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Rückblick 2012: 5. Kulturtage der Gehörlosen in Erfurt (2/3)

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"Eine Kultur mehr: Gebärdensprache"
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Vom 20. bis 22. September 2012 fanden in Erfurt (Deutschland) die Kulturtage der Gehörlosen statt. Das Motto in diesem Jahr: "Eine Kultur mehr: Gebärdensprache". Gebärdenwelt war mit dabei.

Im Mittelpunkt der dreitägigen Veranstaltung in Erfurt stand die Gebärdensprache. "Wir möchten Gebärdensprache als Minderheitensprache anerkennen lassen", so Rudolf Sailer, Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes. "Wir sehen uns nicht als Gruppe von Behinderten. Wir verstehen uns als eine Kulturgemeinschaft". Die Forderung nach Inklusion im schulischen, beruflichen, sozialen und kulturellen Bereich nach der UN-Behindertenrechtskonvention prägten die fünften Kulturtage im Herzen Deutschlands. Die Botschaft: Nur auf der Grundlage gebärdensprachlicher Kommunikation können die meisten gehörlosen Personen ohne Barrieren und auf Augenhöhe am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

In Zusammenarbeit mit gehörlosen Menschen aus ganz Deutschland wurde den knapp 3000 TeilnehmerInnen aus aller Welt ein vielfältiges Programm aus Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden geboten. Zu den ReferentInnen zählten unter anderem ExpertInnen aus den Bereichen Deaf Studies, Gebärdensprachen und Gehörlosenbildung. Zudem informierten AusstellerInnen über Ausbildungsmöglichkeiten, Dienstleistungen und Produkte für gehörlose Menschen. So wurde etwa ein Videostadtführer in Gebärdensprache für Erfurt auf den Kulturtagen der Gehörlosen vorgestellt.

Die Vortragsreihen und Workshops wurden durch das vielfältige kulturelle Programm aufgelockert. Gehörlosenkultur wurde in Form von Theateraufführungen, Shows und Kunstausstellungen dargeboten. Viele bekannte deutsche und internationale gehörlose KünstlerInnen haben das Programm der Kulturtage bereichert.

Höhepunkte der Kulturtage waren:

- Die Vorführung der fünf besten Filme des Filmwettbewerbs, wobei die Jury folgende Platzierungen festgelegt hat:
1. Mathias Pointner "Linien"
2. Leonid Klinner "SCHLAF träumen"
3. Britt Dunse "Rotkäppchen in Gebärdensprache"

- Der Fotowettbewerb wurde von den Jury-Mitgliedern entschieden und die Fotos wurden im Kongresszentrum ausgestellt. Es gab Einsendungen zum Thema "Gesichter und Vielfalt unserer Kultur" und "Eine Kultur mehr: Gebärdensprache".

- Die Verleihung der Karl-Wacker-Medaille an Karl-Werner Broska, Präsident des Gehörlosen-Sportverbands. Dieser Kulturpreis ist die höchste Auszeichnung des Deutschen Gehörlosen-Bundes und wird für herausragende Verdienste auf dem Gebiet der überregionalen Gehörlosenarbeit verliehen.

- Die Podiumsdiskussion mit hochkarätigen TeilnehmerInnen wurde von Prof. Dr. Christian Rathmann moderiert. Gäste waren Dr. Terry Riley (Mitglied des Vorstands des WFD), Berglind Stefánsdóttir (Präsidentin der EUD), Rudolf Sailer (Präsident des DGB), Helene Jarmer (Präsidentin des ÖGLB) und Roland Herrmann (Präsident des Schweizerischen Gehörlosenbundes).

Jeden Abend gab es dann ab 23 Uhr noch eine "Deafparty" in der Stadtmitte von Erfurt. Am Samstag fand zusätzlich ein Straßenfest statt und den Abschluss bildete die große Galaveranstaltung mit der Kulturpreisverleihung.
(cg)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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