Buch Rezension mit Lydia - Die Schwestern von Sherwood

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Das war Spannung pur von Beginn bis zum Ende.
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Die Schwestern von Sherwood ist eine Geschichte mit zwei Handlungssträngen. Auf der einen Seite erzählt es das Leben der quirligen angehenden Journalistin Melinda in der Nachkriegszeit in Berlin im Jahr 1948. Sie erhält ein mysteriöses Paket, das einige Aquarelle, leidenschaftliche Briefe und eine wunderschön marmorierte Schachfigur enthält. Neugierig geworden, beginnt sie zu recherchieren und findet heraus, dass diese Habseligkeiten einst ihrer gestorbenen Großmutter gehörten. Da ihre Wurzeln in England liegen, beschließt sie, nach England zu reisen und gleichzeitig dort eine journalistische Weiterbildung zu besuchen. Parallel zu dieser Entdeckungsreise begibt sich der Leser gemeinsam mit Amalia Sherwood Schritt für Schritt auf eine spannende Entdeckungsreise in ihr Leben. Melinda’s Großmutter, die im Jahr 1881 nach einer Krankheit ertaubte, von ihrer Familie geduldet wird, führt ein ruhiges und abgeschiedenes Leben, bis sie einen Mann kennenlernt. Diese Liebe sollte es nicht geben. Im englischen Dartmoor stößt Melinda auf interessante Ergebnisse, aber auch auf gefährliche Pfade und Hindernisse. Es sei nicht erwünscht, dass sie die wahre Geschichte aufdeckt. Schlussendlich gelingt es der energischen Melinda, die Wahrheit herauszufinden und ist von dem Schicksal ihrer gehörlosen Großmutter Amalia tief berührt.
Ich muss gestehen, dieses Buch ist eines von wenigen Büchern, die man nicht aus der Hand legen mag. Das war Spannung pur von Beginn bis zum Ende.

Gehörlosigkeit

Die Autorin versteht es gut, die schicksalshafte Geschichte der zwei Schwestern mit den Auswirkungen des Mailänder Kongresses von 1880 zu vereinen. Die Einflüsse, gesellschaftlichen Normen, das Schicksal und das Leiden der gehörlosen Menschen, auf einmal ihrer Daseinsberechtigung und Sprache aberkannt zu werden, wurden hier sehr gut vernetzt. Es finden sich sehr viele kleine geschichtliche Informationen zu Gehörlosen, zu CODA-Kindern und der Gebärdensprache im Roman, sodass man am Ende der Geschichte auch weiser geworden ist.

Gebärdensprache

Die Autorin schafft es sehr gut, die verschiedenen Sprachebenen zu beschreiben. Amalia’s Stimme und handschriftlich Geschriebenes werden in kursiver Form wiedergegeben. Ebenso war es faszinierend, wie sie die Hausgebärden der HeimbewohnerInnen (Amalia wurde dann in ein Heim abgeschoben) beschrieb, aus der Überlebensnotwendigkeit entwickeln gehörlose Kinder/Erwachsene eigene Variationen der Gebärden. In weiterer Folge erfährt der Leser, dass der damalige Gehörlosenlehrer Abeé l’Epeé ein Buch über Methoden im Unterricht mit Gehörlosen geschrieben hat und die gebärdensprachliche Methode wird kurz erläutert.
In diesem Buch wurden sehr viele Themen behandelt und doch die schicksalshafte Geschichte der Schwestern von Sherwood in einem packenden Roman erzählt.
Die ersten Rezensionen waren auf den Schwerpunkt Gebärdensprache und Gehörlosigkeit fokussiert. In der nächsten Rezension stelle ich Euch meine allererste Lieblingsliteratur vor. Seid gespannt, bis zum nächsten Mal.
(ep)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt