Sendung ohne Barrieren. Nr. 52 FAIR FÜR ALLE – Zertifikat für Barrierefreiheit

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Sichtbare Siegel
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Dorothea Brozek:

Meine Damen und Herren.
Zwei Jahre lang haben unterschiedliche Behindertenorganisationen, nämlich mehr als 20 ganz intensiv am Thema umfassende Barrierefreiheit zusammengearbeitet. Heute wird ein ganz besonderes Ergebnis dieser Zusammenarbeit präsentiert: FAIR FÜR ALLE. FAIR FÜR ALLE als das Zertifikat für Barrierefreiheit.“

Herbert Pichler:

Mein Name ist Herbert Pichler, ich bin Präsident des Österreichischen Behindertenrates und ich habe ganz, ganz besonderes Interesse am Zertifikat FAIR FÜR ALLE, aus drei Gründen:
Erster Grund ist, dass mir die Barrierefreiheit natürlich aus Selbstbetroffenheit am Herzen liegt. Zweiter Grund ist als Interessenvertreter über den Österreichischen Behindertenrat und dritter Grund ist: Eine jahrelang von mir verfolgte Idee, ein Zertifikat zu entwickeln, um Firmen zu animieren bzw. um Firmen zu begeistern, was zu Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen zu tun, ist jetzt endlich in Erfüllung gegangen.

Monika Schmerold:

Die Zertifizierung von Unternehmen ist wichtig, weil es keine einheitlichen Standards in Österreich gibt. Das heißt, wenn ich wohin gehe, in ein Unternehmen oder in eine Organisation oder in ein Hotel oder in ein Geschäft, ich weiß nie genau, was mich erwartet. Und das Siegel soll mich darauf hinweisen, dieses Unternehmen beschäftigt sich mit Barrierefreiheit. Es beschäftigt sich mit Antidiskriminierung. Es sind die Mitarbeiter geschult. Ich werde natürlich in Zukunft, wenn ich dieses Siegel sehe, eher dieses Unternehmen betreten als andere.

Rotraut Krall:

Ich finde diese Idee der Zertifizierung ausgesprochen gut, weil wie wir heute schon gehört haben, durch dieses Zeichen sichtbar wird, dass sich das Unternehmen wirklich intensiv und in überzeugter Weise dem Thema widmet. Barrierefreiheit ist heute oft noch ein Lippenbekenntnis und ich glaube diese Zertifizierung hilft auch mit, tatsächlich die Überzeugung den Menschen einfach sichtbar werden zu lassen.

Monika Schmerold:

FAIR FÜR ALLE wurde in einem langen Prozess von vielen Interessenvertretungen Österreichs entwickelt. Es sind viele betroffene Personen involviert gewesen. Es wurde Bedacht genommen auf viele verschiedene Arten von Behinderungen, auch unsichtbare Behinderungen. So hat man aus diesem ganzen Fundus sozusagen diesen Kriterienkatalog erarbeitet, der dann das Grundlegende ist für dieses Qualitätssiegel FAIR FÜR ALLE.

Herbert Pichler:

FAIR FÜR ALLE zeichnet einerseits das aus, dass es gelungen ist in diesem Zertifizierungsmodell die unterschiedlichsten Behinderungsformen und ihre Bedürfnisse im Kriterienkatalog als Notwendigkeit zu Barrierefreiheit darzustellen. Was sehr, sehr schwierig ist. Und auch die unterschiedlichsten Personengruppen zusammenzubringen. Das ist der Chefin vom Zertifizierungsrat, der Erika Plevnik wirklich sehr, sehr gut gelungen. Da hat sie meine vollste Bewunderung.

Monika Schmerold:

Unternehmen und Organisationen können mit dem Siegel FAIR FÜR ALLE ihre Marktchancen erhöhen. Das heißt, es werden KundInnenschichten angesprochen, die sich bisher nicht angesprochen fühlten, nämlich Menschen mit Behinderungen. Da sprechen wir in Österreich von rund 1,6 Millionen Menschen. Das ist eine große Summe. Ich denke, kein Unternehmer und keine Unternehmerin kann heutzutage auf dieses Potenzial verzichten.

Rotraut Krall:

FAIR FÜR ALLE ist schon vom Begriff her sehr gut gewählt. Ich denke, das ist auch das große Plus, dass alle damit angesprochen worden sind. Weil wie wir ja wissen, Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Menschen, die wirklich mit Barrieren leben müssen, ihnen zu helfen, weil sie eben jetzt aus verschiedenen Umständen in einer gewissen Weise diese Beeinträchtigungen erleben, sondern es ist wirklich für uns alle da. Vom Kind, von der jungen Mutter angefangen bis zu uns älter werdenden Menschen, die dankbar sind, um Erleichterungen. Ich glaube, das ist eben dieser weite Bogen, der hier gespannt wird. Dieser fächerartige Bereich an Themen, die FAIR FÜR ALLE ansprechen.

Herbert Pichler:

Das Zertifikat FAIR FÜR ALLE ist ein wunderbares Beispiel, wenn man über Jahre und in dem Fall muss man schon sagen, über ein Jahrzehnt an der Sache dranbleibt, dass sich wirklich, was verwirklichen lässt. An dies man vielleicht gar nicht mehr geglaubt haben.
(ERSR)
Foto: Sendung ohne Barrieren
Video: Gebärdenwelt