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Interview mit Alexander van Meyenn anlässlich der 4. Deutschen Kulturtage

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Der DGB-Präsident über Arbeitsprozesse, Kooperationen und schwarze Löcher
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Die Deutschen Kulturtage der Gehörlosen haben sich wahrhaft etabliert - sie sind mittlerweile zu einem fixen Bestandteil der besten Veranstaltungen rund um das Thema "Gehörlosigkeit" geworden.

Wie ist der Deutsche Gehörlosenbund zu diesem Motto gekommen?
A: Das diesjährige Motto der 4. Deutschen Kulturtage lautet: "Eine Kultur entfaltet sich".
Warum gerade dieses Thema gewählt wurde muss im geschichtlichen Kontext betrachtet werden.
Die 1. Deutschen Kulturtage hatten zum Thema: "Eine Kultur bringt sich zur Sprache". Es wurden intensive Diskussion sowie Auseinandersetzungen um die Bedeutung der Gehörlosenkultur sowie der Sprache, deren Austausch, deren Inhalte geführt.

Das Thema der 2. deutschen Kulturtage lautete: "Eine Kultur setzt ein Zeichen". Darin wurde besonders die Identität der Gehörlosen und die damit verbunden Forderungen an die Gesellschaft thematisiert.

Das Thema der 3. deutschen Kulturtage lautete: "Eine Kultur findet eine Anerkennung". Es wurden die Themen:
- Anerkennung der Gebärdensprache,
- Finanzierung von DolmetscherInnen und
- weitere gesetzlichen Errungenschaften
behandelt.

Betrachtet man all die Themenzusammenhänge der letzten 3 Kulturtage so leitet sich "Eine Kultur entfaltet sich", das Thema der diesjährigen Kulturtage, von selbst ab.

All diese Themen leiten zum Motto der 4. Deutschen Kulturtage hin: "Selbstbewusster Umgang mit der Gehörlosenkultur sowie Präsentation der Errungenschaften und positiven Entwicklungen der Gehörlosenkultur in Deutschland", wie z.B..
- mehr Gebärdensprachangebote,
- mehr Untertitelung bei Fernsehprogrammen, die zwar noch nicht zu 100 % erreicht wurde, aber doch kontinuierlich steigt.
- Vermehrte Arbeitsmöglichkeiten, verstärkte Einsätze von GebärdensprachdozentInnen
- sowie auch die Verbreitung der Gebärdensprache in der Arbeitswelt, sodass sich die Gebärdensprache als auch Kultur entfaltet.


Wie habt Ihr es geschafft zu einem solchen Ergebnis wie die diesjährigen Deutschen Kulturtage zu kommen, wie war die Vorbereitungszeit? Wieiviel Arbeit wurde benötigt? Welche Erwartung setzt Du in die Kulturtage?
Ich möchte mich für die hervorragende und intensive Arbeit der letzten 3 Tage bei meinem Team bedanken. Besonders möchte ich meinen Dank an Frau Marion Bednorz, Kulturmanagerin und Koordinatorin, aussprechen, die hervorragende Arbeit geleistet hat um diese Veranstaltung auf einem so hohen Niveau zu präsentieren.

Die einjährige arbeitsintensive Vorbereitungszeit, wird, hoffe ich, belohnt. Das Ergebnis ist nun offensichtlich.

Wir haben den diesjährigen 4. Deutschen Kulturtagen mehr Raum gegeben, da es
- mehr Vorträge und Präsentationen
- mehr Ausstellungen gibt und auch
- mehr Besucher werden erwartet. Wir rechnen mit 2.400 Personen.

Der Platz wird vorhanden sein müssen. Dem Bedarf muss Rechnung getragen werden.

Als Besonderheit wurden erstmalig Gäste aus Österreich eingeladen.
Früher haben wir uns nur innerhalb der deutschen Grenzen bewegt und unsere Befindlichkeiten betrachtet. Dieses Jahr wollten wir über unsere Grenzen hinaus schauen und haben als erstes den Österreichischen Gehörlosenbund, ÖGLB, eingeladen.

Die rasant steigende Entwicklung des ÖGLB interessierte uns sehr und wir wollten allen deutschen Gehörlosen die Möglichkeit geben andere Gehörlosenbünde kennen zu lernen.

Als zweite Besonderheit dieser Veranstaltung konnten wir zur Eröffnungsfeier Frau Ursula Schmidt, die Deutsche Bundesgesundheitsministerin gewinnen. Bislang waren immer nur ihre VertreterInnen zu Gast, doch dieses Mal konnten wir sie persönlich und offiziell davon überzeugen an den Deutschen Kulturtagen teilzunehmen, worüber wir uns natürlich sehr freuen!

Gleichzeitig nehmen wir dies auch zum Anlass all jenen jüdischen Gehörlosen für den erlittenen Holocaust zu gedenken und sich offiziell zu entschuldigen. Bis dato hat es der Deutsche Gehörlosenbund verabsäumt diesen Schritt zu tun. Wir gehen davon aus, dass alle Anwesenden Gänsehaut bekommen werden.

Als weiteren Höhepunkt planen wir eine Demonstration zur 100%ign Untertitelung im Fernsehen, zu der ungefähr 3000 Personen erwartet werden.


Kannst Du mir vielleicht verraten, wer heute die KulturpreisträgerInnen sind?
Schmunzelnd: Sie müssen sich noch bis heute Abend gedulden, wer heute Kulturpreise bekommen!


Wenn die Kulturtage zu Ende gehen, welche Pläne habt Ihr bzw. hast Du?
Wenn die 4. Deutschen Kulturtage zu Ende sind, habe ich einen wohlverdienten Urlaub geplant.

Danach beginnen die Mitgliederversammlungen, da nächstes Jahr Wahlen ins Haus stehen.

Da muss ich natürlich auch Erholungsurlaub einplanen, damit ich nicht in ein sogenanntes Schwarzes Loch falle. Erst danach schaue ich, wie es weitergehen wird.

Meine persönlichen Ziele sind:
- die 100 % Untertitelung weiter zu verfolgen und nicht aus den Augen zu verlieren sowie
- uns verstärkt für den Unterricht in DGS in Schulen zu engagieren und
- unsere Aktivitäten, die vor einigen Jahren ihren Anfang genommen haben, weiterzuführen um noch mehr Verbreitung in der Gesellschaft zu erreichen.

Diese zwei Hauptthemen sind mein Anliegen.


Was sind Deine persönlichen Wünsche? Und auch wie wichtig ist hier der Zusammenhang mit dem österreichischen Gastland?
Meine persönlichen Wünsche sind, dass

- alle Gehörlosen mehr Selbstbewusstsein und sicheres Auftreten erlangen, und mehr Interesse an Mitarbeit, auch in politischer Hinsicht, beim Deutschen Gehörlosenbund steigt.

- im Zusammenhang mit Österreich und auch mit der Schweiz, eben im deutschsprachigen Raum, wünsche ich mir eine zukünftige intensivere Zusammenarbeit mit dem ÖGLB als auch SGB, sodass jährliche Zusammenkünfte und Meinungsaustausch abwechselnd erfolgen.
(sr)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt

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