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Interview mit Signmark (Marko Vuoriheimo)

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Musik als Lebensinhalt
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Hallo Signmark! Wir haben Sie im Musikvideo gebärdend singen sehen, und finden es ganz klasse, was Sie da geleistet haben. Sie schreiben auch die Texte der Bande. Der Videoclip ist etwas ganz Besonders und eine einzigartige Darbietung! Wir rätseln, wie Sie auf die Idee gekommen sind, Musik zu machen. Wie wichtig ist Ihnen die Musik?

Die Musik ist für mich Lebensinhalt. Ich komme mit meiner Musik schon mein ganzes Leben lang gut durch. Ich muss Musik, wie gesagt, nicht für Hörende machen, sondern ich kann auch für mich selbst spielen. Bei Hörenden geht es um die Akustik, was ja dazu gehört. Bei Gehörlosen geht es hingegen ums Visuelle und Fühlbare! Das ist wichtig!

Was empfinden Sie als wichtig passend zu Ihrer Musik? Was sollte niemals fehlen?
1. Zum RAP-gehört die sportlich-lockere und lose Bekleidung, wie ich sie gerne trage.
2. Der sehr starke Rhythmus, wobei Bässe, Gitarre und verschiedene andere Instrumente dir Vibrationen verstärken. Es muss ein klarer, deutlicher Rhythmus entstehen, der auf den Körper trifft, wenn er meiner Komposition folgt und ihr auch entspricht.
3. Meine Bandmitglieder wollten mich aufrufen, um mich vorne auf die Bühne zu bringen. Ich will das nicht und lehne das ab. Ich gebärde meinen Part und lasse meine Bandmitglieder den Text sprechen.

Ist Ihre Beschäftigung mit Musik für Gehörlose Ihr Hauptberuf? Haben Sie vielleicht noch einen anderen Job?
Heuer habe ich zwei Jobs, die mich ziemlich auslaugen. Als erstes mache ich Musik und in meinem zweiten Job arbeite ich beim Unterricht für Hörende an der Universität als Gebärdensprachtrainer, wo ich sie auch zur gebärdensprachlich-linguistischen Übersetzung trainere.

Steht das nicht in einem engen Zusammengang zu ihrem Musikberuf? Ist der Gebärdensprachenunterricht unabhängig von Ihrem musikalischen Beruf, oder beschäftigen Sie sich indirekt während des Unterrichts mit ihrer Musik?
So gesehen stimmt das. Während ich unterrichte, fällt mir etwas ein und ich schreibe das gleich in mein Buch auf, unterrichte nebenher weiter. Gelegentlich funktioniert das so. Aber der Unterricht leidet darunter nicht.

Sind Sie mehr in der Musik verankert? So wie Sie das schildern, pendeln sie zwischen Musik und Unterricht hin und her. Wird das weiter so laufen?
Ich habe vor mit der Musik zu pausieren und mich dem Studium zu widmen. Nach einem bis drei Jahren werde ich wieder zur Musik zurückkehren. Das wäre für mich völlig ok so.

Das ist ja offenbar Ihre Leidenschaft! Sie schreiben die Texte für Ihre Songs selber. Sie handeln meistens über die Vorurteile gegenüber Gehörlose, über die Gehörlosengeschichte selbst und dem Verhältnis zwischen Gehörlosen und Hörenden. Woher nehmen Sie die Ideen zu ihren Texten? Was wissen Hörende über die Problematik der Gehörlosen?
Ich mache das, was mir am Herzen liegt, was ich tun will. Ich bin mit vielen hörenden Freunden aufgewachsen, kaum mit gehörlosen. Aber ich habe viele verschiedene Typen von Freunden.

Als Hörende erfuhren, dass Gehörlose früher oral kommunizierten, fragte ich sie danach und erfuhr, dass sie das nicht wussten. Dann schrieb ich alles auf, was sie nicht wussten. War ihnen etwas zu dem Thema bekannt, brauchte ich es mir nicht zu notieren. Das sollte ja im umgkehrten Fall bei den Gehörlosen doch ebenso sein. Fragt mich ein Gehörloser "z.b. Wie ist das bei den Hörenden?", frag ich ihn zurück "weißt Du das denn nicht?" Also notierte ich das, was er nicht wusste.

Sie haben ja nur hörende Kollegen in der Musik. Sie stehen mit dem Musikmachen im Vordergrund. Lief mit den hörenden Kollegen alles glatt und gut? Oder gab es bei der Zusammenarbeit Schwierigkeiten? Es kann geschehen, dass hier ja verschiedenen Welten und unterschiedliche Sichten/Perspektiven von beiden Seiten aufeinanderaufprallen.
Ja. Wir sind zu viert in der Band und jeder spielt verschiedene Instrumente. Als wir zusammen kamen, gabe es schon Konflikte und Reibungspunkte. Aber am Ende fügte sich alles harmonisch zusammen. Dabei kam auch etwas Besonderes heraus!

Wenn alles glatt und ohne Reibungspunkte verliefe, wäre es doch zu normal ... Bei unseren Auseinandersetzungen mussten wir kommunizieren, wir mussten ausreden, wie wir harmonisch miteinander spielen konnten, z.B. wollte eines der Bandmitgleider einen lauten Rhythmus spielen, andere wollten etwas nach ihren Geschmäckern machen. Wenn aber die Violine gleichzeitig mit den Dums gespielt wird, hört man die Violine nicht. Das kommt beim Zuschauer nicht gut rüber. Der Zuschauer würde somit wissen, dass die Musik von Gehörlosen gemacht wird.

Beide Seiten, die gehörlose und die hörende, sollten die Musik und die Harmonie der Musik geniessen können. Aber es wird schon werden. Probleme und Schwierigkeiten verbessern die Qualität.

Noch eine Frage: Sie haben das Beste aus sich gemacht, sind mit Ihrer Leistung in der Gehörlosengemeinde angesehen und haben damit auch Erfolg. Gratulation! Ich würde gerne eine Empfehlung Ihrerseits an die österreichische Gehörlosengemeinde weitergeben. Was würden Sie uns empfehlen?
Was ich den Gehörlosen Österreichs raten möchte, dass sie das tun, was sie sich wünschen. Wenn jemand zB. gerne Musik machen will, oder fliegen, oder sonst etwas ... Hört nicht auf Fragen wie: "Ist das was für Gehörlose? Ich kann aber nicht hören ...? Ah, das ist nichts für mich!" Bitte denkt nicht an das "Nicht-hören-können", sondern traut Euch einfach und macht das, was Ihr mögt. Seid kämpferisch! Fragt Euch selbst, ob Ihr das könnt und nicht, ob Ihr es nicht könnt, weil Ihr nicht hören könnt. Das wäre schrecklich! Macht das auf keinen Fall!

Ich möchte, dass ihr einfach tut was Ihr wollt. Die Gesetzte im Gehörlosenbereich sollen geändert und verbessert werden und für mehr Zugänglichkeit für Gehörlose sorgen. Das sollte doch möglich sein?!

Signmark, danke für das tolle Intrerview!
Gerne, danke!
(ERSR)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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