Schauspiel und Behinderung

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Welchen Stellenwert hat Behinderung im Film.
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2 Personen: Florian Jung & Jan Koellges


Florian Jung: Guten Abend bei Freak-Radio. Wir gehen heute der Frage nach, welche Möglichkeiten man gefunden hat, Behinderung im Film zu thematisieren oder welchen Stellenwert Behinderung im Film hat.

Schauspieler mit Behinderungen sind heutzutage zwar schon präsenter in der Medienlandschaft, sie werden schon leichter und selbstverständlicher besetzt, aber sie haben noch immer nicht die Möglichkeiten oder die Jobs, die sie verdienen. Ein Regiestudent aus Salzburg denkt das schon ein wenig weiter und erzählt uns jetzt über sein letztes Projekt Medystopia, wo er diesen Schritt schon gewagt hat.

Florian Jung: Was ist die Geschichte dahinter?

Jan Koellges: Die Geschichte ist im weitesten Sinne eine Erfahrung eines kleinen Jungen, die aus 3 Geschichten besteht. Das ist ein episodischer Film. In einer dieser drei Episoden geht es halt um die Liebe, in einer geht es mehr oder weniger um die Gewalt und in der zweiten geht es dann um Drogen. Es ist ein bisschen diese Medienlandschaft, die vielleicht für Kinder und junge Leute nicht unbedingt der beste Kontent ist, aber auch um ein bisschen aufmerksam zu machen, mit welchen medialen Inhalten die jungen Leute heute konfrontiert sind. Also im weitesten Sinne ein virtuelles Märchen, kann man sagen.

Florian Jung: Wie lang war der Schritt, zu entschieden, das spielt jetzt jemand mit Behinderung?

Jan Koellges: Also ich muss sagen, ich hatte am Anfang den Wunsch, weil ich natürlich unter anderem – man spricht von Authentizität, et cetera, aber ich hatte von Anfang an den Wunsch, jemanden mit Behinderung tatsächlich zu haben, weil ich eben dachte, dadurch dass der Fokus in dieser Szene so auf das Emotionale liegt, dass eben diese Person nicht diese körperliche Situation nachstellen muss. Zum anderen habe dann auch zufällig genau in diesem Zeitpunkt eine Kollegin – Lisa Turnhofer heißt sie – hat mich aufmerksam gemacht auf dich in dem Fall. Ich hatte dich gesehen durch ein Portfolio. Ich weiß nicht von wem das war, aber es war ein kleines Videosegment, da kamst du drin vor. Und ich hab gesagt: Den Typen will ich! Wo krieg ich den her? Ich war mir auch nicht sicher, ob du tatsächlich im Rollstuhl sitzt oder nicht. Erst Mal muss ich herausfinden, sitzt er im Rollstuhl, ja, nein, ist egal, er spielt super, wo find ich den? Dann hab ich die Lisa gefragt nach deinen Kontakten und so hat sich das dann Schritt für Schritt ergeben und ich hab schlussendlich zu dir gefunden, was dann rückblickend die beste Entscheidung war.

Florian Jung: Wie hast du die Arbeit empfunden? War es schwieriger, inwieweit war es anders?

Jan Koellges: Inwieweit es anders war, kann ich ungefähr so beschreiben: Vom Arbeiten war es ident wie mit jedem anderen Schauspieler. Ich musste dir vermitteln, was ich brauche. Du hast es nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt. Das Interessante war dennoch, vor allem weil durch die Drehsituation, in die im mich gebracht habe durch die Geschichte, war ich ja konfrontiert mit neuen Sachen. Das Interessante hierbei war natürlich herauszufinden, was müssen wir machen, damit wir das Endziel zu erreichen? Und das war halt im Endeffekt dann auch, dich in einen Keller zu bringen, der 4 Meter in einem Erdloch war und eine Rampe zu bauen. Dieses Kommunizieren und Herauszufinden, wie lösen wir Probleme, ist es ja, warum ich im Film gelandet bin. Das ist das, was anders war, aber auch am bereicherndsten. Herauszufinden, was braucht mein Schauspieler, damit er das machen kann.

Florian Jung: Würdest du wieder mit behinderten Schauspielern arbeiten?

Jan Koellges: Auf jeden Fall würde ich, wenn ich das brauche oder wenn es der Geschichte bedarf, würde ich auf jeden Fall in Erwägung ziehen einen behinderten Schauspieler zu casten. Das kommt aber definitiv immer auf das Skript an bzw. auf die Anforderungen, die die Geschichte braucht. Ich bin immer offen dafür, jemanden mit Behinderung zu besetzen. Ich glaube aber immer, dass die Geschichte im Vordergrund steht. Und sollte es ein Prozess sein, in dem der Beteiligte behindert wird und die körperlichen Bedingungen sich ändern, dann würde ich das vielleicht anders regeln, vielleicht mit Maske, weiß man nicht. Aber auf jeden Fall ziehe ich es immer in Erwägung, wenn es für die Geschichte notwendig ist.

Florian Jung: Dieses Gespräch hat wohl gezeigt, dass es immer Sinn macht, sich auseinanderzusetzen damit, was ich für die Geschichte brauche und dann, wenn es notwendig ist einen Menschen mit Behinderung zu besetzen, das auch zu wagen. Es bringt Schwierigkeiten mit sich oder bringt Probleme mit sich, die zu lösen sind, aber es kann- -wie im Falle von Medystopia – auch immer mal wieder zu sehr sehr guten Ergebnissen führen.
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt