WASt Konferenz

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LGBTIQ und Behinderung
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WASt – Fachkonferenz zum Thema:
Intersektionalität. LGBTIQ und Behinderung

Petra Plicka: Gerade wenn es um Behinderungen geht, sollten Menschen mit Behinderungen in die Forschung miteinbezogen werden. Sie haben gemeint, wichtig ist, dass wir uns die Zeit nehmen und nicht hineintappen in die Fallen, die da so oft sind, wenn es um ausgrenzende oder halt inkludierende Sachen geht, dass die Sprache ein wichtiger Faktor ist und dass unsere Identitäten – das habe ich jetzt hier noch hergeschrieben – unsere Identitäten sind fluide. Was heißt fluid? Flüssig. Das heißt, die entwickeln sich im Laufe der Zeit und dass wir sie uns so anschauen. Also Identitäten sind nicht konstruiert und nicht fixiert, sondern das ist so etwas, indem wir leben, jeder einzelne Mensch von uns. Das wäre jetzt mal einfach so eine Zusammenfassung. Dankeschön!

Albert Lichtblau: Wunderbar, vielen Dank!
Albert Lichtblau: Willkommen im Bild! Schön, dass Sie da sind.

Dr. Heike Raab: Es geht nicht darum mit zu forschen und es geht auch nicht darum, irgendwelche Sondergruppen oder Minderheiten zu erforschen. Es geht darum - und dafür sind auch die Disability Studies sehr zentral – selbst zu forschen. Also diese Dichotomie zwischen Behinderte und Nicht-Behinderte forschen zusammen, ist im Grunde genommen aus der Perspektive der Disability Studies, auch wenn es darin irgendwelche Strömungen gibt, obsolet und es bleibt in diesem Duktus der partizipatorischen Forschung immer latent diese Hierarchie vorhanden. Also es gibt irgendwelche armen Betroffenen und die Experten und man tut sich dann halt mal zusammen um etwas Gutes zu tun. Also an der Stelle ist Disability Studies tatsächlich einen Schritt weiter und – ich bin damit jetzt sehr weit weg vom Redemanuskript – ich möchte das nochmal sehr, wenn ich darf, betonen, also ähnlich wie auch in den Queer Studies oder Gender Studies, es geht schon darum, dass die Betroffenen selbst dann die Karriere machen oder selbst die Forschung machen und nicht nur als Forschungsobjekt in einer demokratisierteren Variante zur Verfügung stehen.
Ich möchte auf das Verhältnis von Behinderung und Queerness zu sprechen kommen. Das heißt, es geht mir noch einmal besonders auch um das Wechselverhältnis von Behinderung und Queerness in diesen LGBTIQ-Kontexten.
Zumindest in Deutschland ist es auf Wechselverhältnisse zwischen verschiedenen Differenzkategorien und Machtverhältnissen auch in den Disability Studies oder mit Blick auf Behinderung zu schauen, also Geschlecht und Behinderung ist auch das prominenteste Beispiel dafür. Denn die Fokussierung auf Behinderung als einzige Kategorie in den Disability Studies kann eben dann andere Diskriminierungsformen wie Homophobie, Sexismus, Rassismus, auf der einen Seite theoretisch gar nicht richtig erfassen oder integrieren und gleichzeitig wird es dadurch aber auch ein Stück weit ausgeblendet, also dass es so was wie Homophobie gibt, oder Rassismus oder Sexismus.
Intersektionalität in den Disability Studies ist insofern als ein Analysemodell zu verstehen, das mit mehreren, nicht hierarchisch angeordneten Differenzkategorien operiert, also eben die Frage „Wie hängt Diskriminierung zwischen Homosexualität und Behinderung zusammen?“ wäre beispielsweise zu diskutieren. Ebenfalls beinhaltet Intersektionalität auch einen multiplen Behinderungsbegriff, der die Vielfalt, die Vielzahl von Behinderungsformen umfasst. Nicht zuletzt ist nämlich Behinderung in sich auch heterogen. Also wir haben Formen von sichtbarer Behinderung, wir haben Formen von nicht sichtbarer Behinderung und da bin ich noch nicht mal jetzt bei dem Unterschied Psychiatrie und chronische Erkrankung, auch Körperbehinderung ist ein sehr heterogenes Phänomen. Man darf auch nicht vergessen, dass Intersektionalität es aus meiner Sicht auch ermöglicht, ein multiples Verständnis von Behinderung zu entwickeln, das eben die verschiedenen Formen von Krankheit und Behinderung auch einbezieht, aber auch gleichzeitig im Sinne der Disability Studies behinderungsübergreifend sind.

Petra Plicka: Bei der Intersektionalität geht es darum, dass wir auf Unterschiede schauen, die einen Unterschied machen.
Welches Geschlecht, welche sexuelle Orientierung, welches Alter, woher komme ich, welches Einkommen habe ich, usw. und da hat uns die Frau Professor gesagt, halt auch gut hinschauen, weil zum Beispiel der Begriff Behinderung, da geht es um Vieles, da geht es um körperliche Behinderung, eine Sinnesbehinderung, eine Lernschwierigkeit, was ist es denn? Also das kann man auch nicht einfach so als Begriff hinstellen, das ist sehr unterschiedlich. Also wird geforscht nach Unterschieden, die einen Unterschied machen.
(sb)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt