International Week of the Deaf 2017 - Bilinguale Erziehung

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Lydia Fenkart erzählt aus der Praxis
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Lydia Fenkart: Hallo allerseits, wir befinden uns nun in der "International Week of the Deaf", in welcher es über das Thema Gehörlosigkeit und Gebärdensprache geht. Ich möchte mich vorstellen. Mein Name ist Lydia - das ist der Gebärdenname für Lydia - Fenkart - das ist der Gebärdenname für Fenkart. Meine Tätigkeiten erstrecken sich von der Lehrtätigkeit für Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) über verschiedene Aktivitäten in Vereinen, wie dem Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) und ich engagiere mich zum Thema Gebärdensprache im Kontext Gehörlosigkeit.

Heute möchte ich kurz das Thema "bilingual education" (auf Deutsch: bilinguale Bildung) vorstellen. Uns ist die Thematik wohlbekannt, dass die UN-Konvention in Erwähnung der Menschenrechte den gehörlosen Menschen das Recht auf Gebärdensprache vom Babyalter bis zum Tod zuspricht. Hier wird auch kein Unterschied zwischen Schwerhörigen oder CI-TrägerInnen gemacht, alle haben einfach dieses grundsätzliche Recht. Ebenso ist es um das bilinguale Angebot erweitert, auch wieder vom Babyalter bis zum Tod.

Was bedeutet nun "bilingual"? Es beschreibt die Kompetenz von verschiedenen Sprachen - zwei, drei - einfach mehreren Sprachen. Als gehörloser Mensch lebt man immer in zwei Welten, wir wechseln hin und her, im diesem Kontext sind wir immer zwei Sprachen sowie zwei Kulturen ausgesetzt. Diese beiden unterscheiden sich. Für uns bedeutet es, in der Welt der Gehörlosen in Gebärdensprache und in der hörenden Welt mit der Schriftsprache Deutsch (unabhängig von der Lautsprache) zu kommunizieren. Gehörlose müssen die Kompetenzen beider Sprachen entwickeln und beide sollen auch im Unterricht vermittelt werden. Im ganzen schulischen Leben sollen die Möglichkeit beider angeboten werden. Dies ist sehr wichtig, denn wenn ich als gehörloser Mensch beide Sprachen zu hundert Prozent beherrsche, in beiden Kulturen leben kann, kann ich mein Leben selbstbestimmt in positiver Weise gestalten. Ich weiß somit, wie es in der gehörlosen Welt abläuft: ich kann gebärden, kenne die Gehörlosenkultur, aber ich kann auch in der hörenden Welt bestehen: ich bin in der Deutschen Schriftsprache kompetent und ich kenne die Möglichkeiten mit hörenden Menschen zu kommunizieren.

Deshalb ist es so immens wichtig, in der Schule bilingualen Unterricht anzubieten. Bilingual bedeutet auch, dass Gehörlose von Gehörlosen ihre Sprache, Kulturen und - wie soll es auch anders sein - von Hörenden ihre Welt, Sprache und Kultur kennen lernen und vermittelt bekommen. Später haben sie dann in beiden ihre Kompetenzen entwickelt und dies ist ein sehr wichtiger Punkt für die Zukunft gehörloser Kinder.

Ebenso gehört in diesem Kontext das "bimodale" Konzept. Was bedeutet "bimodal"? In gleicher Sprache wird auf einem anderen Kanal unterrichtet. Ebenso ist es wichtig, dass Gehörlose unterschiedliche Gebärdensprachen kennen, wie zum Beispiel ÖGS, BSL und International Sign. Dies ist für das Sprachenportrait von Kindern sehr wichtig.

Dazu gilt es für die Eltern, den Lehrkörpern und den DirektorInnen, dass sie weiterhin so engagiert bleiben und um die Rechte gehörloser Kinder kämpfen. Nicht aufgeben! Ebenso der respektvolle Umgang miteinander, das Fordern und Fördern sind wichtige Aspekte in der Situation. Das war nun meine Botschaft zum Thema Bildung/education.
(cg)
Foto: Gebärdenwelt
Video: Gebärdenwelt