Interview mit Franz Dotter: UN-Konvention

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"Ein bisschen was trauen muss man sich."
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Können Sie uns kurz erzählen von dem aktuellen Thema mit dieser Menschenrechtsbeschwerde, die Sie in Genf eingebracht haben? Wenn Sie uns das noch kurz erklären könnten. Und was erwarten Sie sich davon?

Franz Dotter: „Naja, es geht eigentlich darum, das Österreich sich verpflichtet hat, die Bestimmungen der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen umzusetzen, dass es aber einfach für sich selber eine gesetzliche Vermeidungsstrategie gewählt hat. Das heißt, Österreich ist eigentlich nicht gewillt, dass es behinderten Personen erlaubt, sich auf die Konvention zu berufen, wenn sie in einem Verwaltungsverfahren sind oder vor Gericht. Fast der einzige Ausweg ist natürlich dann sich an die UNO selber zu wenden. Dabei ist natürlich die Hürde, dass man zuerst einen vollständigen Rechtsweg in Österreich abgeschlossen haben muss, bevor man sich an die UNO wenden kann. Und eben, es geht eigentlich darum, dass zu einer Zeit, wo jetzt überall in der Europäischen Union und vor der UNO im Grunde genommen, die Rechte von Gehörlosen bekannt sind und auch akzeptiert wurden, dass dann Länder wie Österreich einfach alle möglichen gesetzlichen Vorbehalte machen, die das unmöglich machen sollen, dass diese Rechte verwirklicht werden.
Und ich denke, also ich hoffe schon, dass die UNO, gerade in einem reichen Land, also wirklich sagen wird, dass es in der Weise nicht möglich ist mit gehörlosen Menschen umzugehen.“

Wenn gehörlose Menschen diskriminiert werden, was würden Sie ihnen empfehlen? Was kann eine Einzelperson machen?

Franz Dotter: „Die Einzelperson muss auf der einen Seite sozusagen sich so stark fühlen, dass sie sagt, ja, ich tu was dagegen. Ich tu was gegen diese Diskriminierung. Ich gehe jetzt nicht einfach still nach Hause, sondern ich mache etwas. Das ist eigentlich die einzige Überwindung, die sie wirklich braucht. Sie muss eigentlich selber wissen oder sie wird
wahrscheinlich selber spüren, wann ihr Unrecht geschieht. Ich denke, wenn man ihr zusichert und sagt, du bekommst Hilfe, du brauchst keine Kosten zu tragen, dann denke ich mir, kann die Person doch dann einfach ganz deutlich sagen, ich werde da und da behindert, weil ich meine Sprache nicht verwenden kann oder weil ich zu einer Information nicht gut komme. Also, ich denke, man kann schon als einzelne Person auch dagegen was unternehmen. Ein bisschen was trauen muss man sich.“
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt