International Week of the Deaf 2017 - Deaf Identity

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Barbara Hager zum Thema Deaf Identity
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Mein Name ist Barbara Hager. Diese Woche ist die Internationale Woche der Gehörlosen mit dem Themenschwerpunkt Vollständige Inklusion mit Gebärdensprache. Einer der insgesamt neun Themenbereiche ist Deaf Identity, worauf ich jetzt näher eingehen werde.

Mein Thema ist Deaf Identity. Im Gehörlosenbereich und bei gehörlosen Menschen kommt die Identität durch die Gehörlosen-Community, die Sprachgemeinschaft und die Kultur zum Ausdruck. Zudem ist ÖGS deren Erstsprache oder natürliche Sprache, die ebenfalls Teil der Identität ist.

Meine Doktorarbeit beschäftigt sich auch damit, dass gehörlose Lehrpersonen eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen für gehörlose SchülerInnen. Das ist bereits seit längerem bekannt. Über folgende wichtige Merkmale müssen Gehörlosenlehrkräfte verfügen, um den Unterricht für gehörlose Kinder erfolgreich und authentisch gestalten zu können: "Deafhood (=Taubsein) - Bewusstsein" und mit der Gebärdensprache aufgewachsen. Mein Ziel ist es, ihre didaktischen Methoden und Instrumente zu untersuchen. Es wurde bereits viel zu dem Thema Gehörlosenlehrpersonal geforscht. Der erste Grundstein im Bereich der Forschung über gehörlose Kinder wurde vom Forscher namens Simon Kollien aus Deutschland gelegt. Er schreibt, dass gehörlose Kinder von klein auf die Sprache ÖGS oder DGS brauchen, um sich vollständig ausdrücken zu können. Wachsen Kinder bereits mit der Gebärdensprache auf, so können sie die Satzlehre als auch den visuellen Raum und die Sprache verinnerlichen, um sich auszudrücken. Dies trägt zu einer funktionierenden Kommunikation und somit zur Entwicklung einer stabilen Identität bei. Wichtig ist dabei, dass sowohl zuhause mit dem Vater und der Mutter, also den Eltern, und auch in der Schule Kommunikation stattfindet. Daher kommt den jeweiligen Lehrern, die dort an diesen Schulen arbeiten, so eine große Bedeutung zu.

Paddy Ladd aus England forscht zum Thema "Deafhood Pädagogik". Insgesamt sind es fünf oder sechs Prinzipien, die wichtig sind in Bezug auf die GehörlosenlehrerInnen bzw. für den Ablauf des Unterrichts gehörloser SchülerInnen. Dazu zählt, wie der Umgang mit der hörenden Welt abläuft sowie die Thematik des Bewusstseins, der Machtstellung und der Muttersprache. Im Jahr 2010 wurde damit begonnen und es ist nach wie vor am Laufen.

Ein weiterer Bereich ist das Storytelling, wofür es von Seiten der Gehörlosen-Community bzw. Sprachgemeinschaft in ÖGS oder auch anderen Sprachen eine spezielle Methodik und Didaktik gibt. In ASL gibt es bereits viel zum Thema Storytelling, wobei ich auch genau die Bedeutung herausfinden möchte. In diesem Bereich möchte ich die Didaktik untersuchen und erforschen wie die LehrerInnen unterrichten. Im englischen Sprachraum haben Scott & Young (2013) hierzu bereits geforscht. Außerdem wurde heuer vor kurzem in Schottland von einem gehörlosen Team, das sich an der Heriot Universtität mit dem Forschungsbereich Deaf Studies beschäftigt, eine Publikation herausgegeben. In diesem Zusammenhang ist eine daran anknüpfende Publikation zu erwähnen, nämlich von Marieke Kuster aus Belgien. In der Untersuchung wird thematisiert, dass GehörlosenlehrerInnen eine große Verantwortung haben. Es geht auch darum, aus welchen Gründen sie GehörlosenlehrerInnen werden wollten - um für die Bildung zu kämpfen. Auch die Thematik "Deaf same" wurde erforscht.

Gehörlose LehrerInnen haben automatisch eine Verbindung zu den gehörlosen Kindern. Warum das so einen wichtigen Stellenwert hat, das ist Gegenstand der Forschung. Es wird bereits viel geforscht zu diesem Bereich. Meine Forschungsarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „authentischer Unterricht“. Hierbei wird darauf eingegangen, warum es von so großer Bedeutung ist, dass gehörlose Kinder von gehörlosem Lehrpersonal unterrichtet werden, dass es Unterrichtsmaterialien gibt und die entsprechende Didaktik zur Anwendung kommt. Wenn der Unterricht in der Schule gut gestaltet wird, so wirkt sich das positiv auf das gehörlose Kind aus und es kann eine gesunde und stabile Entwicklung des Kindes erreicht werden. Das Kind ist glücklich und kann erfolgreich eine natürliche Identität entwickeln.

Dieses Buch hier wurde vor kurzem von folgenden gehörlosen Personen herausgegeben: Annelies Kusters, Maartje De Meulder und Dai O`Brien. Diese arbeiten an der Universität in Schottland und beschäftigen sich mit den Neuigkeiten im Bereich der Deaf Studies. Es werden hierbei verschiedene Perspektiven von gehörlosen Personen beleuchtet - darunter die Bereiche Deaf Paedagogics, Deaf Same, Deaf Ontologies und Deaf Epistemology von gehörlosen ExpertInnen und viele weitere Themen wie verschiedene Publikationen und gehörlose Menschen, die vorgestellt werden. Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch.
(cg)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt