Michelle Schön und ich bin 17 Jahre alt. Ich mache jetzt den Beruf KFZ-Technikerin. Nach dem Poly bin ich in einen Kurs gegangen, wo ich in verschiedene Berufe schnuppern konnte. Gärtnerin war dabei, Bürokauffrau, Einzelhandel und eben KFZ-Technikerin.

Wenn mich Leute fragen „Was arbeitest Du?“ sag ich bin im 1. Lehrjahr als KFZ-Technikerin. Das glauben sie mir dann nicht einmal. Da denken Sie „Na, Du schaust aus wie eine Bürokauffrau.“ Nein, ich bin eine Mechanikerin! Weil viel zu viele Jungs, also Männer, den Beruf machen als Frauen. Weil es gibt wenige Frauen die das wirklich machen wollen, also die sich das trauen. Weil manche sagen, na es ist zu schwer, ich kann keinen Reifen nehmen. Aber dann gibt es auch welche die sagen „Na ich kann zwei Reifen nehmen.“

Die normale Lehre dauert eben dreieinhalb Jahre. Aber ich bin in einer verlängerten Lehre, das heißt viereinhalb Jahre. Ich hab somit ein Jahr mehr Zeit alles durchzulesen, wieder zu lernen und zu wiederholen. Die Berufsausbildungsassistentin ist dafür zuständig, dass wir Nachhilfe bekommen, dass sie uns bei privaten Sachen aber auch in der Arbeit hilft. Dass sie uns Tipps gibt wie man mit Arbeitskollegen klar kommt. Oder wenn man zu Hause privat Schwierigkeiten oder Probleme hat, dass man das mit ihr besprechen und klären kann.

Ja ich gebe offen und ehrlich zu dass ich eine Lernschwäche habe. Dass ich mir manche Sachen nicht leicht merke. Dass man das immer und immer wieder besprechen muss. Da bin ich froh dass ich Ausbilder hab, die mir das super erklären. Da bin ich auch dankbar dafür. Und dass es die Sozialpädagoginnen gibt. Da bin ich echt super drauf.


Ulrike Reich

Die Jugendlichen sind grundsätzlich in vielen Bereichen großen Herausforderungen ausgesetzt. Wenn es um die Ausbildung geht natürlich in der Berufsschule und auch in der Praxis. Einfach zu schauen „OK Ich muss meine Leistung bringen, ich muss das einigermaßen hinbekommen.“ Da entsteht natürlich auch ein gewisser Druck bei den Jugendlichen. Wenn es der allein wäre, wäre es ja noch einigermaßen einfach, aber meistens bringen die Jugendlichen doch auch viele Themen von zu Hause schon mit. Dass es im familiären oder sozialen oder Umfeld wirklich Schwierigkeiten gibt, wo wir dann gemeinsam mit den Sozialpädagoginnen und –pädagogen auch vor Ort versuchen irgendwie Lösungen zu finden. Jugendliche in einem gewissen Alter oder in der Pubertät da spielt dann auch viel mit von wegen Freundschaft, viel Freizeit haben, jetzt Lernen ist nicht unbedingt das allererste Thema bei den Jugendlichen. Und dann geht es natürlich auch um Partnerschaft, um Liebesbeziehungen. Das spielt natürlich alles mit und wir werden grundsätzlich auch mit diesen Themen konfrontiert.

Julia Weigl

Also ich bin zwölf Jahre in die Schule gegangen und habe einen Jugendcoach gehabt, die helfen uns Berufe zu suchen. Sie hat mir empfohlen, dass ich bei Jugend am Werk eine Lehre machen kann, weil es für mich auch einfacher ist.

Ich habe seit meinem zweiten Lebensjahr Hörgeräte. Es hat alles gut funktioniert. Dann habe ich einen Hörtest gemacht und man hat festgestellt, dass ich am rechten Ohr nicht mehr so gut höre. Dann haben sie zu mir gesagt, dass ich ein Cochlea-Implantat brauche. Ich war nicht begeistert, weil ich wusste nicht, was mich erwartet. Im Juni 2016 war es soweit, da wurde ich operiert. Die OP hat drei Stunden gedauert. Dann war ich eine Woche im Krankenhaus, bin nach Hause gekommen und musste wieder eine Woche ins Krankenhaus, weil ich Schwindelanfälle bekommen habe. Seither klappt eigentlich alles gut.

Ich mache eine verlängerte Lehre und meine Berufsausbildungsassistentin ist die Frau Reich. Sie unterstützt uns auch wenn man Probleme hat oder sich nicht auskennt oder man hat einen Termin. Da ist sie auch dafür da. Sie schaut täglich vorbei. Also oft. Zwei oder drei Mal die Woche auf jeden Fall.

Viele in dem Alter bekommen meistens dann keinen Job weil sie zu Hause sitzen und nichts machen. So finde ich es gut, dass ich hier eine Ausbildung machen kann und Unterstützung bekomme. Das ist halt das Wichtigste.

Ulrike Reich

Ja also ich finde das System der Berufsausbildungsassistenz hat sich sehr gut bewährt. Es ist gut dass es jemanden gibt, der einfach alles wirklich im Blick hat. Also nicht einseitig nur die Ausbildung oder einseitig nur das soziale oder private Umfeld, sondern auch wirklich alles miteinander vereint und so ein bisschen drüberschaut und schaut OK wo könnten wir vermitteln, wo können wir miteinander kooperieren und sprechen, damit für die Jugendlichen die Ausbildung so gut wie möglich abläuft.
(ERSR)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt