4. Teil der Sendung "Barrierefrei aufgerollt" mit Sabine Zeller

Loading the player ...
Dolmetschen bringt immer wieder unterschiedliche Situationen mit sich.
+ - Textgröße ändern
Text drucken
Heute kommen wir zum 4. und somit letzten Teil der Sendung "Barrierefrei aufgerollt", abschließend mit Sabine Zeller. Sie arbeitet als freiberufliche Dolmetscherin für Österreichische Gebärdensprache und erzählt über ihren Beruf.

Katharina Müllebner: Gebärdensprach-Dolmetscherinnen und -Dolmetscher leisten einen zentralen Beitrag zur Inklusion gehörloser Menschen. Sie übersetzen Lautsprache in Gebärdensprache und umgekehrt. Mit ihrer Arbeit ermöglichen sie gehörlosen Menschen eine Teilhabe in einer Gesellschaft, die meist nur Lautsprache spricht. Sie dolmetschen nicht nur im Falle unserer Radiosendung, sondern seit vielen Jahren auch bei öffentlichen Veranstaltungen, übersetzen Fernsehsendungen und vieles mehr. Sabine Zeller ist seit vielen Jahren selbstständig als Dolmetscherin tätig. Sie stellt uns ihren Beruf vor und erklärt uns, wie Gebärdensprachdolmetschen funktioniert.

Warum haben Sie sich entschieden, Gebärdensprach-Dolmetscherin zu werden?

Sabine Zeller: Zum einen bin ich Kind gehörloser Eltern. Das heißt, ich bin eine CODA. Für mich war immer klar, mit Gebärdensprache etwas zu tun, wobei mein Kindheitswunsch immer war, Lehrerin zu werden und das war auch mein Erstberuf. Ich war Lehrerin für gehörlose Menschen, für gehörlose Kinder und habe das auch 14 Jahre lang praktiziert. Pädagogin bin ich nach wie vor noch und das liegt mir sehr am Herzen. Gebärdensprach-Dolmetschen war zu meiner Zeit, als ich noch Kind war, überhaupt nicht üblich. Es gab keine Dolmetscherinnen. Das Dolmetschen kam erst und als CODA kam ich auch immer wieder in Situationen, wo ich gedolmetscht habe, ohne zu wissen, was ich da tue, ohne zu wissen, wie man es richtig tut und habe dann die erste Chance genützt, wo ich eine Ausbildung zur Gebärdensprach-Dolmetscherin machen konnte.

Katharina Müllebner: Was ist der schwierigste Aspekt beim Dolmetschen?

Sabine Zeller: Das Dolmetschen ist eine sehr vielschichtige Tätigkeit. Die Herausforderung ist sicherlich, dass wir in sehr unterschiedlichsten Situationen arbeiten und mit sehr vielen verschiedenen Menschen zu tun haben. Auf der einen Seite ist da immer die hörende Person oder die hörenden Personen und auf der anderen Seite sind gehörlose Personen, und unsere Aufgabe ist es, für beide Seiten, für beide GesprächspartnerInnen, dem jeweils anderen zugängig zu machen, was der andere gesagt hat. Dieses zugängig machen bedeutet, wenn jemand sehr aggressiv spricht, dann soll das die gehörlose Person, die ja diesen aggressiven Ton nicht hört, mitbekommen. Sie muss es sehen und umgekehrt. Die gehörlose Person, die vielleicht sehr poetisch gebärdet, sehr klein gebärdet und vielleicht fast flüstert - das muss ich wiederum der hörenden Person vermitteln. Und ich glaube, das ist diese große Herausforderung, dass man am Punkt ist beim Dolmetschen, und dass man dem jeweils anderen vermittelt, was die Person ausdrücken möchte plus den Charakter der Person.

Katharina Müllebner: Gebärdensprache ist ein Teil der sprachlichen Vielfalt dieser Welt. Sie ist wichtig für die Identität und die Kultur gehörloser Menschen. Gebärdensprach-Dolmetscherinnen und -Dolmetscher sind sehr wichtig dafür, dass gehörlose Menschen an der überwiegend hörenden Welt teilhaben können. Gebärdensprachen sind interessant und vielfältig. Es lohnt sich also einen Blick darauf zu werfen.

Das war unsere Zusammenfassung der Sendung "Gebärdensprachen - Sprachkultur und Inklusion" aus der BIZEPS-Sendereihe "barrierefrei aufgerollt".
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt