Was ist ELGA

Loading the player ...
ELGA steht für elektronische Gesundheitsakte
+ - Textgröße ändern
Text drucken
Der Begriff ELGA steht für elektronische Gesundheitsakte und ist ein Informationssystem.
Das bedeutet, dass Gesundheitsdaten online gespeichert werden und Patienten und Patientinnen ihre Gesundheitsdaten einsehen können. Es bedeutet aber auch, dass die Gesundheitsdaten MedizinerInnen, Krankenhauspersonal und sogar Apotheken zur Verfügung stehen und die gesamte Krankengeschichte einsehbar ist.
Mehr zu dem Thema ELGA und worauf man dabei achten muss, erklärt euch jetzt Thomas Lohninger von epicenter works:

Was bedeutet ELGA für den Datenschutz?

ELGA steht für die elektronische Gesundheitsakte. Das ist ein Projekt, das es schon seit vielen Jahren gibt in Österreich und damit sollen die Gesundheitsdaten der Bevölkerung elektronisch verarbeitet werden. Das heißt, meine Patientendaten bei meinem Krankenhaus, bei meinem Arzt und auch die Daten über die Medikamente, die ich nehme bei meiner Apotheke, die werden zentralisiert, sodass ein zentraler Zugriff möglich ist. Damit kommen natürlich große Datenschutzprobleme auf uns zu, weil jeder große Datenberg weckt Begehrlichkeiten. Wir haben immer schon davor gewarnt, dass mit ELGA einfach die Interessen kommen werden und heute verspricht man uns nur, nein nein, diese Daten sind nur zum Wohl der Bevölkerung, damit mein Arzt weiß, was der andere Arzt gemacht hat oder welche Medikamente ich vorher bekommen habe. Das wurde uns versprochen. Und heute, 2018, hat die Regierung ein Gesetz vorgestellt, mit dem unsere Gesundheitsdaten auf einmal für Marktforschungszwecke herausgegeben werden sollen. Das Datenschutz-Anpassungsgesetz – Wissenschaft und Forschung, wurde Anfang März vorgestellt, hatte eine ganz kurze Begutachtungsfrist, wurde ganz schnell durchs Parlament durchgepeitscht und wurde jetzt im April auch schon beschlossen. Wir haben sehr lange dagegen gekämpft, dass dieses Gesetz kommt. Das erste Monat hat uns niemand zugehört, weil keiner geglaubt hat, dass die Regierung so was Verrücktes tun könnte und dann haben wir es auf einmal geschafft, dass dieses Thema auch in den Medien besprochen wurde. Wir waren zweimal bei der Zeit im Bild, wir waren in allen Zeitungen, Ö1, FM4 und dann hat die Gesundheitsministerin zuerst gesagt, nein, die ELGA-Daten werden nicht freigegeben und heute, Ende April, hat sie doch einen Entschließungsantrag eingebracht, wo diese Daten freigegeben werden. Das heißt, es ist zu befürchten, dass wirklich die Gesundheitsdaten von allen Menschen in Österreich für Marktforschungszwecke und auch für Industrieforschungszwecke herausgegeben werden, und zwar mit einer mangelnden Anonymisierung, sodass ich zum Beispiel als private Krankenversicherung, die mein Alter, meine Postleitzahl und meinen behandelnden Arzt weiß, ganz leicht meine komplette Krankengeschichte herausfinden kann. Es gibt einen mangelnden Datenschutz bei diesem Gesetz und der Begriff Forschung ist nicht nur die Krebsforschung oder die akademische Forschung sondern eben wirklich auch Industrieforschung, Marktforschung und all die Zwecke, wo wir als Zivilgesellschaft sagen, das geht viel zu weit und das ist eine riesige Schweinerei, weil damit halt auch wirklich das Vertrauen der Menschen in staatliche Institutionen und in das Gesundheitssystem ausgehöhlt wird. Das ist nur eines von ganz vielen Beispielen, wo unser Verein ganz genau den Politikern auf die Finger schaut. Wir verfolgen den Gesetzgebungsprozess ganz genau und wir versuchen den Leuten zu erklären, was da eigentlich passiert. Gerade bei der Digitalisierung ist das sehr wichtig, weil eben viele Leute noch nicht verstehen, was genau mit ihren Daten passiert und es ist unsere Aufgabe als Stimme der Zivilgesellschaft die Leute aufzuklären, was eigentlich im Parlament beschlossen wird.
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt