Inklusion in Flandern: Bilinguale Gebärdensprachklassen im Regelschulunterricht

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Bilinguale Klassen mit gehörlosem Lehrkörper
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In Flandern haben wir die Vision, ein bilinguales System zu gründen. Hierzu zeige ich Ihnen diese schöne Abbildung.

In einer Schule für hörende Kinder soll eine bilinguale Klasse entstehen. Unsere Vision sieht folgendermaßen aus:

Der Großteil der Kinder in dieser Klasse ist gehörlos. Auch Codas bzw. hörende Kinder, die gehörlose Geschwister haben, sind herzlich willkommen. Es ist aber wichtig, dass es mehr gehörlose als hörende Kinder gibt. Der Lehrer ist gehörlos und kann sowohl Gebärdensprache als auch Lesen und Schreiben auf Holländisch. Außerdem kann er genau auf die Grammatik, Struktur und sprachliche Besonderheiten der Gebärdensprache und der Schriftsprache eingehen. Der Lehrer ist in beiden Sprachen gleich kompetent. Beide Sprachen haben im Unterricht den gleichen Stellenwert.

In der Parallelklasse sitzen hingegen nur hörende Kinder. Der Lehrer ist auch hörend und untereinander wird in Lautsprache gesprochen. Zusätzlich werden die Kinder, ein oder zwei Stunden pro Woche, in Gebärdensprache unterrichtet. Da werden Basiskenntnisse vermittelt.
Diese beiden Klassen existieren aber nicht einfach nur parallel, sondern es gibt auch Überschneidungen, das heißt Situationen, in denen sie zusammen sind. Die meiste Zeit sind sie getrennt voneinander, aber manchmal eben auch zusammen, beispielsweise bei Outdoor-Spielen oder bei Projekten, bei denen die SchülerInnen ein- oder zweimal pro Woche zusammenarbeiten.

Sehr wichtig ist die positive Einstellung zu einander. Die hörenden SchülerInnen sollen die gehörlosen SchülerInnen, ihre Sprache und ihre Kultur respektieren. Im Gegenzug sollen auch die gehörlosen SchülerInnen die holländische Sprache nicht abwertend betrachten. Gegenseitiger Respekt und eine positive Einstellung zu beiden Sprachen und Kulturen sind unerlässlich.

Zusätzlich ist es wichtig, dass die ganze Schule eine positive Einstellung hat. Auch die LehrerInnen und der Direktor sollen eine positive Haltung haben und zeigen, dass sie gut zusammenarbeiten. Das hat auch positive Auswirkungen auf die Kinder. Die LehrerInnen und der Direktor sollen mit gutem Beispiel vorangehen, damit die Kinder dann auch selbst gut zusammenarbeiten können.

Dieses Schulsystem gibt es noch nicht. Wir kämpfen jetzt dafür und bitten um Unterstützung, damit wir so eine Schule gründen können. Die Liste an Dingen, die wir für die Gründung brauchen, ist ziemlich lang.

Es ist notwendig, dass die LehrerInnen eine gute Ausbildung haben und teamfähig sind.
Die Schule muss auch offen sein für Neues. Es braucht eine gesetzliche Regelung, die die Gebärdensprache im Unterricht anerkennt. Öffentlichkeitsarbeit ist auch notwendig. Es muss über das tolle Angebot an dieser Schule informiert werden, damit die Eltern darüber Bescheid wissen und ihre Kinder in diese Schule schicken können.

Wir brauchen klare sprachliche Richtlinien. Natürlich brauchen wir auch die Eltern, die ihre Kinder dann zu uns schicken, und mit denen wir aktiv zusammenarbeiten können. Wir brauchen ein Budget, wir brauchen Unterkünfte für die SchülerInnen, Busse für den Transport zur Schule, Unterrichtsmaterialien, Kooperation mit einer Partneruniversität, und noch vieles mehr. Zusätzlich sollte es ein gebärdensprachliches Angebot für die Kinder und deren Familien geben, das schon vor Schuleintritt beginnt. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

Das war es von meiner Seite. Gibt es Fragen oder Anregungen?
Ich hätte noch ein Video, das ich Ihnen zeigen könnte, aber die gesamte Laufzeit beträgt 25 Minuten, das ist ziemlich lang. Den Link zum Video sehen Sie hier oben. Sie können diesen Link auch gerne abfotografieren und später das Video ansehen.
Ich muss leider nach der Mittagspause nach Belgien zurückfliegen. Wenn Sie sich an mich wenden möchten, dann können Sie in der Mittagspause gerne zu mir kommen oder mir ein E-Mail schicken. Danke!
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt