Interview mit Franz Dotter

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Herr Dotter über seinen aktivismus für die Gebärdensprach-Community
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Womit beschäftigen Sie sich in Ihrem Beruf? Wie sind Sie zur Gebärdensprache gekommen?

Franz Dotter: „Das ist eigentlich eine lustige Geschichte. Wir hatten an der Universität Klagenfurt eine Arbeitsgemeinschaft ‚Volksgruppenfrage’, die sich mit der slowenischen Minderheit beschäftigt hat. Eines Tages kommt eine Seniorenstudentin zu mir und sagt mir: ‚Ihr kümmert euch doch um Minderheiten. Ich kenne zwei Gehörlosenlehrerinnen, die kämpfen schon lange für die Gehörlosen. Trefft euch doch mit denen auch einmal.’ Auf diese Weise habe ich dann Frau Pinter und Frau Pöllabauer kennengelernt. Es hat sich dann ziemlich schnell eine Zusammenarbeit entwickelt, in die seiner Zeit dann auch Daniel Holzinger als Hörender und Christian Hausch als Gehörloser eingestiegen sind. So hat das dann begonnen und dann haben wir mit einem ersten Projekt schon ziemlich bald fortgesetzt.“

Sie haben die Gebärdensprache in die Forschung neu eingebracht. Wie kam es dazu?

Franz Dotter: „Auch das war wieder ein Zufall, weil die Universität im Rahmen von Sparmaßnahmen das Institut für Sprachwissenschaft geschlossen hat und jetzt mussten sich die Sprachwissenschaftler um neue Arbeitsgebiete bemühen. Wir hatten ja gerade vorher mit den Projekten begonnen und da war es dann eigentlich sehr schön, dass wir in Österreich eine parallele Entwicklung starten haben können, wie sie auch in Deutschland und in anderen Ländern passiert ist, dass aus den Sprachwissenschaftsinstituten teilweise auch Gebärdensprachforschung entstanden ist.“

Warum sind Sie für gehörlose Menschen so aktiv geworden? Wie sind Sie auf diesen Weg gekommen?

Franz Dotter: „Es war einfach evident. Ich habe ja viele Kommunikationsseminare auch gemacht früher, wo ich eben versucht habe, die Leute zusammenzubringen, auch in Konflikten zu vermitteln, usw. und wenn man dann sieht, dass die Gehörlosen praktisch aus diesen Kommunikationen ausgeschlossen waren, das war wirklich ganz unangenehm zu sehen. Es hat natürlich schon Parallelen gegeben mit der slowenischen Minderheit, weil man eben auch slowenischen Muttersprachlern auch nicht zugestanden hat, dass sie Slowenisch reden dürfen, aber es war dann doch nocheinmal ganz anders, also, dass den Gehörlosen praktisch jeder Zugang verschlossen war. Ich habe ja damals noch in den ersten Kontakten mit dem Gehörlosenverband in Kärnten gemerkt, wie wenig dort überhaupt gemacht werden konnte.“
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt